[Rezension] Splitterherz von Bettina Belitz

[Rezension] Splitterherz von Bettina BelitzDie 17 Jahre alte Elisabeth -Ellie- Sturm zieht mit ihren Eltern aus der Großstadt Köln nach Kaulendorf, einer kleinen Gemeinde im Westerwald. Begeistert ist Ellie von diesem Umzug nicht besonders und dementsprechend sinkt ihre Laune ins Bodenlose. Ihre Eltern dagegen blühen in der neuen Umgebung förmlich auf. 
Ellie beginnt sich in Tagträume zu flüchten und würde am liebsten die kompletten Tage verschlafen. Es fällt ihr sehr schwer sich in der neuen Umgebung einzuleben, nicht gerade förderlich ist es da auch das ihre neuen Mitschüler sie für eine arrogante Großstadtpflanze halten und Elli den Start damit nicht leichter machen. 
Erschwerend kommt noch hinzu, dass Ellies Handy in der neuen Umgebung kaum noch funktioniert, was merkwürdig ist, da sie die Einzigeist, die dieses Problem offensichtlich hat. So beginnt auch der Kontakt zu ihren Kölner Freundinnen zu bröckeln, nicht nur das Ellie nicht erreichbar ist, sie verändert sich schnell und so werden sich die Freundinnen immer fremder. Um die Tage nicht nur zu verschlafen, erkundet Ellie die Umgebung und vor allem den Wald, eines Abends zieht ein starkes Gewitter auf. Ellie gerät an dem nahen Fluss in Gefahr und wird von einem geheimnisvollen schwarzen Reiter gerettet. Ellie ist sogleich fasziniert von diesem Mann, dessen Gesicht sie nicht erkennen kann. 
In den nächsten Tagen begegnet Ellie dem abweisenden und doch anziehenden jungen Mann immer wieder und erfährt dann auch seinen Namen: Colin Blackburn. Dieser gibt Ellie mit jedem Treffen mehr Rätsel auf. 
Als Ellies Vater Colin dann kennenlernt, kommt es zu einem Eklat. Ellies Vater Leopold hat schnell erkannt um, was es sich bei Colin handelt, und ist bereit alles zu tun, um seine Tochter zu beschützen.
Kritik
Mit „Splitterherz hat Bettina Belitz den neugierig machenden Auftakt einer Trilogie geschrieben. Fern ab vom Mainstream erzählt die Autorin eine bezaubernde Geschichte, in der Träume eine zentrale Rolle spielen. Eine zarte Liebesgeschichte wird hier mit fantastischen Elementen in ein real erscheinendes Leben eingebettet. 
Die Autorin bedient sich einem außerordentlich flüssig zu lesendem Schreibstil, dem der Leser leicht über die 631 Seiten folgen kann. Bildgewaltig und mit viel Liebe zum Detail, werden die Schauplätze und die Handlung beschrieben, auch die Träume der Hauptdarstellerin werden eingehend dargestellt. 
Schon der poetisch geschriebene Prolog fesselt den Leser. In den ersten Kapiteln wird es zwar durch die facettenreiche und sehr bis ins Kleinste ausschweifende Beschreibung etwas langatmig. Dennoch hat die Autorin einen feinen Spannungsbogen geschickt in die Geschichte eingewoben, der mit der ersten Begegnung von Ellie und Colin langsam aber konstant ansteigt. Stetig entwickelt sich dieser weiter und zieht zum Ende des Buches noch einmal kräftig an. Auch schafft es die Autorin die Stimmungen in „Splitterherz“ glaubwürdig weiter zu geben und so kann der Leser die Geschichte nicht nur miterleben, sondern auch die verschiedenen Gefühle werden so eindringlich beschrieben das „mitfühlen“ leicht fällt. 
Außergewöhnlich ist nicht nur der Schauplatz, an dem die Geschichte spielt, selten entführt uns ein Autor in ein kleines Dorf mitten in Deutschland, auch der Plot ist einzigartig. Hier spielen weder Engel noch Vampire oder gar Werwölfe eine Rolle. Der Fokus ist hier, neben einem Leben, wie es jeder 17 jährige führen könnte, auf Träume und die Nachtmahre gerichtet, was eine willkommene Abwechslung erzielt. Gerade das Ellies Leben sehr glaubwürdig erscheint, ihre Träume, Hoffnungen und Ängste sehr real wirken macht „Splitterherz“ zu etwas Besonderen. Die eingestreuten Fantasyelemente wirken da schon fast greifbar und existent. 
