Rezension ~ The Republic of Thieves von Scott Lynch

Rezension ~ The Republic of Thieves von Scott Lynch
"Oh, good." Locke felt his excitement cool slightly. "Another test. When do they stop?" "When you're buried, my boy." Chains knelt and gave Locke a friendly squeeze on the back of his neck. "When you're under the dirt and colder than a fish's tits. That's when it stops..."
(Scott Lynch // The Republic of Thieves (Del Rey Books) // S. 82)

Inhalt

Schwer gezeichnet durch das tödliche Gift ist Locke Lamora mit seinem besten Freund Jean Tannen in Lashain gestrandet. Während Jean alles daran setzt, ein Gegenmittel zu finden, dass Locke retten kann, bemerkt er nicht, dass sie beide schon längst die Aufmerksamkeit alter Feinde auf sich gezogen haben. Eine Bondsmagi taucht auf, doch anstatt Locke und Jean zu töten, bietet sie ihnen einen Deal an: Sie rettet Locke das Leben, dafür müssen die beiden Gentleman Bastards nach Karthain, der Stadt der Bondsmagi, und die kommenden Wahlen zu ihren Gunsten beeinflussen. Widerstrebend willigen Locke und Jean ein, nicht wissend, dass eine alte Bekannte ihre erbittertste Wahlgegnerin sein wird...

