[REZENSION] "Wunschkonzert"

Von Buechersuechtig
Cover
Die Autorin
Anne Hertz ist das Pseudonym der Hamburger Autorinnen Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz, die nicht nur gemeinsam schreiben, sondern als Schwestern auch einen Großteil ihres Lebens miteinander verbringen. Bevor Anne Hertz 2006 in Hamburg zur Welt kam, wurde sie 1969 und 1972 in Düsseldorf geboren. 50 Prozent von ihr studierten Jura, während die andere Hälfte sich der Anglistik widmete. Anschließend arbeiteten 100 Prozent als Journalistin. Anne Hertz hat im Schnitt 2 Kinder und mindestens 0,5 Männer. Mehr Informationen unter: http://www.anne-hertz.de/
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Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Knaur HC (4. Oktober 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426652714
ISBN-13: 978-3426652718
Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,6 x 2,8 cm
Leseprobe
Quelle: Droemer Knaur  *bitte auf Leseprobe klicken*
Die Geschichte...
Dass das Leben kein Wunschkonzert ist, bekommt Stella am eigenen Leib zu spüren: Ihr Chef verkauft sein Plattenlabel an den Hauptkonkurrenten World Music und so wird  die fusionierte Firma in Zukunft "World Records" heißen. Das passt Stella gar nicht, denn eigentlich wollte sie den überaus charmanten Tom Lievers und seine Band "Reeperbahnjungs" unter Vertrag nehmen, doch laut ihrem neuen Chef David Dressler müssen neue Plattenverträge warten. Außerdem gibt es da auch noch ihren Kontrahenten Martin Stichler, der auch Senior Manager bei World Music und seine Position auf alle Fälle behalten will... Da die neuen Büroräume in der Hamburger Hafencity noch nicht bezugsfertig sind, wird die zusammengewürfelte Gruppe zu einem 7-tägigen Teambuilding-Seminar in die Lüneburger Heide geschickt, dass sich für Perfektionistin Stella zu einem Albtraum entwickelt...  **ACHTUNG SPOILER** Denn ihr Boss findet es spaßig, seine Untergebenen in einer Jugendherberge mit Vierbettzimmern, Stockbetten, Gemeinschafts-Waschräumen und Küchendienst unterzubringen und dann auch noch die Zeit mit unsinnigen Spielchen zur Teamzusammenführung zu verplempern. Und dann droht, ihr gesamtes Leben aus dem Ruder zu laufen, denn sie hält Tim Lievers mit dem Plattenvertrag hin und sagt ihm nicht die Wahrheit, Martin Stichler ist intrigant und mit den restlichen Kollegen versteht sie sich auch nicht wirklich... **SPOILER ENDE**
Meine Meinung:Das Autorenduo Anne Hertz zählt bereits seit Jahren zu meinen Lieblingsautorinnen und so musste ich auch ihren 7. Roman lesen. Der Prolog zeigt Stella in einer schier ausweglosen Situation, die sich im Handlungsverlauf erklärt wird. Die Handlungsdauer der eigentlichen Geschichte umfasst ein paar Monate in Stellas Leben, der Epilog findet 1 Jahr später statt. Neben Hamburg findet auch die Lüneburger Heide als Schauplatz Verwendung.  Stella Wundermann ist mit ihren 32 Jahren erfolgreiche Senior A&R Manager bei Elb Records in Hamburg. Die Perfektionistin mit dem Kontroll- und Arbeitswahn hat ein Gespür für erfolgreiche Musiker und ist deshalb kurz davor, die aufstrebende Band "Reeperbahnjungs" unter Vertrag zu nehmen. Doch dann ändert sich ihr Leben auf einen Schlag, denn Elb Records wird verkauft und die hübsche Singlefrau mit den langen schwarzen Haaren und Kuschelhasen "Möhrchen" muss sich mit einigen Problemen herumschlagen... Zuerst wäre da der überaus attraktive Tim Lievers, Leadsänger der Hamburger "Reeperbahnjungs", die Stella groß herausbringen möchte und mit dem sie auch flirtet. Doch wegen der Fusionierung hängt der Vertrag in der Luft und Stella hält Tim  und seine Jungs hin, was unweigerlich zu Komplikationen führt... Auf der anderen Seite gibt es da den gutaussehenden 35-jährigen Martin Stichler, der ebenfalls die Position eines Senior A&R Managers inne hat und in Stella eine ernstzunehmende Rivalin sieht und sich Stella gegenüber unerwartet nett benimmt. Und dann wäre da noch ihr neuer Chef David Dressler - ein smarter Typ, der "vorerst" keine Veränderungen vorhat