Rezension ~ Red Seas under Red Skies von Scott Lynch

Hallo Leute,nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich nun endlich wieder eine richtige Rezension für euch. Ich habe den GESTRIGEN LESEABEND von Tina von READING TIDBITS gut genutzt und habe Red Seas under Red Skies von Scott Lynch beenden können, den zweiten Band der Gentleman Bastard-Reihe um den Dieb Locke Lamora. Den ersten Band, The Lies of Locke Lamora (REZENSION), habe ich ja geliebt und als BESTES BUCH 2014 bezeichnet. Daher wollte ich natürlich wissen, wie es mit Locke und seinem besten Freund Jean Tannen weiter gehen würde.

!Achtung, hierbei handelt es sich um den zweiten Band einer Reihe. Diese Rezension wird Spoiler zum vorherigen Band enthalten!

Rezension ~ Red Seas under Red Skies von Scott LynchRezension ~ Red Seas under Red Skies von Scott Lynch

Inhalt

Halb tot und als seelisches Wrack ist Locke dem Kampf mit dem Gray King entkommen und konnte seinen Feind besiegen. Doch alle Siege der Welt sind nichts wert, wenn man eigentlich nicht mehr leben möchte. Nur mit Müh und Not kann Jean seinen besten Freund überzeugen, nicht aufzugeben. Und tatsächlich, nach einiger Zeit ist Locke bereit für seinen nächsten großen Coup: Er will den unknackbaren Tresor von Requin ausrauben, dem Besitzer des Casinos von Tal Verrar. Doch das ist leichter gesagt, als getan. Als der Archon von Tal Verrar, Maxilan Stragos, auf Locke aufmerksam wird, zwingt er ihn und Jean in seine Dienste. Schon bald werden die beiden Freunde in einen Machtkampf hineingezogen, der viel gefährlicher ist, als gedacht. Und sie finden sich auf fremden Metier wieder: Auf einem Schiff mitten auf dem Ozean...

