Rezension: Dreh dich nicht um (Karin Slaughter)

Karin Slaughter: Dreh dich nicht um (Buchcover)

Wer die deutsche Übersetzung von Karin Slaughters Romantitel ernst nimmt, der ist gut beraten. Es wäre allemal besser, sich nicht nach diesem Reißbrett-Thriller umzudrehen, möge er auch noch so hochgelobt in der Presse besprochen worden sein. Was die Autorin hier abliefert, lässt jede Seifenoper wie ein spannungsgeladenes Meisterwerk erscheinen.

Der Campus in Aufruhr

Am Grant College sterben Leute wie die Fliegen. Die Indizien lassen Selbstmorde vermuten, doch irgendetwas stimmt (natürlich) nicht damit. Grund genug für Ermittler Jeffrey Tolliver und dessen Ex-Frau Sara Linton, die zugleich Gerichtsmedizinerin ist, dem Treiben auf den Grund zu gehen. Der dritte Fall ist es bereits und um ehrlich zu sein, ich möchte die anderen beiden Fälle nicht lesen.

Fans dieser ‚Trilogie‘ mögen mir das sicherlich vorhalten, aber das ist für mich kein Argument. In guten Trilogien kann jeder Teil im Großen und Ganzen für sich allein stehen. Wenn eine Geschichte das nicht schafft, hat sie in den allermeisten Fällen Schwächen.

Slaugther zieht hier jedoch, ganz ihrem Namen entsprechend, das komplette Register der Brutalität: Vergewaltigung, Drogen, Prügeleien, Mord, Sadismus und Ekel – dieses bunte Spektrum menschlicher Abgründe erwartet uns in Dreh dich nicht um.

Nicht gelungen

Karin Slaughter ist ohne Frage eine Bestsellerautorin. Dass das kein Indikator für niveauvolle Unterhaltung sein muss, dürfte aber jedem klar sein. So verhält es sich auch mit diesen 480 Seiten, auf denen seziert, gejagt, gerätselt und gegrübelt wird. Das mag sich spannend anhören, ist aber eine merkwürdige Mischung aus Gewaltvoyerismus und Sexkitsch. Wer schon immer mal die Sektion eines Mordopfers live mitverfolgen wollte, dafür aber bisher und völlig unverständlicherweise keine Erlaubnis zwecks Freizeitvergnügen erhalten hat, der wird hier auf alle Fälle fündig werden.

Während die Protagonistin Lena und Inspektor Wiehießernochgleich dem Mysterium auf den Grund gehen, ob es sich tatsächlich um Selbstmorde oder abartige, blutrünstige Tötungen handelt (was ist bei einem Thriller wohl wahrscheinlicher?), wird zwischen den doch recht abenteuerlichen Wendepunkten munter gevögelt, was nicht bei drei in der Pathologie ist. Es tut beinahe schon weh, dieser ‚Geschichte‘ mit Aufmerksamkeit zu folgen. Nein, Frau Slaughter, das war nix.

Fazit

Oft hat man das Gefühl, dass die eher mittelprächtigen Thriller die wirklichen Kleinode vom Markt drängen. Das hier ist ein solcher Platzhirsch. Wer auf an Splatter grenzende Storys steht, ist hier sicherlich gut bedient. Allen anderen empfehle ich: Dreh dich nicht um!


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