Meine Meinung

Auch wenn es mittlerweile schon über ein Jahr her ist, seit ich RED SEAS UNDER RED SKIES, den zweiten Band der Gentleman Bastard-Reihe, gelesen habe, so war ich sehr neugierig, was die Ereignisse aus den bisherigen Teilen nun für den dritten Band bereithalten würden.
Wie üblich beginnt das Buch mit einem Prolog, und wie schon im ersten Band, THE LIES OF LOCKE LAMORA, erleben wir den - wirklich sehr - jungen Locke, der auf dem Shades' Hill Friedhof in Camorra unter der Leitung vom Thiefmaker lebt. Da er ein Einzelgänger und einer der jüngsten ist, haben andere Kinder es auf ihn abgesehen und peinigen und piesacken ihn regelmäßig. Diese besagten "Mobber" sind dem Leser, wenn er sich genau erinnert, keine Unbekannten. Ich mochte den Prolog sehr gerne, denn erstmals wird eine Figur in persona eingeführt, die in den beiden vorherigen Bänden bisher immer nur erwähnt worden war - Sabetha. Die geheimnisumwobene, mysthische Sabetha. Ich war unheimlich gespannt, ihr endlich zu begegnen, wurden zuvor doch so viele Hinweise und Theorien gestreut. Ich mochte jedenfalls, wie Sabetha im Prolog eingeführt wurde und wie Locke auf ihr erstes Aufeinandertreffen reagierte. Und ja, ich gebe es zu, ich habe eine Schwäche für den jungen Locke. Ich finde ihn einfach zu goldig.
Die Hauptgeschichte ist, auch das ist nichts Neues, in eine Gegenwarts- und eine Vergangenheitshandlung (Interludes) unterteilt und diese Kapitel wechseln sich stetig ab. In der Gegenwartshandlung sind Locke und Jean - mal wieder - nur knapp mit Leben aus ihrem vorherigen Abenteuer davon gekommen, wobei es auf Locke zunächst ja nicht genau zutrifft, denn er wird von dem tödlichen Gift dahingerafft. Mir war schon von vornherein klar, dass die Suche nach dem Gegengift nicht die Hauptprämisse der Geschichte sein würde, da Locke direkt zu Beginn schon viel zu nah an der Schwelle des Todes stand. Durch das Auftauchen der Bondsmagi wendet sich nun das Blatt und sie fordert von Locke und Jean einen Dienst ein. Auch wenn sie den beiden noch nie zuvor begegnet ist, so hat sie dennoch eine besondere Verbindung zu ihnen. Mir haben die Verknüpfungen zum ersten Band wirklich gut gefallen und besonders interessant fand ich, dass man als Leser nun sehr viel über die Magie und die Geschichte dieser Welt an sich erfahren hat. Die Aufgabe, welche die beiden für die Bondsmagi bewerkstelligen sollen, klingt zunächst vielleicht banal, doch natürlich weiß man beim Lesen, dass alles mit etwas viel Größerem zu tun hat, was der Leser zu diesem Zeitpunkt nur erahnen kann. Zu Beginn mag dieses ganze Drumherum mit den Wahlen etwas verwirrend sein und manchmal auch eine kleine Spur langatmig, aber nach einer Weile blickt man auch da besser durch und die Seiten lassen sich dann viel schneller lesen. Jedenfalls ist in diesem Band die Beziehung zum ersten Band viel stärker gegeben als zum zweiten Band. Auch die Verbindung zwischen Locke und Jean ist wieder einmal sehr schön dargestellt, ich mag die beiden zusammen einfach richtig gerne!
Der Buchtitel The Republic of Thieves leitet sich übrigens von der vergangenen Handlung ab, in denen man den jungen Locke durch seine Pubertät und Ausbildungsjahre begleitet. Man trifft alte Bekannte wieder, die man im zweiten Band doch schmerzlich vermisst hat und beim Lesen wurde ich teilweise ein wenig sentimental. Als Locke mit den Gentleman Bastards ein Theaterstück aufführen soll, dass The Republic of Thieves heißt, kommt die Vergangenheitshandlung richtig ins Rollen. Diese Kapitel haben mir besonders gut gefallen, da man zum Einen die Entwicklung von Locke an sich sehr gut beobachten konnte, zum Anderen auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Locke und Sabetha im Vordergrund stand. Am Ende des Buches mag man sich vielleicht fragen, wohin diese Interludes nun führen sollten, da sie keine direkte Auswirkungen auf die Gegenwartshandlungen hatten - abgesehen davon, die Beziehung zwischen Locke und Sabetha darzulegen - dennoch denke ich, dass in den späteren Bänden noch das ein oder andere Mal darauf verwiesen wird. Ich hatte mit diesen Interludes jedenfalls meinen Spaß und habe sie besonders gern gelesen.
"It works like this," said Locke. "Everyone here is now party to murder and treason. Congratulations! There's no backing gently out of it. So we go straight on through this business with our heads held high, or we hang. We swear ourselves to the plan, we tell the exact same lies, and we take the truth to our graves."
(Scott Lynch // The Republic of Thieves (Del Rey Books) // S. 568)
Sabetha war ein schwieriger Charakter. Da sie zwei Bände ein reinstes Mysterium war, hatte ich mir natürlich alles Mögliche unter ihr vorgestellt. Und ich muss auch sagen, dass ich die Sabetha aus den Episoden der Vergangenheit auch wirklich mochte. Sie ist tough und hart im Nehmen, selbstbewusst, clever, stark. Durch Locke wird sie natürlich immer sehr glorifiziert dargestellt, aber ich konnte mir gut vorstellen, dass Sabetha auch in Wirklichkeit eine so beeindruckende Persönlichkeit war. Durch ihre Position als einziges Mädchen bei den Gentleman Bastards steht sie freilich immer besonders im Mittelpunkt und muss sich auf andere Art und Weise behaupten als die Jungs. Sie packt es meistens jedoch sehr souverän. Auch wenn sie sehr hitzig und impusliv sein kann, so ist sie im Grunde jedoch ein sehr nachdenklicher Mensch, was ich auch als äußerst angenehm empfunden habe. So habe ich während der Kapitel aus der Vergangenheit selbstverständlich die ganze Zeit mitgefiebert, ob Sabetha irgendwann den armen Locke erhören würde. Die Sabetha aus der Gegenwartshandlung war mir dagegen bei Weitem nicht so sympathisch. Natürlich sind die Umstände, unter denen Locke und Sabetha das erste Mal seit fünf Jahren wieder aufeinander treffen nicht sonderlich glücklich, da beide Kontrahenten in einem gefährlichen Wettstreit sind. Auch die langjährige Trennung schwebt zwischen ihnen und belastet die Beziehung ungemein. Doch was mich wirklich gestört hat war, dass Sabetha Locke teilweise richtig fies und niederträchtig behandelt, ihm Sachen an den Kopf werfen darf und damit immer durch kommt, Locke ihr ständig verzeiht und sich in erster Linie sowieso selbst die Schuld an allem gibt. Und wenn Locke es mal wagt, Sabetha zu kritisieren, dann wird sie regelrecht zickig und stürmt davon. Ich finde, dass die Beziehung in den Gegenwartsabschnitten so ungeheuer unausgeglichen dargestellt wird, dass ich teilweise Sabetha gerne mal aus dem Fenster geschubst hätte. Sie war oftmals sehr unfair gegenüber Locke, das hat mir einfach nicht gefallen.
Besonders an diesem Buch ist, dass in unregelmäßigen Abständen sogenannte Intersects eingefügt werden, in denen der Leser für wenige Seiten den undurchsichtigen und verwirrenden Gedanken von einigen Bondsmagi folgt. Sie haben mir auch wirklich gut gefallen, da sie, obwohl sie noch sehr kryptisch waren, doch einige interessante Informationen liefern konnten.
Ebenfalls besonders ist, dass in diesem Band erstmals konkrete Hinweise geliefert werden, die erklären könnten, wer Locke ist und woher er stammt. Bisher war dies immer das größte Geheimnis und besonders geheimnisvoll war stets Lockes wahrer Name. Nun, dieser wird in The Republic of Thieves gelüftet, aber am Ende wirft der Name noch viel mehr Fragen auf als dass er sie beantwortet. Beim Lesen saß ich jedenfalls mit riesigen Fragezeichen im Kopf sa und ich bin wirklich sehr gespannt, was diese Enthüllungen alle noch mit sich bringen werden. Es ist alles jedenfalls sehr mystheriös und fackelt die Neugierde gewaltig an. Denn langsam aber sicher zeichnet sich ab, wohin die eigentliche Hauptstory, welche die gesamte Reihe umfasst, gehen wird, war dies in den ersten beiden Bänden noch bei Weitem nicht so deutlich. Ich hoffe, im vierten Band, der diesen Sommer erscheinen soll, einige Antworten zu finden.

