Rezension zu “Silber – Das erste Buch der Träume” von Kerstin Gier

Von Nightingale @nightingale78

07/05/13

Silber -
Das erste Buch der Träume

Autorin: Kerstin Gier

Seiten: 408 (Hardcover)

Verlag: Fischer FJB

Preis: 18,99 EUR (D.land)

Erstveröffentlichung: Juni 2013

ISBN: 978-3841421050

Die Autorin…

Kerstin Gier, Jahrgang 1966, hat als mehr oder weniger arbeitslose Diplompädagogin 1995 ihr erstes Buch veröffentlicht. Mit riesigem Erfolg: Ihre Romane wie die »Müttermafia« oder »Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner« sind längst Kult und auf allen Bestenlisten zu finden, genauso wie »Rubinrot«, »Saphirblau« und »Smaragdgrün«, die auch international zu Bestsellern wurden. Im März 2013 kam mit »Rubinrot« bereits die zweite Verfilmung eines ihrer Bücher mit Starbesetzung in die Kinos. »Silber – Das erste Buch der Träume« ist der Auftakt zu ihrer neuen phantastischen Trilogie. Die Autorin lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen in der Nähe von Köln.

Quelle Autorenprofil: Fischer Verlage 

Der Plot…

 Die fast 16-jährige Liv Silber hatte sich ihr neues Leben in London so rosig vorgestellt. Mehr als bereit sind Liv und ihre kleine Schwester Mia, dem Nomadendasein endlich Ade zu sagen. Doch nach einer bereits holprigen Ankunft, zerplatzt die farbenprächtige Traumblase im nu. Ein gemeinsames, neues Leben mit Schwester Mia, der Mutter, Kindermädchen Lottie und Hund Buttercup in einem gemütlichen Cottage? Pustekuchen. Anstellen dessen heißt es schon bald, Mamas neuen Lover Ernest Spencer gegenüber zu treten. Der will Nägel mit Köpfen machen und die ganze Silber-Familie mit seiner eigenen unter einem Dach vereinen. Liv und Mia sind am Boden zerstört. Das geht so nicht! Zu allem Übel plagen Liv seit ihrer Ankunft in der englischen Metropole seltsame und sehr realistisch wirkende Träume. Gänge voller geheimnisvoller Türen, sprechende Steinfiguren die davor Wache stehen und sie in seltsame Traumwelten eintreten lassen, wenn sie den richtigen Schlüssel vorzeigen kann? Makaber. In einem der Träume findet sich Liv auf einem Friedhof wieder und beobachtet vier Jungs bei einem unheimlichen, magischen Ritual. Was für Grufties sind das denn? Zu ihrem Entsetzen trifft sie am nächsten Tag wieder auf die Clique, allerdings nicht im Traum sondern in ihrem realen Leben an der neuen Schule. Einer von ihnen ist Grayson, Stiefbruder in Spe. Und wie sich herausstellt, können sich die Jungs auch an ihren vermeintlich, gemeinsamen Traum erinnern. Doch wer glaubt, dass das junge Mädchen Angst kriegt und schreiend davon läuft, irrt gewaltig. Liv Silber hat bisher jedes Rätsel geknackt und stürzt sich auch dieses Mal eifrig ins Gefilde…äh ihre Traumwelt. Doch manche Türen und Rätsel sollten vielleicht doch lieber verschlossen bleiben…

Meiner Ansicht nach…

Natürlich war ich eine von denen, die nach Frau Giers neuem Jugendbuch “gierte”. Da war es auch nicht verwunderlich, dass ich binnen kurzer Zeit mit einem traumhaften Tempo durch die Seiten flog. Das ist inzwischen normal, wenn ich ein Buch der Autorin in die Hand nehme. Doch selten fühlte ich mich danach so sehr nach Worte ringend, wie für diese Buchbesprechung. Nach Worte ringend kann ich mir Kerstin Gier hingegen kaum vorstellen. Den ersten Lacher gab es von mir bereits auf der 2. Seite.

