Rezension zu “Graffiti Moon” von Cath Crowley

Von Nightingale @nightingale78
05/04/13

Graffiti Moon

Autorin: Cath Crowley

Seiten: 256 (Hardcover)

Verlag: Carlsen

Übersetzung: Henning Ahrens

Preis: 16,90 EUR (D.land)

ISBN: 978-3-551-58279-9

Die Autorin…

Cath Crowley wuchs mit drei Brüdern und einem Hund namens Elvis auf dem Land auf. Sie erzählt schon ihr ganzes Leben lang gern Geschichten, hat sie aber nie aufgeschrieben – bis sie von Australien nach Europa zog und begann, ihrem Bruder Anthony Briefe zu schreiben. Er montierte diese Briefe zu einem Musical und das war der Auftakt ihrer Schriftstellerkarriere. Heute lebt und schreibt Cath Crowley in Melbourne.

Quelle Autorinprofil: Carlsen Verlag

Der Plot…

In Lucys Heimatstadt ist er nur unter dem Namen ‘Shadow’ bekannt. Er ist ein Phantom, das Nachts durch die Stadt zieht und mit seinem Freund ‘Poet’ emotionsgeladene, vor Kraft pulsierende Werke an graue Wände sprüht. Lucys Herz schlägt wild für ihn und seine Graffiti-Kunst. Doch nicht umsonst heißt dieser Junge ’Shadow’. Ihn zu erwischen scheint für das junge Mädchen zu einer Mission Impossible zu werden. Wieder einmal bricht die Nacht herein und Lucy bekommt einen Tipp, wo Shadow einer weiteren Wand farbiges, vor Poesie strotzendes Leben einhaucht. Doch wieder ist sie zu spät. Lucys Verlangen ihn zu finden ist nunmehr unbändig. Da kommt ihr der etwas seltsame Ed ganz gelegen, denn er und seine Freunde behaupten Shadow zu kennen. Gemeinsam streifen Lucy und Ed durch die warme Sommernacht. Begleitet werden sie von Musik, Haikus und Shadows ‘Pieces’. Mit ihm zusammen sieht Lucy einmal kein Phantom vor sich. Doch Ed hat ein Geheimnis vor der redseeligen Lucy. Wird sie es lüften und ihm dann noch in die Augen schauen können?

Meiner Ansicht nach…

Geschichten die das Leben schreiben? Im Falle von ”Graffiti Moon” wird hier gesprüht, was die Farben herhalten und auf Teufel komm raus gedichtet. Aus wechselnden Perspektiven von Lucy und Ed rauschte ich mit ihnen durch eine Nacht voller Kunst, Lyrik und Leben. Dazwischen schenkt der Freund von Shadow (und Partner in Crime) dem Leser einige seiner Gedichte. Es sind Gedankenstränge verpackt ich schlichte, aber starke Worte. Ein recht einfacher, aber dennoch ausdrucksvoller und lyrischer Schreibstil wird umrahmt von einer sehr ‘Arty’ Atmosphäre. Denn nicht nur Shadow hat sich den Sprühdosen verschrieben, auch Lucy wünscht sich sehnlich mit ihrer Glasbläserei einmal wahre Kunstwerke zu erschaffen.

Künstler sind oftmals sehr sensibel, gewissermaßen exzentrisch und empfänglich für ihre Umgebung. Sowohl Lucy als auch Ed haben für mich dieses Image sehr passend ausgefüllt. Sie stehen jedoch noch am Anfang ihre eigene Kunst zu entdecken und müssen währenddessen mit ihrem Leben auf die Reihe kommen. Sie sind liebe Zeitgenossen mit denen man sich gerne in eine Nacht voller Abenteuer, aber auch simplen Gesprächen, verlieren möchte. Während Lucy das ‘Künstler-Gen’ praktisch von ihren Eltern geerbt hat, scheint Ed einer dieser verlorenen Seelen zu sein. Beide erfüllen da ganz offensichtlich nicht das ‘typische’ Teenagerbild. Sie passen in keine Schublade und das war für mich so eine kleine Message. Sei du selbst, egal wer dir sagt was du werden sollst. Es ist ein Weg gepflastert mit Verwirrungen und Selbstzweifel. Der Weg zum Erwachsenwerden.

Die Geschichte ist schon vorhersehbar, aber ich wollte wissen, wie Lucy und Ed nicht nur dem Geheimnis um den Graffiti-Künstler auf die Spur kommen sondern wie sich die Nacht für sie selbst entwickelt. Was sie bei ihren Entdeckungen von Wahrheit und Lüge empfinden.

“Graffiti Moon” ist ein süßes Buch, aber auch manches Mal mit so romantischen, tiefgründigen Textpassagen gefüllt, dass mir ein kleiner Kloß im Hals stecken blieb. Am Ende läßt man Lucy und Ed gehen und wünscht ihnen von Herzen, dass sie der Mut und Glaube an ihre Zukunft, Liebe und Familie nicht verlassen wird.

Spieglein Spieglein…

Eigentlich war ich vor einigen Monaten beim Anblick des Covers etwas misstrauisch. Das kam daher, weil ich “First comes Love” (“Dylan & Gray”) von Katie Kacvinskys gerade gelesen hatte. Das Buch hat nämlich, abgesehen von dem Graffiti-Einfluss auf “Graffiti Moon”, das gleiche Grundcover. Aber als ich die Graffiti-Lovestory dann in meinen Händen hielt, wurde dem Büchernarren in mir ganz warm. Der Schutzumschlag ist nur ein feiner iTupfen, denn der Einband an sich sprüht vor Graffiti-Kunst.

Tacheles…

Cath Crowley läßt in “Graffiti Moon” ihre Protagonisten Lucy und Ed nach den Sternen greifen. Dieses kleine Buch ist nicht nur eine simple Liebesgeschichte. Verpackt in einen ungewöhnlichen, aber passend lyrischen Schreibstil sind Lucy und Ed in einer heißen Nacht nicht nur auf der Suche nach einem Graffiti-Künstler, sondern nach sich selbst. Gefangen zwischen ihren Träumen und sehr realistischen Problemen, lernen die beiden sich kennen. Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit, wie die Nacht enden könnte, versprühte “Graffiti Moon” für kurze (Lese)Zeit einen gewissen Zauber bei mir.