Fazit

Alles in allem hat mir The Republic of Thieves wieder einmal richtig gut gefallen. Die Story war unheimlich komplex, raffiniert durchdacht und vor allem wahnsinnig gut geschrieben. Ich muss es immer wieder betonen, aber Scott Lynch schreibt einfach göttlich. Die (altbekannten) Charaktere haben mir wie immer gut gefallen und ich mochte es besonders gerne, dass die Handlung nun eine konkrete Richtung einzuschlagen scheint. Wir dürfen jedenfalls gespannt bleiben. Das Einzige, das ich bemängeln kann und muss, ist das Verhalten von Sabetha in der Gegenwartshandlung. Ich fand sie oftmals sehr unfair und fies, das hat das ein oder andere Mal doch meinen Lesespaß ein klein wenig getrübt. Und die politischen Floskeln waren vielleicht auch nicht immer 100%ig spannend. Ich vergebe abschließend
Rezension ~ The Republic of Thieves von Scott Lynch
Autor: SCOTT LYNCH
Titel: The Republic of ThievesDt. Titel: Die Republik der Diebe
Reihe: 03 von 07Verlag: DEL REY BOOKS, TaschenbuchSeiten: 690Preis:  ca. 7€
Rezension ~ The Republic of Thieves von Scott Lynch

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