Rezension zu “Second Chance Summer” von Morgan Matson

Von Nightingale @nightingale78
07/13/13

Amy & Roger’s Epic Detour

Autorin: Morgan Matson

Seiten: 468 (Taschenbuch)

Verlag: Simon & Schuster

Sprache: Englisch

Erstveröffentlichung: Mai 2012
VÖ Printausgabe auf Foto: Juni 2012

ISBN:  978-0857072702

Die Autorin…

Morgan Matson wuchs in New York City und Greenwich, Connecticut, auf. Sie besuchte das Occidental College in Los Angeles, begann aber auf halbem Weg ihres Abschlusses in der Kinder-Abteilung vom Vroman Buchshop zu arbeiten und verliebte sich in Jugendbuch Literatur. Nach ihrem College Abschluss zog sie zurück in den Osten, um die New School zu besuchen, wo sie ihren MFA in Schreiben von Kinderliterature machte. “Amy & Roger Epic Detour”, Morgans Debüt, wurde von Cross-Country-Road-Trips durch Amerika inspiriert. Es ist seit der Veröffentlichung im Mai 2010 in fünf verschiedenen Sprachen und sechs verschiedenen Ländern erschienen.

In der Zwischenzeit zog Morgan zurück nach Kalifornien, ging wieder auf die Uni und erhielt im Jahr 2011 ihren MFA in Screenwriting von der University of Southern California. Ihr zweites Buch, “Second Chance Sommer”, wurde im Mai 2012 veröffentlicht und bezieht sich weitestgehend auf ihre Sommerurlaube, welche sie in den Pocono Mountains/Pennsylvania, verbracht hatte.

Morgan lebt derzeit in Los Angeles. Sie schreibt momentan an einem neuen Buch, welches im Jahr 2014 erscheinen soll.

Der Plot…

Taylor Edwards Familie ist vielleicht nicht super eng miteinander verbunden – jeder ist ein wenig zu beschäftigt und verplant, aber zum größten Teil kommen sie alle gut miteinander aus. Doch dann erhält Taylors Vater eine niederschmetternde Nachricht. Ihre Eltern beschließen daraufhin, dass die Familie einen letzten Sommer zusammen in ihrem alten Ferienhaus am See in den Pocono Mountains verbringen wird. Seit fünf Jahren waren sie nicht mehr miteinander dort. Für Taylor wird dieser Sommer eine Art Reifeprüfung, denn weglaufen vor ihren alten Problemen kann sie jetzt nicht mehr.

Zusammengepfercht in einem Ort viel kleiner und rustikaler als sie es gewohnt sind, kommen die Edwards einander allmählich näher als jemals zuvor. Und Taylor entdeckt, dass die zwei Menschen von denen sie dachte, sie hätte sie vor fünf Jahren verloren, noch immer da sind. Ihre ehemals beste (und einzige) Freundin Lucy steht plötzlich vor ihr. Und dann ist da noch Henry. Taylors erster Freund. Er wohnt gleich nebenan … und ist viel niedlicher mit siebzehn Jahren, als er es mit zwölf war. Doch werden beide ihr verzeihen können?

Klar ist: mit voranschreiten des Sommer wird die Uhr des Oberhauptes der Familie Edwards langsamer schlagen. Und Taylor wird bald bewusst, dass sie unbedingt eine zweite Chance braucht, sowohl in der Freundschaft, Liebe als auch mit ihrer Familie.

Meiner Ansicht nach…

Erst vor kurzem las ich das Debüt der Autorin, “Amy & Roger’s Epic Detour”, welches mir recht gut gefiel. Und obwohl mir von vielen Seiten versichert wurde, dass Morgan Matsons zweites Buch “Second Chance Summer” (dt. Titel: “Vergiss den Sommer nicht”) noch besser ist, begann ich es ohne große Erwartungshaltung zu lesen. Nach den ersten Seiten fühlte ich mich bereits pudelwohl. Das Buch beginnt damit, dass sich Protagonistin Taylor Edwards früh morgens aus dem Haus schleicht um vor dem anstehenden Trip in die Pocono Mountains reisaus zu nehmen. Es ist ein halbherziger Fluchtversuch, bei dem sie – wie schon so oft – von ihrem Vater aufgegabelt wird. Man kann Taylor wirklich als ollen Angsthasen sehen. Doch wem würde bei solch traurigen Umständen nicht Angst und Bange zumute werden? Das Schicksal von Taylors Vater ist der Grund für den geplanten Trip in die Berge. Ihr Vater hat nur noch drei Monate zu leben. Es ist der letzte Wunsch vom Familienoberhaupt, den Sommer gemeinsam im alten Sommerhaus zu verbringen. Schon früh wird klar, dass “Second Chance Summer” keine sorglose Sommergeschichte wird. Dafür ist der Kern, nämlich die schwere Krebserkrankung von Taylors Vater, zu präsent.

