[REZENSION] "Rot wie das Meer"

Von Buechersuechtig

Für dieses Rezensionsexemplar bedanke ich mich sehr herzlich beim script5 Verlag

Wundervolles Cover
Die Autorin
Maggie Stiefvater, geboren im November 1981 in Virginia, verlebte eine nach eigenen Worten sehr chaotische aber sehr kreative und musisch geprägte Kindheit und Jugend. Nach dem College versuchte sie u.a. als Kellnerin, Zeichenlehrerin beruflich Fuß zu fassen. Doch sehr bald schon meldeten sich ihre kreativen Talente und verlangten, ausgelebt zu werden - zunächst als Musikerin und Songwriterin, dann zunehmend als bildende Künstlerin. Für ihre künstlerischen Arbeiten wurde sie inzwischen mit einigen wichtigen Preisen ausgezeichnet. Seit 2007 hat sich Stiefvater aufs Schreiben konzentriert und zählt inzwischen zu den erfolgreichsten Autorinnen der Romantasy.
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Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Script5 (November 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839001471 / ISBN-13: 978-3839001479
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Leseprobe
Quelle: Maggie Stiefvater  *lies mich*
Die Geschichte... Alljährlich am 1. November wird die kleine Insel Thisby Schauplatz eines einzigartigen Spektakels: Im oftmals blutigen Skorpio-Rennen treten die Capaill Uisce -sehr gefährliche und schnelle Meereswesen in der Gestalt wunderschöner Pferde- mit ihren mutigen Reitern gegeneinander an. Auch Sean Kendrick, der viermalige Gewinner des Rennens, fiebert dem November wieder entgegen. Doch in diesem Jahr ist alles anders, denn erstmalig hat es die junge Puck Connolly gewagt, sich bei diesem tückischen Pferderennen anzumelden, bei dem schon viele Reiter ihr Leben verloren haben. Dadurch gewinnt sie die Anerkennung von Sean, der Puck beim Training hilft, obwohl sie doch eigentlich seine Rivalin ist... Meine Meinung: "Rot wie das Meer" heißt das neueste Werk von Maggie Stiefvater, in dem sich alles um die Insel Thisby und die gefährlichen Wasserpferde dreht, die mit dem Blut ihrer Opfer das Meer rot färben. Der Prolog berichtet, was 9 Jahre zuvor geschehen ist, die eigentliche Geschichte beginnt in der Gegenwart im Oktober und endet am 1. November. Den Schauplatz hat die Autorin auf die karge Insel Thisby verlegt. Die Orts- und Schauplatzbeschreibungen sind so bildhaft und lebendig ausgearbeitet, dass man die kleine Insel förmlich vor sich sieht.
Der 19-jährige Sean Kendrick wohnt seit dem Tod seiner Eltern auf dem Malvern-Hof und verdient sich dort seinen Lebensunterhalt als Pferdetrainer, denn "Pferdeflüsterer" Sean versteht es besonders gut, mit den Capaill Uisce umzugehen. Gemeinsam mit seinem Lieblingshengst Corr hat er bereits vier Mal das Skorpio-Rennen gewonnen und will auch das bevorstehende Rennen am 1. November wieder für sich entscheiden. Doch in diesem Jahr bekommt er einen nicht zu unterschätzenden Gegegner: Denn erstmalig meldet sich eine junge Frau bei dem Skorpio-Rennen an, das jährlich einige Menschenleben fordert. Puck Connolly, die eigentlich Kate heißt, lebt ebenfalls mit ihren zwei Brüdern auf der Insel Thisby. Um den Hof der Familie zu erhalten, will die rothaarige, mutige Vollwaise, gemeinsam mit ihrer Stute Dove, unbedingt das grausame Rennen gewinnen - doch Puck weiß nicht, worauf sie sich da einlässt...
