Rezension: John Butler Trio – Flesh & Blood

Auf „Flesh & Blood“, seinem sechsten Studioalbum, zeigt sich der australische Gitarrenvirtuose John Butler in bestechender Verfassung, Instrumentierung und Songwriting balancieren geschickt auf dem schmalen Grat zwischen Pop/Rock-Mainstream und  dem eigenwilligen Butler’schen Roots-Mix aus Reggae, Blues und sphärischem Folk.

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Mit seinem letzten Album „April Uprising“ (2010) gelang dem Australier und seinen Mitstreitern Byron Luiters und Nicky Bomba erstmals ein grosser internationaler Erfolg: Platz 36 auf den amerikanischen Billboard-Charts. Eine logische Konsequenz, nachdem dessen Vorgänger „Grand National“ (2007) die US-Heatseekers-Charts angeführt hatte. Und nun? Torpediert „Flesh & Blood“ das australische Trio noch weiter hinauf in den Billboard-Olymp?

Das Album hat auf jeden Fall Klasse, aber hat es das Potenzial zu einem Hype zu werden? Butler entlockt seinen mannigfaltigen Saiteninstrumenten Klänge, die eine gute Schulung an aktuellen Trends der (Indie-)Rock-Gemeinde verraten. Da sind beispielsweise die beiden rock’n’rolligen Songs – „Livin In The City“ und „Devil Woman“ -, die an die Arbeiten der Black Keys anschliessen: rasante, kurzgefasste Blues-Rock’n’Roll-Nummern mit bis zum Gehtnichtmehr verzerrter Gitarre, und so weiter. Dass „Livin In The City“ zudem an den amerikanischen Favoriten „Summer In The City“ erinnert, mag Zufall sein. Vielleicht.

Auch in die anhaltende Begeisterung für mehrstimmige Folk-Harmonie mit fingergepickter Gitarre – seit jeher Butlers Spezialität – stimmt die Band mit ein. Bereits der Albumopener „Spring To Come“ ist eine harmonieselige besinnliche Folknummer mit glasklaren Harmonien und feiner Gitarre, gereift aber nicht in Waldschrat und Wiesenfee County wie die meisten der amerikanischen und europäischen Pendants, sondern unter der wonnigen Sonne Australiens, genauer: in Butlers Studio The Compound in Fremantle, einer Ortschaft, die kalte Temperaturen kaum kennt.

Wie gedenken Band und Label den Erfolg des Albums zu lancieren? Mit der ersten Singleauskopplung „Only One“. Eine einschmeichelnde, folkige Singer/Songwriter-Nummer mit markantem Refrain. Da war doch was? Genau: Das Rezept, das dem lange Jahre darbenden Mike Rosenberg aka Passenger im letzten Jahr zu Superstarstatus verhalf. Butler und Rosenberg haben Gemeinsamkeiten: beide waren einst Strassenmusiker in Australien, (beide haben einen etwas filzigen Bart – wenn auch Butler den Contest hier klar gewinnt), beide haben grandiose Alben ohne den einen durchschlagenden Erfolg gemacht. Für Rosenberg änderte sich dies mit „Let Her Go“ – und für Butler? Prognose: „Only One“ ist zwar eine bezirzende kleine Perle, jedoch nicht von einem #1-Kaliber. Der grosse Durchbruch bleibt ihnen auch hiermit verwehrt.

Aber seien wir ehrlich: Als Fan ist es einem auch irgendwie recht, wenn in Zukunft nicht jeder sagt: “Ach, John Butler, ist das der mit Only One?”. Ist es, aber es ist eben auch der mit dem wildgewordenen Blues-Psych-Freakout “Devil Woman”. Und der mit dem Reggae-Blues-Jam “Blame It On Me”. Und der mit den faszinierend sphärischen Folkklängen von “Young And Wild” oder “Wings Are Wide” (zwei weitere Albumhighlights). Und das sollte nicht vergessen gehen, denn gerade in der stilistischen Vielfalt liegt eine der grossen Stärken des John Butler Trio.


Das gesamte Album via Spotify hören:


Tagged: Black Keys, Blues, Flesh And Blood, Folk, Jam, John Butler, Only One, Reggae, Roots, verfilzter Bart

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