Mit einem Dauergrinsen im Gesicht genoss ich das neue Leben der Silbers sehr viel mehr als Liv und ihre kleine Schwester Mia. Die können sich ihr schön zurecht geträumtes Leben mit Mama, Hund und Kindermädchen Lottie im Londoner Stadtteil Oxford, getrost abschminken. Nix ist mit Familienidyll a la Silber. Schuld ist Mamas neuer Lover Ernest, der ohne zu fragen, bestimmen will wo die Familie lebt. Wenn er nur nicht so nett wäre. Eeeek! Da bleibt selbst der schlagfertigen Schnüffelnase Mia die Spucke weg. Liv hingegen muss sich an der piekfeinen Frognal-Academy nicht nur mit einigen dummen Diven rumschlagen und wird zu ihrem Leidwesen neues Tratschobjekt vom Tittle Tattle Blog – Gossip Girl lässt grüßen – sondern erregt auch Aufmerksamkeit bei der vermeintlich heißesten Jungs-Clique an der Schule. Ihren allnächtlichen Träumen sei Dank.

Aus der Ich-Perspektive schildert Kerstin Gier Protagonistin Liv Silbers holprigen, süßen Start am Flughafen. Bereits auf den ersten Seiten versprüht sie damit eine traumhafte, lebhafte Stimmung um Liv. Mit ihr hat die Autorin ohne jeden Zweifel eine toughe, süße, sehr neugierige Hauptfigur geschaffen die sich um keinen blöden Spruch verlegen ist und ganz genau weiß was sie tut. Liv lässt den Leser freimütig ein in ihre Gedanken- und Traumwelt. Aber auch Schwester Mia und ihre Schwäche für Schnüffeleien wuchsen mir mindestens genauso schnell ans Herz, wie unzählige Nebenfiguren. Jeder bekommt hier seinen Auftritt. Und das ist ein riesen Pluspunkt von mir an “Das erste Buch der Träume”.

Kerstin Giers große Stärke ist es, mit scheinbarer Mühelosigkeit fantastische und sehr lebhafte, sowie mysteriöse Charaktere zu kreieren. Das beherrscht sie wie kaum eine andere. Man merkt, dass ihr ihre Buchfiguren unheimlich viel bedeuten. Sie umsorgt und betudelt sie auf ihre ganz eigene Weise. “Silber – Das erste Buch der Träume” lebt von erfrischendem, frotzeligen Humor. Dieser zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und wirkte dabei bis zuletzt herrlich unaufdringlich. Ich bekam davon nie genug. Und obwohl es mir zu keinem Zeitpunkt langweilig wurde, ich köstlich unterhalten wurde und kurzweilige Lesestunden mit “Silber” verlebte, fehlte mir – ich muss es zu meiner Schande gestehen – doch ab und zu der gewisse Pfiff. Die Welt der Silbers/Spencers sowie die Traumwelt von Liv wurden ganz wunderbar erschaffen. Ich fühlte mich pudelwohl zwischen den Seiten. Doch die Spannung wurde hier etwas sparsam dosiert. Absicht? Wissen wir doch, dass noch zwei weitere Bände folgen werden. Bei dieser Trilogie bin ich mir absolut sicher, dass der mir noch fehlende Pfiff in den Folgebänden wett gemacht wird.

Was mich besonders reizt ist, dass ich absolut keine Ahnung habe in welche Richtung die Autorin gehen möchte. Daher interessiert es mich brennend, was die Autorin noch in petto hat. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Liv & Co!

Spieglein Spieglein…

Auf dem Buchumschlag ist viel los. Eine Schleiereule, sowie ein komisches Echsenwesen sind zu sehen und Türen gibt es auch jede Menge im Buch. Traumhaft, etwas unheimlich und wirklich perfekt passend zum Buchinhalt. Zum träumen schön und ein wahrer Blickfang ist auch der Einband, in knalligem Rot gehalten.

Tacheles…

Autorin Kerstin Gier hat ganz sicher wieder einen Coup gelandet. Mit viel Humor, sehr lebendigen Charakteren und aufregenden Ausflügen in eine etwas undurchsichtige Traumwelt, überzeugte mich dieser Auftakt. Der ultimative Tupfen auf dem i von “Silber” fehlte bei mir etwas. Nichtsdestotrotz ist >Das erste Buch der Träume< ein unheimlich witziger, kurzweiliger, dicht erzählter Lesespaß zum träumen. Getragen wird die Geschichte vor allem durch ihre Protagonistin Liv Silber, aber auch toll ausgearbeiteten Nebenfiguren wie Schwester Mia, Lottie und natürlich den ‘Jungs’. Leser die Kerstin Gier und ihren Humor lieben, werden ganz bestimmt diesen Auftakt mindestens genauso verschlingen wie ich es tat.