[Rezension] Herbstzeilen

[Rezension] Herbstzeilen

 Eine kleine Erzählung

 über eine große Heldin

Autor/in: Anja Schenk
Verlag:
neobooks
Seitenzahl:
16 Seiten (eBook) | 45 Seiten (Print)
Genre:
Kurzgeschichte
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Inhalt in einem Satz:
Als Elisabeth eines stürmischen Herbsttages einen ganz besonderen Brief erhält, werden in ihr Erinnerungen an längst vergangene Zeiten geweckt, denn während des Zweiten Weltkriegs wurde sie still und heimlich zur Heldin. 

Im Land tobte der Krieg und mit ihm kam klirrende Kälte. Es war, als brachte dieser Winter den frostigen Hauch des Todes mit.
Durch alle Ritzen im Keller zog permanent ein kalter Luftzug. Trotz der warmen Kleidung und Decken […] froren sie entsetzlich.
Mit blassen Gesichtern und stumpfem Blick hockten sie mit dem Rücken zur Wand und fühlten sich wie in einer Falle gefangen.

- S. 10


Meine Meinung:
Herbstzeilen ist ein kurzes, knappes Büchlein, das es in sich hat. Auf nur wenigen Seiten ist es der Autorin hier gelungen, eine sehr berührende Geschichte zu erschaffen, in der die Protagonistin an die Zeit der Judenverfolgung und Bombardierung Berlins zurückdenkt. Damals traf sie eine tapfere Entscheidung und riskierte ihr eigenes Leben, um anderen Menschen zu helfen - aber worum genau es hierbei geht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden. ;)

Mir hat Elisabeths Geschichte sehr gut gefallen. Ich fühlte mich sofort in die Herbststimmung hineinversetzt, die wunderbar zu der melancholisch-nachdenklichen Stimmung der Protagonistin passte. Der Schreibstil war angenehm und flüssig zu lesen, und als ich Herbstzeilen beendet hatte, war ich schon ein bisschen traurig, dass es sich dabei nicht um einen dicken Roman handelt, denn ich hätte gerne noch viel mehr über Elisabeths Leben zu Kriegszeiten erfahren.

Trotz der wenigen Seiten ist die Geschichte jedoch in sich geschlossen, und der Autorin ist es gelungen, sehr viel Tiefe zu erzeugen. Das Wesentliche wird hier ohne große Umschweife auf den Punkt gebracht und dennoch geht einem Herbstzeilen beim Lesen unheimlich nah.

Eine weitere Besonderheit von Herbstzeilen ist, dass diese eigentlich fiktive Geschichte einen realen Bezug aufweist, denn es gab zu Kriegszeiten sicher viele Frauen, die etwas ganz Ähnliches erlebt haben wie Elisabeth. Dieses Büchlein rückt diese “stillen Heldinnen” in den Vordergrund und zeigt, dass ihr mutiges Handeln alles andere als selbstverständlich ist. Das Nachwort der Autorin nimmt hierauf noch einmal Bezug und sorgte bei mir nochmal ordentlich für Gänsehaut. ;)

Ich hoffe sehr, bald noch mehr Bücher in dieser Richtung von der Autorin lesen zu dürfen, denn Anja Schenk hat bisher vor allem Kinderbücher veröffentlicht, aber ihr Talent für eindrucksvolle Erwachsenenromane hat sie mit Herbstzeilen ganz klar bewiesen.

Über Elisabeth zogen mit dem Ende des Krieges dunkle Wolken auf, die sich für eine lange Zeit nicht verflüchtigen wollten.
Elisabeth streicht vorsichtig über die Zeilen. Ihre Finger zittern leicht. […]
Die Erinnerung und der beißende Wind treiben ihr salzige Tränen in die Augen.
- S. 12


Fazit:

Ein kleines Büchlein mit großer Botschaft. Auf berührende und nachdenkliche Weise wird dem Leser hier verdeutlicht, wie wichtig es ist, zu handeln anstatt Ungerechtigkeit stumm hinzunehmen - und dass es auf dieser Welt viel mehr heimliche Heldinnen gibt, als wir wissen. :)

Bewertung: 📖 📖 📖 📖 📖 (5/5)

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Anja Schenk für dieses besondere Rezensionsexemplar. Weitere Bücher der Autorin findet ihr übrigens hier.


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