Diese Geschichte ist deshalb aber nicht nur tragisch und traurig. Mit voranschreiten der Geschichte ändert sich selbstverständlich die Stimmung rapide.

Der Plot zeigt den Sommer aus Taylors Sicht und auf ihre inner Sehnsucht, Ängste und Verwirrung. Eine Familiengeschichte ganz sicher, aber es geht auch um Freundschaften, um die erste Liebe. Es soll ein Sommer der zweiten Chancen werden. Der engl. Titel ist daher sehr perfekt.

Obwohl Protagonistin Taylor so ganz anders ist als ich, fühlte ich mich ihr nahe. Sie hat Angst, Problemen gegenüber zu treten und nicht vor ihnen wegzulaufen. Sie ist ein ganz normaler 17-jähriger Teenager mit Unsicherheiten, die wir wohl alle in dem Alter hatten. Was mich immer wieder besonders begeisterte, war die Beziehung zwischen Taylor und ihrem Vater. Ihr Vater, ein erfolgreicher Anwalt und vor seiner Erkrankung nur selten Zuhause, hat nun mehr Zeit. Ich empfand ihn als eine wirklich warmherzige Figur. Die Frühstücksrituale zwischen ihm und Taylor liebte ich. So kamen sie einander auf eine Weise näher, wie nie zuvor. Sie vertrauten sich Dinge an, die sie mit niemandem teilten.
Aber auch Taylors Geschwister, die etwas distanziert wirkende Mutter sowie der kleine Streuner Murphy sind wunderbare und interessante Figuren der Edwards Familie.

Und dann ist da natürlich noch der eigentliche Grund für Taylors große Angst vor der Rückkehr in die Pocono Mountains. Dort verbrachte sie, bis vor fünf Jahren, ihre schönsten Sommer mit ihrer besten Freundin Lucy und dem süßen Jungen Henry. Angst hat Taylor davor, ihnen wieder zu begegnen. Denn damals rannte sie vor ihnen weg. Wieso, erfährt man selbstverständlich im Laufe der Geschichte. Und man erfährt auch, ob Lucy und Henry ihr vergeben können. Beide Figuren mochte ich sehr gerne, wobei ich überrascht war, wie wenig man zunächst von Henry zu Gesicht bekam.

Der Fokus wird in “Second Chance Summer” eindeutig auf die Familie, Freundschaften und den Verlust in jeglicher Form, sei es Streit oder Tod, gesetzt. Letzteres tritt ein. Das ist kein Spoilern, sondern ein Fakt mit dem man zu rechnen hat, bevor man überhaupt anfängt zu lesen.  Der Erzählstil von Morgan Matson unterstreicht die Emotionen aller so wunderbar, dass man sich am liebsten alles aufschreiben und nicht mehr vergessen möchte.

Der Abschied ist grausam, wie aus dem richtigen Leben gegriffen und brach mir das Herz. Nichtsdestotrotz ist “Second Chance Summer” definitiv ein Sommerbuch, für welches sich Morgan Matson das Setting der Pocono Mountains, ausgesucht hatte. Und obwohl ich noch nie da war, entstand durch die genauen Beschreibungen ein zauberhafter Ort vor meinem inneren Auge an dem ich gerne noch länger verweilt wäre.

Spieglein Spieglein…

Meine UK-Version ist natürlich ein Träumchen mit all den liebevollen Details. Man findet alles in der Geschichte wieder, was auf dem Cover geschieht. Taylor auf ihrem Fahrrad. Ein kleiner Hund. Natürlich das Haus der Edwards mit dem Steg zum See. Das Diner von Taylor und Papa Edwards. Das US-Cover ist schlichter gehalten, aber auch sehr treffend. Wogegen das Cover der deutschen Ausgabe “Vergiss den Sommer nicht” den Eindruck erwecken lässt, dass der Inhalt eine Liebesgeschichte ist.

Tacheles…

Morgan Matson hat von ihrem Debüt zu diesem Buch eine tolle Steigerung gemacht. Ich durchlebte schöne, verträumte, liebevolle, witzige Momente und las die letzten 60 Seiten der Geschichte mit einem Tränenschleier in den Augen. Dämme brachen natürlich auch. Die Figuren sind so liebevoll erfasst worden. Ich durchlebte jedes Gefühl der Familie Edwards intensiv mit und es fühlte sich an, als ob ich genauso einen Verlust zu durchleben habe. Von Glück, Liebe bis leiser Hoffnung, zu Resignation und Trauer. ”Second Chance Summer” ist für mich nahezu perfekt und sollte daher unbedingt eine Chance bekommen.