Mit Sean und Puck hat Maggie Stiefvater zwei interessante, problembehaftete Protagonisten mit vielen Facetten, Ecken & Kanten erschaffen, wobei es bei Sam einige Zeit gedauert hat, bis ich ihn ins Herz geschlossen habe, Puck/Kate mochte ich dagegen von Anfang an.Und obwohl die beiden Gegner im wohl gefährlichsten Pferderennen sind, lernen sie sich während des Trainings besser kennen und mögen. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Puck und Sean wurde faszinierend dargestellt und auch die mitwirkenden Nebenfiguren sind wunderbar gestaltet.
Habe ich Maggie Stiefvaters Werwölfe-Trilogie geliebt, konnte ich mit den wilden Wasserpferden weniger anfangen, obwohl ich die Romanidee rund um die Legenden dieser Geschöpfe aus der keltischen Mythologie grandios und orignell finde. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass ich mit Pferden überhaupt nichts am Hut habe und nicht mal als junges Mädchen in die Vierbeiner vernarrt war. Allerdings haben Capaill Uisce (gesprochen: Kappl Ischke) mit "normalen" Pferden nichts gemeinsam, denn die mythischen Gestalten aus alten Legenden sind überaus gefährliche Wesen, die sich angeblich von Blut ernähren, vom Salz der See angezogen werden und an Land kommen, um Menschen in das Meer zu entführen.
Und so fließt im Handlungsverlauf viel Blut, was stellenweise ein bisschen an einen Horrorfilm erinnert. Außerdem kommt es immer wieder zu Tierquälerei, was ich persönlich nicht gutheiße. In "Rot wie das Meer" dreht sich alles um das alljährlich stattfindende Rennen der Capaill Uisce auf Thisby, das mit viel Blut und Gewalt verbunden ist, denn diese ungewöhnlichen Wesen in Pferdegestalt sind alles andere als harmlos... Interessant ist auch die Tatsache, dass das Skorpio-Rennen eine reine Männerdomäne ist, in die nun Puck/Kate eindringt und mit einen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Anfangs hatte ich einige Schwierigkeiten, mich in die ungewöhnliche Welt der Capaill Uisce einzufinden. Aber nach einer Weile nimmt die Story auch Leute, die (wie ich) nichts mit Pferden Hut haben, gefangen. Obwohl die Geschichte sehr detailliert beschrieben wird und mich einige Stellen nicht überzeugt haben, übt "Rot wie das Meer" eine besondere Faszination aus, der man sich als Leser unmöglich entziehen kann. Gerne hätte ich noch mehr über die Wasserpferde bzw. über deren Herkunft und das Zusammenleben von Mensch und Capaill Uisce erfahren.
Erzählt werden die rasanten Geschehnisse abwechselnd aus der Sicht von Puck und Sean (in der 3. Person), die den Lesern einen tiefen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle gewähren. Allerdings kann ich mich nicht ganz mit den Protagonisten identifizieren bzw. nicht alle ihrer Handlungen und Taten nachvollziehen. Dank der ausdrucksstarken, mitreißenden Schreibweise von Maggie Stiefvater, der Kapitel in angenehmer Länge sowie der oftmals unterhaltsamen Dialoge lassen sich die 400 Seiten recht geschwind lesen.
FAZIT: "Rot wie das Meer" ist ein reizvolles Buch, das meiner Meinung nach allerdings nicht mit der "Die Wölfe von Mercy Falls"-Trilogie mithalten bzw. auch nicht verglichen werden kann. Trotz der außergewöhnlichen Romanidee samt gelungener Umsetzung, interessanten Geschöpfen aus der Mythologie, reizvollen Charakteren und einem flüssigen Schreibstil hat es "Rot wie das Meer" nicht 100%ig geschafft, mich zu überzeugen. Das hat mit meinem Desinteresse an Pferden, den ausführlich beschriebenen Gewaltszenen sowie den schwierigen Hauptpersonen zu tun. Dennoch hat mich "Rot wie das Meer" erstaunlich gut unterhalten, weshalb ich schwache 4 (von 5) Punkte vergeben.