[Rezension] Vergiss den Sommer nicht

Von Lenabosblog @LenaBorg

 

Bewertung

Inhalt

Als die Familie Edwards erfährt, dass das Familienoberhaupt, Vater Robin, unheilbar krank ist und nur noch wenige Monate zu leben hat, beschließt sie, die letzten gemeinsamen Wochen im Sommerhaus der Familie zu verbringen. Dieses Mal kann die 17-jährige Taylor nicht vor ihren Gefühlen, vor ihrer Angst und ihrer Wut, davonlaufen.
Sie ist sich sicher: die drei Monate am Lake Phoenix werden für sie die schlimmsten ihres Lebens werden. Nicht nur, dass sie ihrem geliebten Vater beim Sterben zusehen muss, nach fünf Jahren wird sie wohl auch ihre Jugendliebe Henry und ihre ehemals beste Freundin Lucy wiedersehen. Dabei hatte sie sich doch geschworen, die beiden Menschen, die sie vor fünf Jahren bitterlich enttäuscht hat, niemals wieder unter die Augen zu treten.

Meinung

‘Amy on the Summer Road’ war für mich ein wunderbares und vor allem außergewöhnliches Leseerlebnis. Kein Wunder also, dass meine Augen groß wurden, als ich von der deutschen Übersetzung von Morgan Matsons neuem Buch gelesen habe. Aber ‘Vergiss den Sommer nicht’ hat mein Herz nicht nur höher schlagen lassen, weil der Name dieser fabelhaften Autorin auf dem Cover abgebildet war. Nein, auch die Inhaltsbeschreibung klang wieder einmal genau nach meinem Geschmack. So ist es also kaum verwunderlich, dass Morgan Matson es ein weiteres Mal geschafft hat, mich tief im Herzen zu berühren.

Handlung

Es kann sein, dass es Zufall ist, doch auch in ‘Vergiss den Sommer nicht’ ist die Thematik ganz ähnlich wie die in ‘Amy on the Summer Road’. Abermals schreibt Morgan Matson eine Geschichte über ein junges Mädchen, dass mit dem Tod eines Familienmitglieds konfrontiert wird. Wo Amys Geschichte sich jedoch mit dem ‘Danach’, der Trauerverarbeitung der Protagonistin, beschäftigt, ist der Ausgangspunkt in ‘Vergiss den Sommer nicht’ ein anderer und schwebt von Anfang an wie ein Damoklesschwert über der Protagonistin. Und natürlich so auch gleichermaßen über den Leser.

‘Vergiss den Sommer nicht’ erzählt eine Geschichte über die Familie, über Freundschaft und das intensivste Gefühl, das ein Mensch in seinem Leben erfahren darf; die Liebe. Taylor, 17 Jahre alt, lebt mit ihren Eltern, ihrem großen Bruder Warren und ihrer kleinen Schwester Gelsey in Connecticut, als sich das Leben der Familie von einen Tag auf den anderen schlagartig verändert. Robin, Taylors Vater, leidet an Bauchspeicheldrüsenkrebs und hat maximal noch drei Monate zu leben. Hals über Kopf beschließt die Familie, den letzten Sommer, den die komplette Familie miteinander verbringen kann, in ihrem Sommerhaus am Lake Phoenix, Pennsylvania, zu verbringen.
Als sei der bevorstehende Verlust für Taylor nicht schon Belastung genug, so muss sie nun auch noch an den Ort zurückkehren, den sie vor fünf Jahren fluchtartig verlassen hat. Mit Lake Phoenix verbindet sie den Sommer ihrer ersten großen Liebe und ihres bisher größten Verlustes ihres Lebens (in zweierlei Hinsicht).

Morgan Matsons Geschichte lebt von den leisen und sanften Momenten, die in ‘Vergiss den Sommer nicht’ allgegenwärtig sind. Als Leser darf man keine Geschichte erwarten, die mit einer überraschenden Wendung nach der anderen aufwartet. Trotz der nicht vorhandenen Spannungskurve hat es die Autorin aber bei mir geschafft, dass ich die erste Hälfte der Geschichte in einem Rutsch heruntergelesen habe und die Zeit um mich herum völlig vergessen habe.

