|Rezension| "The Seven Realms 01: Der Dämonenkönig" von Cinda Williams Chima

Von Paperdreams @xGoldmarie
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 Han Alister hockte neben der dampfenden Schlammquelle und betete, dass die dünne, verkrustete Schicht der Therme ihn tragen würde.
Vor tausend Jahren erhielt ein dunkler Magier die Macht über die sieben Reiche und war kurz davor, die Welt zu zerstören, doch die Königin Hanalea siegte über ihn und beschloss die Magier in ihrer Macht zu dämmen. Seitdem herrscht das Geschlecht der Grauwölfe über die Fells. Die fünfzehnjährige Raisa ist die Erbprinzessin des Landes, doch sie ist stur und hat ihren eigenen Kopf. Zwar will sie unbedingt Herrscherin über die Fells werden, doch sie zweifelt an ihrem Wissen und ihrer Erscheinung. Während sie versucht mehr über ihr Land herauszufinden und dabei schreckliche Entdeckungen macht, lernen wir auch den jungen Han Alister kennen. Er ist ehemaliger Streetlord einer Gang und nirgendwo wirklich zu Hause. Seit er denken kann, trägt er zwei silberne Armreifen, die er niemals abstreifen kann. Als er eines Tages an ein magisches Amulett kommt und merkwürdige Morde die Stadt ereilen, beginnt er hinter ein dunkles Geheimnis zu kommen...
"Der Dämonenkönig" ist eine Geschichte voller Gäschen und Steitenstraßen, die immer neuen Erkundungen und Entdeckungen führen und ebenso ist auch der Schreibstil beschaffen. Er steckt voller Magie und phantastischer Schwere, bunter Beschreibungen und dichter Atmosphäre. Zwar hebt er sich nicht merklich ab, dennoch schafft er es, den Leser in den Bann zu ziehen und die Seiten nur so vorbeifliegen zu lassen. Die Geschichte ist abwechselnd aus der Sicht von Han und Raisa geschrieben, sodass man immer wieder neue Ebenen und Ränge kennenlernt, was sehr zur Flexibilität des Buches beiträgt. Insgesamt liest sich die Geschichte einfach wunderbar einfach weg, ohne dabei anspruchslos zu sein und gerade mit dem Zauber von High Fantasy, den man erwartet und gerne hat.
Es gibt hierzulande Bücher, die viel mehr Aufmerksamkeit verdienen, als sie bekommen und manche Bücher werden viel mehr gehyped als sie es verdient hätten. "Der Dämonenkönig" von Cinda Williams Chima gehört auf jeden Fall in die erste Kategorie, denn es ist eines dieser Bücher, von denen man wenig hört, die dann aber umso überraschender sind. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass das Buch schon ein wenig älter ist, was aber nichts daran ändert, dass es viel mehr gelesen werde sollte. Zugegeben: Das Rad erfindet Chima nicht neu, definitiv nicht. Ihre Stärken liegen dafür im Weltentwurf und den verschiedenen Persönlichkeiten und durch eben diese werden die kleinen Schwächen des Buches ebenfalls zu Stärken. Wer sich also gerne mal in einem High Fantasy Abenteuer verliert und die Bücher von beispielsweise Kristin Cashore mag, der kann vermutlich auch etwas mit Cinda Williams Chima anfangen, denn die Reihe um Raisa und Han lohnt sich durch und durch.
Der Weltentwurf der "Seven Realms" Reihe überzeugt mit einer mittelalterlichen Atmosphäre, die hier und da von übernatürlichen Elementen durchzogen ist. Allerdings bleibt das deutlich im Hintergrund und spitzt sich erst zum Ende hin deutlich zu. Die Welt besteht aus sieben unterschiedlichen Reichen, wobei es anscheinend im Süden Kriege gibt, die ein wenig Unruhe reinbringen. Hier ist es auch interessant, dass es neben den Königreichen noch die Camps gibt, die mich ein wenig an Indianer erinnert haben, da sie mit der Natur im Einklang zu leben scheinen. Da man beides hat - die Sicht der Erbprinzessin und die Sicht eines armen Straßenjungen - bekommt man ein gutes Bild für die Verhältnisse der Welt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich fast durchweg deutlich lieber mit Prinzessin Raisa Unsinn gemacht habe, als Hans Gedankenwelt zu lauschen. Das liegt aber vermutlich auch daran, dass bei Raisa einiges mehr los ist - gerade im Hinblick auf Liebe, Verrat, Intrigen und Geheimnissen. Dennoch empfand ich beiden Figuren als enorm gut gezeichnet, weil sie einfach beide ihre individuellen Charakterzüge haben und sich somit im Kopf des Lesers einbrennen, obwohl Han manches mal ein wenig undurchsichtig erscheint - aber auch das hat seine Gründe.

