[Rezension] Tot bist du perfekt | JP Delaney

[Rezension] Tot bist du perfekt | JP Delaney

Titel: Tot bist du perfekt

Autor: JP Delaney

Übersetzerin: Sibylle Schmidt

Format: Klappbroschur

Preis: 13,00 €

Seitenzahl: 429 Seiten

Verlag: Penguin

ISBN: 978-3-328-10459-9

Bewertung: 4 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt 

Als du die Augen öffnest merkst du, dass irgendetwas nicht stimmt. Du hast keine Ahnung was dir passiert ist. Du weißt nur, dass du in einem fremden Bett liegst. Es wirkt wie ein Krankenhaus. Neben dir steht dien Mann Tim, ein erfolgreicher Unternehmer, mit Tränen in den Augen. Denn du, seine über alles geliebte Frau, bist am Leben. Für dich wirkt es, als hättest du einen schrecklichen Unfall überlebt, doch dann spricht dein Ehemann unglaubliche Worte aus: Wir haben jahrelang daran gearbeitet, dass ich dich wiederbekommen konnte..
Du musst dein Leben fortan mit völlig fremden Augen neu entdecken. Dir ist klar, irgendwo lauert eine Gefahr, die du noch nicht einordnen kannst. Denn irgendwo bei deinen Liebsten, in deinem schönen Haus, muss der Grund liegen, weshalb du vor sechs Jahren gestorben bist.


JP Delaney ist für mich kein unbekannter Autor. Ich habe bereits „The Girl Before“ und „Believe Me“ von dem Autor gelesen und sehr gemocht. Beide Bücher sind etwas ganz besonderes und deshalb habe ich auch direkt „Tot bist du perfekt“ beim Bloggerportal angefragt und mich sehr gefreut, dass ich das Buch zugeschickt bekommen habe. Herzlichen Dank dafür!

Die Geschichte beginnt bereits sehr geheimnisvoll und spannend. Das Buch ist Großteils in der „du“-Form geschrieben, was irgendwie gruselig und aufregend zugleich ist, denn man fühlt sich der Protagonistin so verbundener. Sie scheint gleich wie du zu sein. Es wirkt so, als würde dir selbst genau das passieren, was ihr passiert und es ist tatsächlich so, dass ich die Gedankengänge unglaublich nachvollziehen konnte und ähnliche Wege während des Lesens beschritt.
Abbie wacht in einem sterilen Raum auf, hat nur wenige Erinnerungen und weiß nicht, was mit ihr geschehen ist. Sie erinnert sich an Ehemann und Sohn, doch wie sie in diesen Raum kam, ist ihr Schleierhaft. Ihr erster Gedanke: es muss einen schrecklichen Unfall gegeben haben.
Doch dem ist nicht so. Etwas viel Schrecklicheres ist ihr widerfahren: Sie ist gestorben. Und nun, sechs Jahre später, wurde ihre Erinnerung, ihr Leben, als Update hochgeladen. Sie ist der erste Cobot. Ein lebendes Replik einer verstorbenen Person. Sie ist Abbie, nur als Roboter-Version.
Tim Scott leitet ein innovatives und sehr erfolgreiches Unternehmen, das sich auf künstliche Intelligenzen spezialisiert hat. Er ist vernarrt in die Idee etwas wertvolles für die Welt zu erschaffen, das unglaublich viele Möglichkeiten bietet. Er will eine Vision leben und dafür geht er jeden Weg, den es zu beschreiten gilt. Er ist seinen Mitarbeitern gegenüber gnadenlos, duldet keine Fehler und lässt nur Perfektion durchgehen. Für Tim Scott ist das Beste gerade gut genug und deshalb ist es für ihn auch sehr schwierig eine geeignete Partnerin zu finden.
Durch die Aufteilung des Buches bekommt man als Leser ebenfalls ein Gefühl dafür, wie sich Abbie und Tim kennen lernten, bevor es zur Katastrophe kam. Auch diese Kapitel sind in einer besonderen Form geschrieben, es wird von „Wir“ gesprochen. Man weiß also genau genommen nicht, wer eigentlich erzählt. Weder in der „Du“-Form, noch in der „Wir“-Form ist klar, wer dahintersteckt. Dies macht die Geschichte umso interessanter, denn nicht nur der Plot ist aufregend, sondern auch das Rätsel um die Erzähler der gesamten Handlung wirft etliche Fragen auf.

