[Rezension] Fast Genial

                                                                         [Rezension] Fast GenialTitel: Fast Genial                   
Autor: Benedict Wells
Verlag: Diogenes
ISBN: 9783257067897
Jahr: 2011
Seiten: 322 Seiten
Preis: 11,30 €
Leseprobe: hier

Erster Satz: "Ich werde fliehen!"


INHALT
Francis, knapp achtzehn, wohnt mit seiner alleinerziehenden Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark in New Jersey und sieht sein Leben schön dort enden. Bis zu dem Tag, an dem er die Wahrheit über seine Zeugung erfährt. Offenbar verdankt er seine Existenz einem absurden Experiment, an dem seine Mutter damals teilgenommen hat. Sein Vater ist zudem kein Versager, der die Familie im Stich ließ, sondern ein genialer Wissenschaftler aus Harvard. Eine Begegnung mit ihm könnte Francis’ Leben verändern. Zusammen mit seinem besten Freund Grover, einem verschrobenen Superhirn, und dem Mädchen seines Herzens, der labilen, unberechenbaren Anne-May, macht er sich auf eine Reise quer durchs Land zur Westküste, um seinen Vater zu finden. Francis will wissen, wer er ist, und zu verlieren hat er nichts – oder doch? (Quelle: Klappentext)
[Rezension] Fast GenialAUTOR 
Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Im Alter von sechs Jahren begann seine Reise durch drei bayerische Internate. Nach dem Abitur 2003 zog er nach Berlin. Dort entschied er sich gegen ein Studium und widmete sich dem Schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Sein vielbeachtetes Debüt ›Becks letzter Sommer‹ erschien 2008 und wurde mit dem bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. ›Spinner‹ (2009), seinen ersten Roman, schrieb er mit neunzehn. Wells lebt derzeit in Barcelona und München. (Quelle: Klappentext)
COVER & GESTALTUNG
Das Cover ist ein typisches Diogenes-Cover. Ein schlichter weißer Einband mit einem gezeichneten Bild über dem Autor und Titel. Dieses Bild passt leider inhaltlich überhaupt nicht zum Buch. Ein Eyecatcher ist es definitiv nicht und würde in einer Buchhandlung von mir mit 99 prozentiger Sicherheit übersehen werden.
EIGENE MEINUNG
"Fast Genial" ist der dritte Roman des Schriftstellers Benedict Wells und handelt von einem Jungen, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt und sich auf die Suche nach seinem Vater, einem Genie, macht. Nachdem seine Mutter ihm nach einem Selbstmordversuch einen Brief hinterlassen hat, in dem sie ihm erklärt, dass er das Ergebnis eines Befruchtungs-Experiments mit Spermien von Genies ist, macht er sich zu einem Roadtrip auf, um seinen Vater zu finden.
Positiv fällt der wissenschaftlich-ethische Konflikt von Sperma-Spendung und künstlicher Befruchtung auf, den der Autor hier anspricht. Es liegt heutzutage nichts Anstößiges mehr darin, als Frau sich in Ermangelung eines Mannes künstlich befruchten zu lassen. In diesem Buch beleuchtet Benedict Wells dies aus der Sicht des entstandenen "Kindes", das auf der Suche nach seiner eigenen Identität mehr über seinen Vater wissen will.
Dabei wird Francis' Konflikt und sein Schwanken zwischen der Hoffnung, seinen Vater zu finden und seine Angst, von diesem abgelehnt zu werden, sehr gut herübergebracht.
Sehr auffallend ist die, wie ich sie gerne nenne, "Life sucks"-Atmosphäre, die dem Leser im Großteil des Buches entgegenschlägt. Ob man sie mag oder nicht, ist dem Leser überlassen, doch sie lässt einen nicht los.
Francis ist eine relativ sympathische Hauptfigur. Ehemals ein begabter Ringer und ein beliebter Schüler, zieht er sich nach dem Auszug seines Stiefvaters immer mehr aus dem Sozialleben zurück, bis ihm nur noch Grover, ein nerdiger Hochbegabter ohne jegliche soziale Kompetenzen bleibt. Seine Hoffnungslosigkeit und seine Angst, für immer als Looser in seinem Vorortskaff bleiben zu müssen, wurden überzeugend herübergebracht und der Leser kann gut mit ihm fühlen.
Als seine Mutter mal wieder in Depressionen stürzt, wird sie in die Psychatrie eingeliefert, wo Francis Anne-May, ein rätselhaftes und hübsches Mädchen, trifft und sich Hals über Kopf in sie verliebt.
Das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere war sehr schön mitanzusehen, vor allem die zerrüttete Beziehung von Francis und seiner Mutter wird sehr schön geschildert. Gar nicht gefallen hat mir Anne-May, ich konnte sie weder verstehen, noch mochte ich sie besonders und nachvollziehen, warum Francis sie so toll findet, konnte ich auch nicht. Klar, sie ist hübsch und ein Rätsel - aber sonst?
Der Roadtrip, den die dreiköpfige Truppe macht, entspricht den Vorstellungen: Freiheit, ein bisschen Abenteuer, Konflikte; und es macht Spaß, den Dreien auf ihrer Reise zu folgen. Auch die Suche nach Francis' Vater ist geschickt aufgebaut. Schritt für Schritt lernt Francis mehr über das Experiment, das von zwei größenwahnsinnigen Wissenschaftlern in die Wege geleitet wurde, um die Menschheit intelligenter zu machen.
Die letzten 100 Seiten enthalten eine überraschende Wende, nach der ich gerne das Buch bereits beendet hätte. Doch die Geschichte wird weiter gesponnen, es gibt Zeitsprünge und hatte eigentlich bereits nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Thema - der Suche nach dem Vater gemein.
Ich hatte als Leser ein wenig den Eindruck, als hätte sich Benedict Wells nicht von den Charakteren trennen können und daher die Geschichte weitererzählt. ( und sich dann nicht für ein eindeutiges Ende entschieden konnte, weshalb er das Buch dann am bisher spannendsten und wichtigsten Wendepunkt enden lassen hat.)(Achtung Spoiler)
FAZITFast Genial liegt eine packende Idee zugrunde, die mich aber leider nicht vollkommen fesseln konnte. Es war die Suche nach Francis' Vater, die mich am Lesen gehalten hat. Leider konnte ich mich, von Francis abgesehen, mit keinem der Charaktere identifizieren und verfolgte deren Interaktionen relativ distanziert. Auch die letzten 100 Seiten, die sich völlig vom ursprünglichen Thema entfernen, und das unbefriedigende Ende sind für mich Minuspunkte. Daher gebe ich nur 3.5/5 Sternen.
[Rezension] Fast Genial


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