[REZENSION] "Ich. darf. nicht. schlafen."

Von Buechersuechtig
Cover
Der Autor
S.J. Watson wurde in den Midlands geboren, lebt in London und hat viele Jahre für den staatlichen britischen Gesundheitsdienst (NHS) gearbeitet. 2008 wurde S.J. Watson in das Studienprogramm Kreatives Schreiben der Faber Academy aufgenommen. "Ich. Darf. Nicht. Schlafen." erscheint weltweit in über 30 Sprachen und wird in Hollywood verfilmt.
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Broschiert: 464 Seiten
Verlag: Scherz; Auflage: 3 (23. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3651000087 / ISBN-13: 978-3651000087
Originaltitel: Before I go to Sleep
Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 13,8 x 3,2 cm
Leseprobe
Quelle: media.libri.de  *eine kleine Kostprobe*
Die Geschichte...Stell dir vor, du vergisst über Nacht, wer du bist. Genau das  passiert der 47-jährigen Christine nach einem schweren Unfall, den sie mit 29 Jahren hatte. Seitdem gehen Christine über Nacht sämtliche Details ihres Lebens verloren und so sammelt sie täglich Erinnerungen, um diese während des Schlafens dann wieder zu vergessen. Nach dem Aufwachen glaubt sie nämlich, dass sie in den Zwanzigern und ledig ist, weshalb ihr Ben alltäglich erklären muss, wer er ist, wann sie geheiratet haben oder warum sie immer wieder alles vergisst. Jeden Tag bekommt Christine einen Anruf ihres Arztes, der sie daran erinnert, dass sie Tagebuch führt. Doch wem kann die Frau mit der Amnesie trauen? Ihrem liebevollen Mann Ben, mit dem sie seit 1985 verheiratet ist oder dem Neuropsychologem Dr. Nash, bei dem Christine ohne das Wissen ihres Arztes in Behandlung ist? Findet Christine die Wahrheit in ihrem Tagebuch?
Meine Meinung:Aufgrund einiger hochgelobter Rezensionen wollte ich dieses Buch unbedingt lesen, denn der Klappentext klingt echt interessant, hat mich aber in die Irre geführt. Den Schauplatz hat der Autor nach London verlegt, die Story ist in 3 Teile gegliedert. Der 1. Teil beginnt am 30. November, der 2. Teil (Tagebuch der Christine Lucas) dauert vom 9. November bis 23. November, der 3. Teil (heute) endet im Dezember.
Seit 22 Jahren ist die 47-jährige Christine Lucas mit Ben verheiratet. Da Christine unter einer seltenen Form von Amnesie leidet, vergisst sie während des Schlafens alles und muss sich dieses Wissen wieder mühsam aneignen. Dadurch ist sie arbeitsunfähig und von ihrem Ehemann Ben abhängig, der sich aufopfernd um seine Frau kümmert. Auch Dr. Nash, der junge Neuropsychologe, bei dem Christine heimlich in Behandlung ist, will seiner Patientin helfen, die Gedächtnislücken zu füllen. Dazu hat ihr der Arzt ein Tagebuch geschenkt, in das Christine jeden Tag ihre Erlebnisse eintragen soll, um sich so ein wenig an ihr Leben zu erinnern. Die Protagonisten wirken seltsam blass, und vor allem Christine entwickelt sich trotz ihrer allmählichen Fortschritte wenig weiter. Außerdem agieren die Charaktere oftmals sehr hölzern, so dass es mir schwer gefallen ist, mich mit ihnen zu identifizieren.
Ich-Erzählerin Christine vertraut auf Rat ihres Arztes ihre Erinnerungen, solange sie frisch sind, einem Tagebuch an. Dort schildert sie ihre Erlebnisse und Eindrücke wie einem guten Freund. Neben den Tagebucheinträgen gibt es auch noch einen anderen Handlungsstrang.  Allerdings führt das häufig zu Wiederholungen, denn während Christine tagtäglich neue Erkenntnisse sammelt, sind diese dem Leser durch die vorangegangen Tage oft schon bekannt und auch die Grundidee ist nicht mehr ganz taufrisch. Die Handlung erinnert mich sehr an die Filme "50 erste Dates" bzw. "Und täglich grüßt das Murmeltier". Leider kommt durch diesen Erzählstil über große Strecken Langeweile auf, so dass ich gefragt habe, wo sich die angepriesene Spannung versteckt hat. Erst die letzten 100 Seiten kommt die Story allmählich in Fahrt und endet in einer wenig überraschenden Auflösung.
Warum "Ich. darf. nicht. schlafen." auf dem Cover als "Thriller" angepriesen wird, ist mir vollkommen schleierhaft. Mit der Genrezuordnung tue ich mich ein wenig schwer: Es ist kein Thriller oder gar Psychothriller, sondern lässt sich eher in die "Schublade" Psycho-/Familiendrama einordnen. Thrill und Spannung kann man hier mit der Lupe suchen, stattdessen plätschert die Handlung vor sich hin und die ständigen Wiederholungen nerven. Auch der langatmige Schreibstil von S.J. Watson hat es nicht besser gemacht und ich wundere mich wirklich, was manche Leser an diesem Werk finden...
FAZIT:"Ich. darf. nicht. schlafen." konnte mich leider nicht überzeugen, woran die falsche Genrezuordnung, die ermüdende Handlung mit den vielen Wiederholungen, die farblosen Charaktere sowie der spannungsarme Schreibstil schuld sind. Sorry, aber dieses Debüt bekommt von mir nur 1 1/2 (von 5) Punkte.

ZITAT Seite 18:"Ich schließe die Augen. Ich habe das Gefühl zu schweben. Haltlos. In Gefahr, verlorenzugehen. Ich muss mich irgendwie verankern. Ich schließe die Augen und versuche mich auf etwas zu konzentrieren, irgendetwas Greifbares. Ich finde nichts. So viele Jahre meines Lebens, denke ich. Einfach weg. Dieses Album wird mir sagen, wer ich bin, aber ich will es nicht öffnen. Noch nicht. Ich möchte eine Weile hier sitzen, meine gesamte Vergangenheit ein leeres Blatt. Im Schwebezustand, irgendwo zwischen Möglichkeit und Tatsache. Ich habe Angst davor, meine Vergangenheit zu erkunden."