In der Wir-Version wird klar, dass Tim und Abbie eigentlich wie Tag und Nacht sind. Er ist Perfektionist, duldet keine Widersprüche. Was er sagt und vorgibt ist Gesetz und niemand verstößt dagegen. Abbie ist freischaffende Künstlerin, die ihren eigenen Regeln nachgeht. Sie liebt ihre Freiheiten, die Kunst und Kultur und sieht über kleine Fehler hinweg. Diese Welten prallen aufeinander, als Tim Abbie als Künstlerin in seiner Firma anstellt, um seinen Mitarbeiter*innen zu zeigen, wie intuitiv gearbeitet werden kann. Die Geschichte der beiden wird von außen beleuchtet, die wahren Gefühle von Tim und Abbie werden dabei nie wirklich offenbart. Doch irgendwie finden sie zusammen, verlieben sich, verloben sich und heiraten schließlich. Als das Kind zur Welt kommt, scheint ihr Leben perfekt zu sein. Dann jedoch kommt die Diagnose: Danny hat das unheilbare Heller-Syndrom. Eine Art von Autismus.
Beide Elternteile sind bemüht ihrem Kind ein gutes Leben zu ermöglichen. Möchten jedoch ganz unterschiedliche Wege bestreiten. Doch nicht nur die Krankheit des gemeinsamen Sohnes scheint Probleme in der Ehe zu bereiten und genau hier liefert die „Du“-Erzählperspektive Hinweise, denn die neue Abbie möchte herausfinden, welche Probleme zwischen dem perfekten Tim und ihr geherrscht haben. Zunächst empfindet sie nämlich große Dankbarkeit und Liebe für Tim, doch nach und nach wandeln sich ihre Gefühle und Emotionen, sie ist der erste Roboter, der Empathie entwickeln und empfinden kann und auch ihr Gehirn wurde so programmiert, dass sie selbstständig denken und intuitiven Wegen folgen kann. Eigentlich ist es großartig eine solche Technologie zu haben, denn für viele Menschen könnte es von großem Vorteil sein, einen solchen Cobot zu haben. Und sei es nur, um einen Gesprächspartner zu haben, um selbst nicht zu vereinsamen.. Doch dann stellen sich eben auch die großen ethischen Fragen: wann wird eine Maschine zum Mensch? Und sollte diese Maschine dann dieselben Rechte wie Menschen haben? Und so weiter…

Genau diese Gedanken werden auch in dem Buch thematisiert, denn die neue Abbie ist sich deutlich bewusst, dass sie eine Maschine ist, auch wenn sie sich ganz und gar nicht so fühlt. Sie möchte irgendwann wie ein Mensch behandelt und gesehen werden, doch dieser Wunsch scheint ihr verwehrt zu bleiben. Und je tiefer sie in der Ehe zwischen Tim und Abbie gräbt, desto tiefer wird auch die Kluft zwischen ihr und ihrem vermeintlichen Ehemann. Welche Geheimnisse verbirgt er vor ihr? Und was ist damals mit Abbie geschehen? Wieso ist sie verschwunden? Oder ist sie wirklich tot? Man wird immer tiefer in die Familiengeschichte, die Beziehungen zwischen den Charakteren und deren Eigenheiten hineingezogen, dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, wer überhaupt die Wahrheit spricht und wer lügt und wenn jemand lügt, dann stellt sich die Frage wieso und weshalb etwas verborgen werden muss.
Je mehr man sich mit all diesen Fragen auseinandersetzt, desto spannender wird die Geschichte. Ich muss zugeben, dass ich am Ende wirklich ein klopfendes Herz hatte, denn ich wollte unbedingt wissen wie es ausgeht.
Es gab zwar einige Twists, die ich nicht weiter überraschend fand, dennoch hat mich das Ende sehr fasziniert, begeistert aber auch traurig gemacht. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass es, im nachhinein, einiges am Abschluss des Buches gibt, das ich nicht ganz rund fand, es wirkt kurzzeitig einfach etwas schnell und rasant abgehandelt, im Vergleich zum Rest der Geschichte, was eigentlich sehr schade ist, denn einige wenige Seiten hätten, denke ich, dem Schluss wirklich etwas besser gestanden.

Was ich außerdem noch einfügen möchte ist, dass das Buch zwar als „Thiller“ deklariert ist, ich jedoch mit Nachdruck sagen muss, dass die Geschichte dies keineswegs ist. Das Buch ist ein Spannungsroman, der weder blutig noch sonderlich gruselig ist. Es gibt zwar eine Art Ermittlungsarbeit aber überhaupt nicht im Sinne eines Thrillers. Die Spannung ist da, aber eben doch nicht so, als würde man einen richtigen Thriller lesen.

Fazit

„Tot bist du perfekt“ ist ein ganz besonderer Spannungsroman, der vor allem mit zwei interessanten Erzählformen besticht. Die kurzen Kapitel helfen dabei, die Geschichte unglaublich schnell zu lesen und auch die Handlung an sich, fesselt den Leser an das Buch. Es ist sehr schwer, es zur Seite zu legen und das macht für mich ein tolles Buch aus. Die Charaktere sind unglaublich interessant dargestellt, man weiß fast bis zum Ende hin nicht, wohin sich das Blatt noch wenden wird und stellt sich während des Lesens etliche Fragen. Auch wenn der Schluss etwas schnell abgehandelt wurde, konnte mich das Buch wirklich sehr begeistern und ich kann es euch wirklich nur empfehlen!


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