Insgesamt haben mich gerade die Figuren überzeugt - an erster Stelle natürlich Raisa, die einfach unglaublich sympathisch ist und durch ihre sture Art wunderbar rebellisch. Sie hat viele Facetten und das macht sie so vielseitig und liebenswert. Aber auch die Nebenfiguren sind plastisch und machen viel her. Das fällt gerade deswegen auf, weil "Der Dämonenkönig" für mich eher eine Art Einleitung in das Geschehen ist, was aber nicht bedeutet, dass es wenig spannend gewesen wäre. Ganz im Gegenteil, gerade zum Ende hin spitzt sich die Lage so sehr zu, dass sich in mir alles zusammengezogen hat und ich meinen Blick kaum noch von den Seiten lösen konnte. Hinzu kommt die Tatsache, dass das Buch viele verschiedene Handlungsstränge aufgreift, sodass man immer mehrere kleinere Geschichten verfolgt, die aber am Ende alles ins Gesamtbild einfließen. Besonders faszinierend ist die Tatsache, dass man bis zum Ende nicht weiß, wo das alles hinführen wird, wer mit dem wem zusammenkommt und warum. Chima hält hier eine ganz besondere Spannung offen, die dem Buch das gewisse Etwas gibt.
Ja, Chima erfindet keinen Epos, der den Leser durch seine Komplexität völlig wegreißt - zumindest noch nicht. Dennoch hat mich "Der Dämonenkönig" bis zum Ende wahnsinnig gut unterhalten können und hallt auch im Nachhinein sehr stark nach - was für mich eigentlich meistens ein Zeichen für ein gutes und einzigartiges Buch ist. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist - wie schon gesagt, das Buch wirkt wie eine Einleitung, als würde da noch viel mehr kommen und als wäre das eben nur die Einführung gewesen. So endet die Geschichte zwar nicht mit dem schlimmsten Cliffhanger aller Zeiten, dennoch bleibt sie sehr offen und macht neugierig auf das, was da wohl noch so kommen mag.
Auch wenn Chima mit ihrem Dämonenkönig nicht das Rad neu erfindet, hat sie dennoch das Talent und die Magie die Geschichte so wirken zu lassen, als würden sie es tun. Dieses High Fantasy Abenteuer macht einfach Spaß und ist bis zur letzten Seiten spannend, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass sich das in den Folgebänden noch einmal steigern wird. Mutige und eigensinnige, faszinierende und sympathische, charismatische und unscheinbare Figuren - in dieser atmosphärisch dichten Welt gibt es einfach alles und jede ist wunderbar plastisch gezeichnet. Man kann der Autorin tatsächlich nichts vorwerfen (außer vielleicht die Tatsache, dass der Einstieg ein wenig schwer fällt!) und da mag es verwunderlich erscheinen, dass ich dem Buch "nur" vier Sterne geben. Das liegt aber nicht daran, dass es schlechter wäre, als ich gesagt habe, sondern viel mehr daran, dass ich glaube, dass da noch viel mehr Luft nach oben ist und da noch viel mehr kommen wird. Wer also High Fantasy mag, wird den Dämonenkönig sicherlich lieben!



Cinda Williams Chima schrieb schon zu Schulzeiten ihre ersten Romane, doch leider wurden diese häufig von ihren Lehrern konfisziert. Mittlerweile lebt sie mit ihrer Familie in Ohio und hat sich als Fantasyautorin einen Namen gemacht. »Das Erbe des Dämonenkönigs« ist ihr erster Roman bei cbj und wurde im Goldmann-Verlag weiter übersetzt und neu aufgelegt. [via randomhouse] ...mehr? *klick* ...noch mehr? *klick*