Rezension | "Layers" - Ursula Poznanski

Von Tintentraeume @Splitterherz

Du hast dich unseren Grundsätzen verpflichtet. 
Der Kader begrüßt dich als einen seiner Master. 
Du wirst mehr wissen als alle anderen und dieses Wissen wird dein Lohn und deine Bürde zugleich sein. 
Unsere Ziele sind größer als wir, bedeutender als wir und sie rechtfertigen jedes Opfer. 
Auch unser Leben. 
Auch dein Leben. 

"Layers" - Ursula Poznanski [S. 169]
 
 Erster Satz: Er befand sich noch im Halbschlaf, trotzdem spürte er genau, dass der Hauch, der sein Gesicht streifte, kein Wind war.

Dorian lebt auf der Straße, ohne Dach über dem Kopf, mit lediglich 5 Euro, einem Taschenmesser, einem Rucksack und einer Flasche Wasser ausgestattet. Obwohl das Leben auf der Straße nicht einfach ist, ist es besser, als das Leben was zu Hause auf ihn wartet – denn seinen prügelnden Vater vermisst er hier nicht. Von Tag zu Tag schlägt er sich aufs Neue durch: Durchwühlt die Mülleimer der großen Supermärkte, auf der Suche nach Nahrung, durchstöbert Kleidersäcke an Altkleidercontainern, um warme Kleidung für den nahenden Winter aufzutreiben und versucht kläglich die gähnende Langeweile totzuschlagen, die seine Tage kennzeichnen. Am Meisten vermisst er Bildung und das Gefühl etwas Sinnvolles tun zu können.  Eines Nachts erwacht er mit dröhnenden Kopfschmerzen, voller Blut, neben einer Leiche. Mitten in der sich langsam ausbreitenden Blutlache, findet er sein Taschenmesser. Die Erinnerung, an das was passiert ist, hat er jedoch verloren. Während er schon panisch an die Konsequenzen denkt, die ihn hier erwarten könnten, spricht ihn ein Mann an, der die Tat gesehen haben will. Sein Name ist Nico und er liest Jugendliche von Straße auf, um ihnen eine neue Chance zu geben. Sein Boss ist der Großunternehmer Bornheim. In einer bereitgestellten Villa, genannt „Bornheims-Villa“, bekommen die Jugendlichen frische Kleidung, ein Dach über dem Kopf, einen warmen Schlafplatz, Essen und Bildung – für Dorian geht ein Traum in Erfüllung. Die einzige Gegenleistung: Die Jungen und Mädchen müssen für Bornheim Flyer in der Stadt verteilen und dürfen sich von ihrem Verkaufsplatz maximal 10 Meter entfernen. Ein kleines Opfer, wie Dorian findet. 
Doch dann beginnt er Fragen zu stellen. Fragen, die er nicht stellen sollte und ehe er sich versieht, ist er auf der Flucht und die Jagd auf ihn eröffnet. Ein mörderischer Wettlauf beginnt.  

Der Name Ursula Poznanski, ist seit dem großen Erfolg ihres Jugend-Debütromanes: „Erebos“, nicht mehr unbekannt. Ihr besonderes Kennzeichen: Gekonnt hält sie Schlüsselinformation bis ans Ende ihrer Geschichte zurück und  überrascht, schockt und verwirrt ihre Leser dann, gnadenlos mit der Wahrheit. Zuvor verstreut sie, ohne dass es bemerkt werden könnte, Köder, die vorgeben die Wahrheit zu sein, es dann jedoch nicht sind. Ganz wie in ihrem aktuellen Roman „Layers“, ist die Wahrheit nämlich vielschichtig. Dieses Grundthema, scheint in fast all ihren Werken zu dominieren.
Auch „Layers“ hat mehrere Schichten, viele Wahrheiten und einige Geheimnisse in sich. Dabei versteht sich die Autorin darauf, unnötige Informationen möglichst gering zu halten, wodurch ein kontinuierliches Lesetempo entstehen kann. In jedem Kapitel scheint sich das Puzzle immer mehr zusammen zu setzen, dadurch gibt es immer neues zu entdecken. Ganz nach dem Motto „Ich lese nur noch ein Kapitel, bevor ich das Licht ausmache“, ist kein Ende in Sicht und es fällt schwer, einen geeigneten Platz für das Lieblingslesezeichen zu finden. Besonders am Anfang der Geschichte, wirft Frau Poznanski zahlreiche Fragen auf, die im Kopf zu wilden Spekulationen führten. Das ist es, was ich liebe: Wenn man als Leser gefordert wird, mitfiebern, mitraten und miträtseln kann. Da sich die Autorin mit Antworten, wie bereits erwähnt, eher zurückhält, kann man dies auch mit Freuden, das ganze Buch über fortführen.

Die Charaktere konnten mich hingegen nicht ganz von sich überzeugen. Zwar wächst einem Dorian irgendwann ans Herz und durch seinen Mut und seinen Drang nach Antworten, fiebert man mit ihm mit, jedoch bleiben alle anderen Figuren eher schemenhaft hinter ihm zurück. Seine Liebesgeschichte mit Stella bleibt kühl, farblos und ohne jegliche Kontur. Es ist kaum nachvollziehbar, wie sie entstehen konnte, geschweige denn, wie sie sich so kraftvoll über das Werk hinweg erhalten kann. Aber auch die Anderen Schauspieler des Werkes, bleiben Schatten, denen man sich an der einen oder anderen Stelle zwar gegenübersieht, die einem jedoch fremd und nicht greifbar bleiben. 

Schicht, um Schicht, um Schicht tragen sich alle Lügen voneinander ab und enthüllen das, auf was der Leser von der ersten Seite an wartet: Die gnadenlose und endgütige Wahrheit von „Layers“. Mit Raffinesse führt Ursula Poznanski ihre Leser in die Irre. Verstreut falsche Fährten und gibt etwas vor, was sich am Ende lediglich als Trugschluss entpuppt. Ihr flüssiger und spannender Schreibstil sorgen dafür, dass man dem Geschehen mühelos folgen kann und nach Antworten lechzt. Auch wenn die meisten Charakter nur Schemen bleiben und die Liebesgeschichte leicht unterkühlt wirkt, kann „Layers“ auf seine Weise überzeugen. Bestimmt nicht das interessanteste und beste Werk der Autorin, trotzdem eine Reise wert.
Das Buch in Worten: verwirrend, überraschend, spannend, charakterschwach  


Eingestellt von Tintentraeume am 9/27/2015 10:00:00 vorm. Diesen Post per E-Mail versendenBlogThis!In Twitter freigebenIn Facebook freigeben Labels: Bewertung: 4 Herzen, Gelesen: 2015, Jugendbuch, Jugendthriller, Layers, Rezension, Rezensionen, Ursula Poznanski