Meine Meinung

Auch wenn es mittlerweile wieder fast ein halbes Jahr her ist, seit ich The Lies of Locke Lamora gelesen habe, so lies mich das Buch seitdem nicht mehr los. Daher war es für mich klar, dass ich nun den zweiten Band der Reihe lesen musste. Ich habe, wie auch schon beim ersten Band, ziemlich lange dran gesessen, was einfach daran liegt, dass die Bücher von Scott Lynch sich nicht einfach so runter lesen lassen. Sie sind nie langweilig oder dergleichen, aber umfangreich und der Schreibstil ist auch nicht ohne. Doch dazu später mehr.
Der Prolog des Buches lässt einen mit vielen Fragezeichen im Kopf zurück. Man erkennt, dass ein späterer Handlungsstrang gezeigt wird und man fragt sich einfach, was alles im Verlauf der Geschichte passieren wird, damit es soweit kommt. Den der Prolog schockiert ein bisschen. Irgendwie glaubt man nicht, was man da liest, aber gleichzeitig weiß man, dass Scott Lynch seine Leser gerne überrascht und schockiert. Daher wird durch den Prolog die Neugierde natürlich unheimlich angefacht und man möchte unbedingt wissen, was passiert. Das erste Kapitel ist dann ein gewaltiger Sprung und Schnitt, denn man befindet sich mit Locke und Jean im Casino, was die beiden gerne ausrauben wollen. Sie spielen ein Spiel, das Carousel Hazard genannt wird und als absolut sicher vor Tricksereien und Betrügereien gilt. Natürlich sehen Locke und Jean dies als Herausforderung und beweisen mal wieder, dass nichts vor ihnen sicher ist und sie auch bei diesem Spiel betrügen können.
Die Handlung in dem Buch umfasst etwa zwei Jahre, wobei die Handlung aus der Gegenwart etwas über zwei Monate in Anspruch nimmt. Wie schon im ersten Band werden die einzelnen Kapitel immer wieder von Interludes unterbrochen, die in Red Seas under Red Skies nicht Interludes heißen, sondern Reminiscence. In diesen Kapiteln erfahren wir von Lockes und Jeans Verbleib nach dem Kampf gegen den Gray King und vor der Gegenwartshandlung. Locke ist nach den Ereignissen in Camorr ein echtes Wrack - körperlich und seelisch. Er lässt sich gehen, säuft, und möchte eigentlich nur noch sterben, da er mit seiner Schuld, die er auf sich geladen hat nicht leben kann und nicht leben will. Währenddessen versucht Jean immer wieder, Locke dazu zu animieren, seine Fähigkeiten zu trainieren, vorwärts zu blicken, zu leben. Ich fand die Szenen sehr eindrücklich, da ich sowohl Locke, als auch Jean verstehen konnte. Lynch schildert sehr gut und überzeugend die inneren Dämonen, die Locke gefangen halten und die Frustration von Jean, als er seinen besten Freund nicht mobilisieren kann. Zunächst wird für den Leser nicht ersichtlich, was genau Lockes Pläne sind. Schon wie im ersten Band werden nur häppchenweise Antworten geliefert und erst mit der Zeit wird der Umfang des Coups deutlich. Die zwischendurch eingeschobenen Reminiscences geben immer wieder zusätzliche Informationen, aber gleichzeitig verwirren sie auch, da man überlegt, wie alles zu einem großen Ganzen zusammengefügt wird. Die Handlung ist dabei nicht unlogisch und man weiß als Leser, dass alles irgendwann logisch miteinander verknüpft wird, aber Lynch hat das Talent, die Leser am Haken zappeln zu lassen, indem er immer wieder Stück für Stück ein bisschen Information rausrückt und im selben Moment für tausend neue Fragen sorgt. Zudem wird die Handlung, beziehungsweise der Plan von Locke und Lynch, nach der Hälfte des Buches unterbrochen und sie werden in die Dienste des Archons gezwungen, auf eine sehr perfide und unschöne Art und Weise. Ich fand es sehr clever vom Archon, aber ich hätte ihm beim Lesen gerne eine reingehauen! Locke und Jean müssen ein Schiff kapern und in See stechen - etwas, was sie immer so gut es ging abgelehnt hatten. Daher werden nun einige Seiten damit genutzt, den beiden beizubringen, ein Schiff zu steuern und wie ein Pirat zu leben. Okay, ich kann mir vorstellen, dass diese Seiten einige Leser abschrecken könnten und ja, sie sind auch ziemlich umfangreich und irgendwann fragt man sich, wofür man die erste Hälfte des Buches gebraucht hat, wenn es in der zweiten Hälfte um eine ganz andere Handlung geht, aber irgendwie fand ich es doch recht interessant, die beiden dabei zu begleiten, wie sie mehr schlecht als recht zu Piraten ausgebildet werden. Zwischendurch habe ich mich aber auch gefragt, wie Lynch den Bogen zur ersten Hälfte der Handlung schaffen würde, denn an sich sind die erste und die zweite Hälfte völlig unterschiedlich. Die Abenteuer, die Locke und Jean als Piraten erleben waren aber spannend und unterhaltsam und ich muss gestehen, dass ich die zweite Hälfte des Buches viel schneller gelesen habe als die erste, was ich zuerst nicht gedacht hätte. 
Doch natürlich, nach einer gewissen Zeit, kommt alles zu einem eng verknüpften Handlungsstrang zusammen und die Ereignisse überschlagen sich. Locke und Jean haben mal wieder zu hoch gepokert und auch wenn sie viele Schritte bedacht haben und den meisten viele Schritte voraus sind, so sind sie jedoch nicht allwissend und allmächtig und müssen erleben, dass ihnen Schnippchen geschlagen werden und sie opfer bringen müssen. Das ist es, was ich an den Büchern so gut finde. Locke ist sehr intelligent und spitzfindig und kann die meisten Menschen übers Ohr hauen, aber er macht dennoch Fehler, kalkuliert falsch, wird überrumpelt. Vor allem die letzten hundert Seiten zeigen deutlich, dass Locke ein wenig die Überhand verliert, was er und Jean teuer bezahlen müssen. Lynch hat schon im ersten Band bewiesen, dass er nicht zimperlich mit seinen Figuren umgeht und auch in diesem Band ist er gnadenlos und teilweise grausam. Am Ende war ich wirklich baff, denn Locke hat nun endgültig seinen Dämpfer bekommen, was ich wirklich krass fand. Und dieser Cliffhanger, liebe Leute. Da will man den dritten Band unbedingt so bald wie möglich lesen.
Und wieder einmal möchte ich erwähnen, wie sehr ich den Schreibstil von Scott Lynch liebe. Ich vergöttere ihn nahezu. Die Sprache ist schwierig und anspruchsvoll, vor allem für einen nicht-Nativespeaker, aber die Bücher zu lesen, es ist die reinste Freude. Lynch spielt so geschickt mit Worten, drückt Sachen so perfekt aus, für die mir die Worte fehlen, dass ich immer wieder nur staunen kann. Ich weiß nicht, wie die deutsche Übersetzung ist, aber ich kann jedem nur empfehlen, die Bücher im Original zu lesen, wenn er der englischen Sprache recht sicher ist, denn der Stil von Lynch ist ein wahrer Augenöffner!

Fazit

Red Seas under Red Skies war in meinen Augen eine gelungene Fortsetzung. Den ersten Band mag ich immer noch einen Tacken lieber, aber der zweite Band wird dennoch zu meinen Lieblingsbüchern gehören. Das Ende ist ein richtig krasser Showdown mit überraschenden Wendungen, einer Story, die (fast) alle losen Fäden zusammenbindet und vor allem den Leser mit einem der fiesesten Cliffhanger überhaupt zurücklässt. Ich kann das Buch allen empfehlen, die schon den ersten Band mochten, gerne miträtseln, was die Protagonisten so vor haben. und vor allem gerne Piraten- und Seeräuber-Geschichten lesen. Ich vergebe abschließend
Rezension ~ Red Seas under Red Skies von Scott Lynch

