Rezension | "Kiss & Crime - Zeugenkussprogramm" von Eva Völler

Von Paperdreams @xGoldmarie

| One | Hardcover | 368 Seiten | €14,99 | Amazon |


Emily kann es nicht fassen. Eigentlich wollte sie am letzten Wochenende vor ihren Abiklausuren bloß noch etwas feiern, doch dann gerät ihr Leben komplett aus den Fugen: Nach einem bewaffneten Überfall landen ihre Mutter und deren Freund Jonas im Krankenhaus, und das nur, weil Jonas sich mit den falschen Leuten eingelassen hat. Auf einmal sind sie alle in so großer Gefahr, dass ein Personenschützer für sie abgestellt wird. Pascal, jung und gut aussehend, sorgt bei Emily für noch mehr Pulsrasen, obwohl ihr sein Machogehabe ziemlich auf die Nerven geht. Als sich die Lage zuspitzt, muss die Familie sogar ins Zeugenschutzprogramm. Von der Großstadt geht's aufs Land - für Emily der totale Absturz. Sie will unbedingt zurück, aber im Zeugenschutz gelten harte Regeln. Und Pascal sorgt dafür, dass sie eingehalten werden - bis Emily schließlich begreift, dass der kleinste Fehler nicht nur ihr Leben in Gefahr bringt, sondern auch ihr Herz ...


Manche Dinge funktionieren in einer bestimmten Konstellation, manche nicht. Manche Bücher mit knalligem Cover und vielversprechendem Titel bieten eine dementsprechend gute Geschichte, andere nicht. "Zeugenkussprogramm" gehört in beiden Kategorien eher zur zweiten Kategorie, obwohl ich mir vorstellen könnte, dass das Buch für junge Leserinnen gut funktioniert, erreicht es mich leider kaum und wird durch eine kindische und zickige Protagonistin zu einer eher anstrengenden Lektüre. Unterhaltung findet man hier und da, zumal mir die Grundidee sehr gut gefällt und man definitiv einiges daraus hätte machen können, doch die Geschichte, die man am Ende serviert bekommt, ist kitschig, vorhersehbar und ohne jeglichen Charme.
Während ich die Familiensituation und die Krimigeschichte noch ganz passabel fand, ist die Liebesgeschichte leider das, was die Autorin komplett falsch angegangen ist, denn sie ist völlig austauschbar und erinnert an viele Teeniegeschichten, in denen weibliche Figuren vom männlichen Helden schwärmen und diesen völlig in den Himmel loben. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Liebesgeschichte schlichtweg viel zu schnell geht: sie sehen sich und verlieben sich. Auf der Stelle. Protagonistin Emmy verhält sich wie eine vorpubertäre, verwöhnte Dreizehnjährige und zickt entweder ständig herum oder jammert, oder schwärmt pausenlos von ihrem Pascal (nachdem sie ihn auch angezickt hat). Pascal hingegen ist die Ruhe selbst, denn er ist einfach nur langweilig. Die üblichen bernsteinfarbenen Augen, der übliche muskulöse Körper, der übliche toughe Typ mit Beschützerinstikt (klar, er ist Personenschützter...).
Wäre die Geschichte spannend gewesen, hätte ich diese Fehler wohl noch verzeihen können, doch am Ende geht es um ziemlich klischeehafte Kleinkriminelle und vorhersehbare Wendungen, die man schon auf den ersten Seiten erahnen konnte. "Zeugenkussprogramm" ist sicherlich unterhaltsam und gerade für jüngere Leserinnen eventuell sogar ein Lesespaß, für alle abseits der zwanzig würde ich es jedoch nicht unbedingt empfehlen. Es fehlt einfach das Spezielle - das, was dem Buch das besondere Etwas hätte geben können. Das Prickeln, die nervenaufreibende Spannung, so wie es sich für eine Krimiliebesgeschichte für Jugendliche eben gehört. Wer gerne lockerleichte, zahnschmerzensüße und sehr jugendliche Geschichten liest, könnte mit dem "Zeugenkussprogramm" ganz gut bedient sein, alle anderen sollten die Finger von dieser vielversprechend anmutenden Geschichte lassen.

Zuckersüß, lockerleicht und definitiv etwas für junge Leserinnen - so könnte man "Zeugenkussprogramm" beschreiben. Mit vielen vorhersehbaren Wendungen, einer mauen und viel zu schnellen Liebesgeschichte, austauschbaren oder nervigen Figuren ist die Geschichte um Emmy und Pascal nicht unbedingt das, was ich mir erhofft hatte. Zwar kann man von diesem Buch durchaus unterhalten werden, wenn man sich nicht zu sehr an den vielen Makeln stört, doch insgesamt kommt doch nur ein mittelmäßiges und viel zu durchwachsenes Buch dabei heraus, als das man eine Empfehlung dafür aussprechen könnte. Für sehr junge und nicht so aktive Leserinnen könnte es vielleicht etwas sein, für alteingesessene Jugendbuchleser ist es wohl eher nichts.