und sein neues Team zusammenschweißen möchte... Neben den interessant gestalteten Hauptpersonen gibt es eine Vielzahl an Nebenfiguren, wie z.B. Stellas beste Freundin Miriam, ihre anstrengende Mutter und die unterschiedlichen Kollegen, die ebenso reizvoll ausgearbeitet wurden und sich wunderbar in die Handlung einfügen. Vor allem Stellas Kollegin, Sekretärin Hilde, ist eine echte Sympathieträgerin und das komplette Gegenteil von Stella, die anfangs etwas nervig erscheint, das Leben viel zu ernst nimmt und oft etwas auszusetzen hat. Und trotz all ihrer Fehler und Makel ist Stella Wundermann eine liebenswerte Hauptperson, die eine beachtliche Weiterentwicklung durchmacht.  Musik spielt im ganzen Roman eine große Rolle, wofür der Musiker Jan Sievers Pate stand, dessen wunderbaren Songtexte aus seinem Album "abgeliebt" in die Geschichte eingestreut wurden und sich der jeweiligen Situation anpassen. Die Idee zu "Wunschkonzert" wurde ansprechend umgesetzt und unterhält die Leser mit einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Denn hier geht es um verschiedene Emotionen, Ängste, Probleme und zwischenmenschliche Beziehungen - ein Gebiet, auf dem Stella noch viel zu lernen hat. Einige Übungen des Seminars sind schon altbekannt, andere allerdings durchaus interessant.  Ich-Erzählerin Stella schildert die turbulenten Geschehnisse aus ihrem Blickwinkel, wobei sie uns in ihre Gedanken- und Gefühlswelt blicken lässt.  Neben einigen absehbaren Wendungen & klitzekleinen Klischees hält "Wunschkonzert" auch Überraschungen bereit und zeigt uns, wie sehr sich Stella zum Positiven ändert. Und auch an witzigen Szenen, bei denen ich laut lachen musste, wurde nicht gespart. **ACHTUNG SPOILER** Wie z.B. als Stella von Tim mit einem ordentlichen Schwips nach Hause gebracht wird, als sie ihren neuen Vorgesetzten zur Schnecke macht, weil er sie in einem Vierbettzimmer einer Jugendherberge untergebracht hat, wo sie doch ihre Intimsphäre braucht oder als sie ihren Kollegen Tobias beim Fensterln erwischt und ihn rettet, weil er das falsche Fenster erwischt hat und die Leiter umgefallen ist... *lol* **SPOILER ENDE**  Dank der witzigen verbalen Wortgefechte voller Situationskomik, der ausdrucksvollen Liedertexte und der locker-leichten Schreibweise lassen sich die 384 Seiten von "Wunschkonzert" wunderbar flüssig lesen. Mein einziger Kritikpunkte sind die winzigen klischeebehafteten Szenen und die Optik dieses Werks. Denn als Softcover ist es teurer als die gewohnten Taschenbücher und passt leider nicht zu den restlichen Hertz-Romanen ins Regal. FAZIT:"Wunschkonzert" unterhält mit einer reizvollen Handlung, liebenswerten Protagonisten, die einem ans Herz wachsen sowie einem amüsanten Schreibstil. Wegen der kleinen, oben ausgeführten, Mängel vergebe ich schwache 5 (von 5) Punkte.

Nachdem die "Gesammelte Schätze" Challenge nun zu Ende ist, werde ich zitierenswerte Wortschätze ab sofort im Anschluss an die Rezension zum Besten geben...
ZITAT Seite 9:
"Wer auch immer sich den Spruch "Das Leben ist kein Wunschkonzert" ausgedacht hat - der hat keine Ahnung davon, wie mein Leben gerade ist. "Kein Wunschkonzert" ist die Untertreibung des Jahres. Momentan ähnelt es eher der "Langen Nacht der Volksmusik", moderiert von Florian Silbereisen, Carmen Nebel und Caroline Reiber, mit Auftritten von Stefanie Hertel und Stefan Mross, den Flippers, den Amigos, Andrea Berg, Michael Hirte mit seiner Mundharmonika und Jopi Heesters, der mit zittriger Stimme sein großes Hit-Medley schmettert. Die ganze Veranstaltung dauert natürlich nicht nur die im Namen angedrohte lange Nacht, sondern zwei bis drei Wochen ohne Unterbrechung, und ich sitze in einen Sessel festgekettet in der ersten Reihe, die geöffneten Augenlider mit Klebeband fixiert, damit ich ja keine dieser Grausamkeiten verpassen kann."
ZITAT Seite 109:
"Die kleinen rosaroten Engelchen, die gerade noch um meinen Kopf geflogen sind, werfen ihre Harfen beiseite und brüllen durch winzige goldene Megaphone: DANGER! DANGER! DANGER!"  
Soooo schön...