Zitate aus Red Seas under Red Skies

Deny something to enough people and sooner or later it will grow a mystique as thick as fog. (S. 24)
"Gods, I feel old and sour. I see things like this and wonder if I was that bloody stupid when I was taht boy's age." "You were worse," said Jean. "Until quite recently. Probably still are." (S. 33)
"You fought the Gray King with one arm nearly cut off. You climbed out a window five hundred feet up in Raven's Reach. And here you are, three stories off the ground, helpless as a kitten in a grease barrel. Crybaby. Pissant." "You are deliberately trying to provoke me!" "No shit," said Jean. "Sharp as a cudgel, you are." (S. 66)
"You're the one who lit fire under me because he wanted to see me dance. Now I've danced, and I believe I've made my point." (S. 72)
"This man is a clown," whispered Selendri. "Oh, no," said Locke. "Well, maybe occasionally. But not now." (S. 82)
"As for history, we are living in its ruins. And as for biographies, we are living with the consequences of all the decisions ever made in them. I tend not to read them for pleasure. It's not unlike carefully scrutinizing the map when has already reached the destination." (S. 101)
"Mmmm-hmmm." "Worst of all, the inner vault is guarded by a live dragon, attended by fifty naked women armed with poisoned spears, each of them sworn to die in Requin's service. All redheads." "You're just making that up, Jean." (S. 109)
"And sometimes," the woman said as she returned to the boat, "when guests don't come back out again, my job is to forget that I ever saw them at all." (S. 120)
"You're not just greedy. You two have an unhealthy lust for excitement. The contemplation of long odds must posetively get you drunk. Or else why choose the life you have, when you could have obviously succeeded as thieves of a more mundane stripe, within the limits allowed by that Barsavi?" (S. 135)
"Crooked Warden," said Locke, "men are stupid. Protect us from ourselves. If you can't, let it be quick and painless." "Well said." Jean took a deep breath. "Crazy part on three?" "On three." (S. 258)
Locke felt the corners of his mouth drawing upward and suppressed an old familiar glee; once a Big Lie was let out in the world, it seemed to grow on its own and needed little tending or worry to bend to the situation." (S. 303)
As Chains had once said, feeling like you wanted desperately to die was fine evidence that you had yet to do so. (S. 393)
"Whatever's there to bleed us, let it bleed me first. Maybe I can spare whoever comes up next." "That means me as well," said Jean, placing a hand on Lockes shoulder, somewhat protectively. "I go where he goes." (S. 465)
Locke Lamora was small, but the Thorn of Camorr was larger than any of this. The Thorn couldn't be touched by blade or spell or scorn. Locke thought of the Falconer, bleeding at his feet. He thought of the Gray King, dead beneath his knife. He thought of the fortunes that had run through his fingers, and he smiled. (S. 472)
Locke couldn't help himself. The spectacle of that onrushing, battle-hardened, completely insane death was so far beyond anything in his experience, he coughed out a burst of startled laughter. He was scared to the marrow, and in that there was a sudden, absolute freedom. He raised his one useless saber and flung himself into a countercharge, feeling light as dust on a breeze, hollering as he ran. "Come, then! Face Ravelle! The gods have sent your doom, motherfuckers!" (S. 475)
Four dead, and he'd cheated on every one, using luck and surprise and plain skulduggery to do what have been impossible in a stand-up fight. (S. 479)
"I don't regret how I've lived these past few years. I move where I will. I set no appointments. I guard no borders. What land-bound king has the freedom of a ship's captain? The Sea of Brass provides. When I need haste, it gives me winds. When I need gold, it gives me galleons." (S. 513)
"Crooked Warden, I will fear no darkness for the night is yours," muttered Locke, pointing the first two fingers of his left hand into the darkness. The Dagger of the Thirteenth, a thief's gesture against evil. "Your night is my cloak, my shield, my escape from those who hunt to feed the noose. I will fear no evil, for you have made the night my friend." (S. 544)
"Now, if you find yourself in trouble wherever you go, you can hold up that little bag to whoever's bothering yor, and you can say, 'You have no idea who you're fucking with. I'm under the protection of the lady who gave me this object of her favor.'" "And that's supposed to make them stop?" "Shit no, that's just to confuse them. Then you kill them while they're standing there looking at you funny." (S. 681)
Emerging from a long spell of false-facing could be like coming up for air after nearly drowning, Locke thought. Now all the baggage of their multitiered lies and identities was peeling away, sloughing off behind them as they pounded up the stairs of the Golden Steps one last time. Now that they knew the source of their mystery assassins, they had no need to sham as priests and skulk about; they could run like simple thieves with the powers of the city close on their heels. Which was exactly what they were. (S. 721)
"Let's see if we can't get this thing pointed somewhere else." He stood up, keeping one of his hands on Jeans shoulder. "Somewhere new." (S. 760)
InformationenAutor: SCOTT LYNCHTitel: Red Seas under Red SkiesDt. Titel: Sturm über roten WassernReihe: 02 von 03 (07 geplant)Verlag: BANTAM DELL, TaschenbuchSeiten: 760Preis: 5,70€
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