Rezension: Ymberra. Momente der Hoffnung - Jeidra Rainey

Rezension: Ymberra. Momente der Hoffnung - Jeidra Rainey

© Jeidra Rainey*

Ymberra. Momente der Hoffnung| Jeidra Rainey |

Verlag: CreateSpace 2018

Seiten: 368 ASIN: B079QJB36R

MEINE BEWERTUNG 

-Klassisches Drama im dystopischen GewandAls der Regen fiel, hat er die Welt fortgespült. Was bleibt ist die Insel Ymberra, die als einzige Zuflucht der Menschheit gilt. Hier herrscht ein strenges System, das die Ordnung erhalten soll: Partner binden sich ein Leben lang, außer sie wollen auf ewig einsam sein. Für die Partnerwahl bleibt ein Jahr Zeit und im Jahr des Momentums steht die Suche nach der Beziehung für's Leben an. Wie wird sich Pearl entscheiden?
Ymberra ist der einzige Ort auf der Welt, wo Leben möglich ist. Die Menschheit ist auf die Insel geflüchtet, und hat sich ein striktes System der Partnerwahl zurechtgelegt. 

Im Momentum müssen Jungen und Mädchen zueinanderfinden und sich nach diesem Jahr des Kennenlernens den Namen ihrer Wahl auf die Stirn tätowieren. Nur wenn die Entscheidungen übereinstimmen, steht dem Paar ein glückliches Leben als Fortunas bevor. Ansonsten werden sie als Devius immer allein und am Rand der Gesellschaft stehen.

Das Mädchen Pearl hat vor ihrem Momentum regelrecht Angst, weil sie sich als introvertierte Einzelgängerin schwer mit anderen tut. Außerdem rechnet sie sich keine Chancen auf den idealen Partner aus, und stellt sich schon jetzt ihre Zukunft als Devius vor.

Jesper sträubt sich gegen das System, daher geht er sein Momentum mit großem Widerwillen an. Von Vornherein strebt er ein Leben als Devius an, weil es für ihn die einzige denkbare Möglichkeit ist. 

Doch dann zeigt das Schicksal, das es eigene Pläne für diese beiden Leben hat.

Anfangs habe ich Pearl gegenüber Mitleid empfunden. Sie ist durch ihr unsicheres Wesen gehemmt und steht sich selbst im Weg. Im Lauf der Erzählung wollte ich ihr etliche Male in den Hintern treten, weil sie mit ihrer ablehnenden Haltung dementsprechend nicht auf Gegenliebe stößt. Sie kritisiert, dass andere in Schubladen denken, doch selbst neigt sie ebenfalls dazu. Sobald sie neuen Menschen gegenübersteht, rechnet sie mit Ablehnung, was natürlich zur selbsterfüllenden Prophezeiung führt. Zum Glück macht sie im Lauf der Handlung eine enorme Entwicklung durch, die spannend zu verfolgen, und richtig gut zu lesen ist. Pearl lernt sich kennen und merkt, dass sie ihr Glück in die eigene Hand nehmen und zu ihren Überzeugungen selbstbewusst stehen muss.

Jesper ist ein schwerer Fall, der hoffnungslos in eine triste Zukunft blickt. Er mag sich nicht einmal selbst und hat sich ein ruppiges Schutzschild zurechtgelegt, damit ihm niemand anderer Sympathie entgegenbringen kann. Aber wie Pearl wird Jesper klar, dass eine schwere Last gemeinsam leichter zu tragen ist.

Die Hauptfiguren und ihr depressives Wesen haben sofort einen Beschützerinstinkt in mir geweckt. Beide hätte ich am liebsten mal durchgeschüttelt und ihnen eine Portion Lebensfreude vorgesetzt, damit sie in die Gänge kommen. Doch dann finden sie ihr persönliches Quantum Trost in einer Liebesgeschichte, die schon viele Generationen vor ihnen in Staunen versetzt hat.

Die Rede ist von "Romeo und Julia", ein Werk, das auf Jeidra Raineys Ymberra wichtigen Raum einnimmt. Man fühlt die Begeisterung für die große Liebe, die tiefen Emotionen und gelebte Verbundenheit, was sich eben auch bei Shakespeare zwischen den Zeilen streckt. 

Die Liebe ist außerdem Grundlage des schikanösen Systems, das die Menschheit Ymberras in Devius und Fortunas einteilt. Diesen Ansatz fand ich spannend gewählt, weil gerade die Liebe als Schlüssel zur Unterdrückung ungewöhnlich ist.

Die Handlung finde ich gut, sie ist interessant zu lesen und die Figuren absolvieren einen dystopischen Spießrutenlauf der Gefühle, auch wenn das Genre damit nicht neu erfunden ist.  

Das Ende der Geschichte, vor allem die Abschlusssequenz, fand ich großartig gewählt und erzählt. Ich war angenehm überrascht, habe das Buch zufrieden zugeschlagen und in mich hineingelacht.

Meiner Meinung nach ist "Ymberra. Momente der Hoffnung" eine Dystopie mit ganz viel Gefühl im klassischen Rahmen, die hoffentlich viele Leser bangen lassen und bezaubern wird.

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