Rezension | „Hochgradig unlogisches Verhalten“ von John Corey Whaley

Rezension | „Hochgradig unlogisches Verhalten“ von John Corey Whaley

Autor: John Corey Whaley / Umfang: 240 Seiten / Format: Hardcover mit Schutzumschlag / Übersetzer: Andreas Jandl / Verlag: Hanser / erhältlich bei: Bücher.de, mayersche.de

Der Plot…

Seit drei Jahren hat Solomon das Haus nicht verlassen. Und er findet, das ist auch vollkommen in Ordnung. Er hat zu essen. Er kann von seinem Fenster die Berge sehen, und seine Schulaufgaben macht er online, mit ungekämmten Haaren und im Schlafanzug. Ernsthafte Probleme hat er eigentlich nicht. Und er hat auch keine schwere Krankheit. Er ist bloß ein neurotisches Vorstadtkind, das draußen schwere Panikattacken erleidet.
Seine ehemalige Mitschülerin Lisa weiß, was sie im Leben will. Das sehr ergeizige Mädchen benötigt für einen Psychologie-Aufsatz noch ein Studienobjekt und ist fest davon überzeugt, das Solomon nicht nur ihr Los in die Wunsch-Uni ist. Sie glaubt, ihn wirklich retten zu können. Und tatsächlich entwickelt sich eine Freundschaft. Als Lisas Freund Clark dazu stößt, ist das Trio perfekt. Solomon lernt, was Freundschaft ist, und wagt den Schritt nach draußen…

„Über Freundschaft und die Dinge, für die es sich lohnt, seine Komfortzone zu verlassen.“

Mein Resumé…

Mit HOCHGRADIG UNLOGISCHES VERHALTEN legt John Corey Whaley bereits sein drittes Jugendbuch in Deutschland vor. Für mich war es das erste Leseerlebnis des Autors. Und so viel möchte ich vorweg nehmen; sicher war das nicht mein letztes. Rezension | „Hochgradig unlogisches Verhalten“ von John Corey WhaleyAus der dritten Person und Wechselperspektive trifft man auf Lisa, die übereifrige Streberin, und Solomon der an Agoraphopie leidet, sich leider durch diese Krankheit ans Haus gefesselt sieht und [unwissend] Lisas Forschungsobjekt werden soll.

Beginnen möchte ich damit, wie sehr mich Solomon vom ersten Moment an begeistert hat. Die Tatsache, dass Solomon zwar an schweren Panikattacken leidet, dadurch ein sehr einsames Einsiedlerdasein führt, aber sich und sein Wesen nicht darüber definiert, gefiel mir sofort. Er ist so viel mehr als ein Junge, der Angst hat, nach draußen zu gehen. Er ist freundlich und nachdenklich. Solomon ist ein absolut bezaubernder Geek und sein Sinn für Humor, einschließlich der Fähigkeit, sich über sich selbst lustig zu machen, zeichnen seinen charmanten Charakter noch mehr aus.
Lisa ist überambitioniert, wirkt etwas kaltschnäuzig und ist absolut davon überzeugt, Solomon nicht nur „reparieren“ sondern sich so ein Stipendium an ihrer Traum-Uni krallen zu können. Klingt nicht gerade sympathisch? Ist sie erstmal auch nicht. Ein cleverer Schachzug ist ohne weiteres, dass Lisa ihren Freund Clark mit Solomon bekanntmacht. Ein Dreamteam ist geboren. Clark ist, im Gegensatz zu Lisa, noch ziellos und lässt sich gerne treiben. Außerdem schreckt der Plan seiner Freundin, ihn zunehmends ab. Er entdeckt viele Gemeinsamkeiten, wie u. a. Solomons Leidenschaft für Startrek. Meinem Gefühl nach hat er sehr viel zu Solomons Entwicklung beigetragen. Diese ‚Bro-mance‘ war definitiv ein Highlight. Wogegen Lisa mir mit ihrer Art aufs Gemüt schlug und mich erst später mehr für sich gewinnen konnte. Das es bei einer dreier-Konstellation zu Komplikationen kommen kann, ist nicht verwunderlich. Allerdings war ich etwas baff, in welche Richtung diese ging.

Whaleys Schreibe ist durchgehend sehr flüssig und dicht geschrieben. Auch die Leichtigkeit fiel mir, trotz des Grundthemas, angenehm auf. Das Tempo war gut getaktet. Und zum Ende wurde ich dabei überrascht, wie emotional ich darauf reagierte.
Das Ende selbst wurde offen gehalten, was mir überaus entgegen kam. Die Figuren sind noch sehr jung und ihre zwischenmenschlische, sowie gesundheitliche Entwicklung ein stetiger Prozess.

Tacheles…

Solomon hat mich mit seinem HOCHGRADIG UNLOGISCHEN VERHALTEN zugleich berührt und zum lächeln gebracht. Mit Sensibilität, Humor und Scharfsinnigkeit, vermittelt der Autor das Bild einer Krankheit ohne dabei die Figuren und Handlung zu vernachlässigen. Eine kurzweilige Geschichte mit Tiefe und ja, auch kleinen Ecken und Kanten. John Corey Whaleys neues Jugendbuch ist aber ohne jeden Zweifel hochgradig empfehlenswert!


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