Figuren

Das ist vor allem den vielen wunderbaren und liebenswerten Figuren zu verdanken. Auch, wenn Taylor die Protagonistin ist, man ihr während des Lesens sicherlich am nächsten steht und am tiefsten in ihre Gedankenwelt eintauchen kann, so war es die gesamte Figurenpalette, die mich völlig für sich eingenommen hat. Natürlich ist auch jede Figur im Einzelnen betrachtet eine ganz besondere, denn man merkt deutlich, dass sich Morgan Matson für jeden einzelnen Charakter eine umfassende Hintergrundgeschichte überlegt hat. Doch sind es gerade die Beziehungen unter den Figuren, ihre Reaktionen aufeinander, ihre Umgangsformen, die jede einzelne Person zum Glänzen bringt. Als Leser kommt man nicht umhin, als Taylor, ihre Familie und ihre Freunde allesamt ins Herz zu schließen. Und gerade das ist ein Punkt, den ich anfangs nicht erwartet habe. Denn ‘Vergiss den Sommer nicht’ wird von der Protagonistin erzählt und Taylor hat nicht immer nur nette Worte über ihre Mitmenschen zu verlieren. In ‘Vergiss den Sommer nicht’ gleicht keiner Figur der anderen und gerade das ist der ausschlaggebende Punkt, der die Geschichte so abwechslungsreich und gleichzeitig unterhaltend gestaltet.

Wer jetzt aber denkt, dass ‘Vergiss den Sommer nicht’ eine Lektüre ist, die den Leser ununterbrochen zum Lachen bringt, der hat sich getäuscht. Überwiegend erzählt es eine Geschichte, die zutiefst berührt. Mal sind es die Momente, die den Leser Schmetterlinge im Bauch bereiten, größtenteils aber die, die einem die Tränen in die Augen treiben. Für mich waren in ‘Vergiss den Sommer nicht’ zwei Beziehungen von besonderer Bedeutung. Sie haben mich beide auf unterschiedliche Weise berührt.

Taylor und Rob: Morgan Matson präsentiert eine Vater-Tochter-Beziehung, die ihren Höhepunkt aufgrund des bevorstehenden Todes von Rob erreicht. Die Autorin lässt dem Leser keinen Zweifel daran, dass die Beziehung nicht auch schon vor der Krankheit von Rob eine sehr warmherzige war. Doch war die Beziehung von Taylor und ihrem Vater aufgrund des zeitaufwendigen Berufs von Rob eine distanzierte. Taylor sagt selbst, dass sie ihren Vater erst aufgrund seiner Krankheit richtig kennenlernen durfte. All seine guten und schlechten Seiten hat sie im letzten Sommer seines Lebens erleben dürfen.

Taylor und Henry: Henry füllt den Part der Liebesgeschichte in ‘Vergiss den Sommer nicht’ aus. An Morgan Matsons Büchern gefällt mir so wahnsinnig gut, dass sie sich nicht davor scheut, eine Liebesgeschichte zu erzählen, die eher problembehaftet ist und in der die Figuren keine rosarote Brille tragen. Morgan Matson konfrontiert Taylor und Henry immer wieder mit sehr authentischen Konflikten, an denen nicht nur die Figuren an sich, sondern auch deren Beziehung untereinander wachsen können. So ist es natürlich klar, dass auch der Leser immer wieder in eine Achterbahn der Gefühle gerät und nicht umhin kommt, als mit der Protagonistin mitzuleiden.

Schreibstil

Morgan Matsons Schreibstil hat es mir ermöglicht, vollkommen in die Geschichte einzutauchen. Nicht nur, dass die Autorin den Leser niemals über die Gefühle der Protagonistin im Dunkeln tappen lässt, sie hat die Umgebung der Geschichte in wunderschöne Worte verpackt. In letzter Zeit habe ich selten ein Buch in die Finger bekommen, dass es mir so leicht gemacht hat, Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen. Auch nach dem Lesen habe ich noch immer das Sommerhaus der Familie Edwards vor Augen, spüre förmlich die sommerliche Seeluft auf meiner Haut und spaziere mit Taylor und Henry durch die Wälder von Lake Phoenix.

Fazit

Morgan Matson ist eine Meisterin wenn es darum geht, den Leser zu berühren. Wieder einmal hat die Autorin unter Beweis gestellt, dass sie mit äußerst tragischen Themen sehr sensibel umgehen kann. Dabei schafft sie es aber trotzdem, die Gefühle der einzelnen Figuren eindringlich und dramatisch genug zu schildern.
Wer gern ein Buch über den Verlust eines Menschen, die große Liebe und eines unvergesslichen Sommers lesen möchte, der darf sich ‘Vergiss den Sommer nicht’ auf keinen Fall entgehen lassen. Ich bin mir sicher, dass vor allem die wundervollen Figuren der Geschichte jedem Leser genauso ans Herz wachsen werden, wie mir.

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