Nebenhandlungen hat die Autorin geschickt in den Plot einfließen lassen, diese ergänzen die Geschichte meisterlich und tragen auch zum Verständnis bei. Vieles löst sich auf und es bleiben gerade genug offenen Fragen, um auf die weiteren zwei Bände neugierig zu machen. 
Erzählt wird der Roman aus Ellies Perspektive, der Leser lernt sie dadurch sehr gut kennen und ihre Entscheidungen werden nachvollziehbar. Auch da, die Bettina Belitz Ellies Vergangenheit mit ein bezieht, wird verständlich, warum die der Mensch ist, den sie darstellt. 
Das Ende des ersten Bands dieser Trilogie schließt mit einem Showdown der nicht direkt in ein Happy End führt aber die Neugier auf den nächsten Teil deutlich steigert. 
Die Protagonisten sind durchweg realistisch und lebendig konzipiert. Jeder Einzelne kann durchaus so existieren, wie die Autorin ihre Figuren entwickelt hat. 
Ellie hat es nicht leicht, ein Jahr vor ihrem Abitur muss sie aus der Großstadt mit ihren Eltern in ein kleines Kaff ziehen, in dem nichts los zu sein scheint. Mit nachvollziehbaren Ängsten und trotz derer eine Menge Mut wirkt Ellie sehr authentisch. Lediglich das Ellie teilweise sehr viel jammert und ständig schläft macht sie zeitweise etwas unsympathisch. Ihr sonstiges Verhalten ist durchaus altersgerecht und macht diesen facettenreichen Charakter äußerst glaubwürdig und lebensnah. Auch entwickelt sich Ellie glaubwürdig und passend weiter. 
Colin wird sehr geheimnisvoll und düster dargestellt. Durch seine distanzierte Art wirkt diese Figur nicht immer durchweg sympathisch, allerdings lernt der Leser auch diesen zu verstehen und sein Verhalten wird nachvollziehbar. 
Eine wichtige Rolle spielen auch Ellies Eltern, die ihre Rolle überzeugend ausfüllen. Anfangs mag der Leser sich fragen, warum diese ihre Tochter kurz vor dem Abitur aus der gewohnten Umgebung reißen, dennoch wird auch dieses im Laufe der Geschichte klar.
Die Nebendarsteller sind ebenfalls lebendig und komplex konzipiert, manche werden, wie auch Ellie und Colin lange in Erinnerung bleiben. Nur bei einem Charakter war sie die Autorin oder das Lektorat in der Namensgebung anscheinend nicht einig, da wurde aus Lotta auch mal Lola und wieder umgekehrt. 
Aber nicht nur der Inhalt macht „Splitterherz“ zu etwas Besonderem. Auch das außergewöhnlich schöne Design hebt dieses Buch deutlich hervor. Die Farbwahl sowie die Gestaltung des Covers sind atemberaubend schön. Dieses Buch im Buchregal verschwinden zu lassen grenzt schon bald an Sünde.
Fazit 
Mit Splitterherz hat Bettina Belitz einen traumhaft schönen Beginn einer Trilogie angestimmt. Ihre Art die Geschichte zu erzählen mag stellenweise langatmig sein und leicht dahinplätschern. Doch als der Plot an Spannung zulegte, zeigte sich deutlich, das gerade auch die lebendigen und facettenreichen Beschreibungen der Schauplätze, der Handlung und die Entwicklung der Protagonisten zu dem Gelingen beitrugen. In einem Interview sagte die Autorin, dass sie einen realistischen Fantasyroman schreiben wollte, dies ist Bettina Belitz bravourös gelungen. Hier bleibt eigentlich nur zu sagen: Lesen!
Die TrilogieBand 1: SplitterherzBand 2: ScherbenmondBand 3: nur angekündigt
Autorin
Bettina Belitz, an einem sehr sonnigen Spätsommertag 1973 beinahe in einer Heidelberger Bäckerei zur Welt gekommen, wuchs zwischen unzähligen Büchern auf und verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen alleine genügte ihr dabei nicht – nein, es mussten auch eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft arbeitete Bettina Belitz als Redakteurin und freie Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt Bettina Belitz umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern als freie Autorin in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald.
Hardcover mit Schutzumschlag, Spotlack und Leseband: 630 SeitenVerlag: Script5 (7. Januar 2010)Sprache: DeutschISBN-10: 3839001056ISBN-13: 978-3839001059
©Nadine Warnke

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