[Rezension] "Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks" von Cynthia Hand

Von Fina
Autorin: Cynthia Hand
Gebundene AusgabeVerlag: Harper CollinsOriginaltitel: The last time we say goodbyeSeitenzahl: 320 SeitenTeil einer Reihe? Ein Einzelband.Genre: Jugendbuch
Themen: Trauerbewältigung, Familie, Freundschaft, Liebe, Selbstfindung, Leben
Preis: 16,90€ (D)
                                                      

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Es war der zwanzigste Dezember. Hinter mir lagen genau sechs Monate mit Steven. 183 Tage voller Küsse, bevor die Gleichung sich änderte. Unwiderruflich. Das letzte Mal, dass Lexie glücklich war, war davor. Als sie einen wunderbaren Freund hatte, den Traum, Mathematik zu studieren, und einen Bruder. Tyler. Nun ist sie für die anderen nicht mehr das Zahlengenie, sondern nur noch das Mädchen, dessen Bruder sich umgebracht hat. Um mit der Trauer fertigzuwerden, beginnt Lexie, ihre Gefühle aufzuschreiben. Doch leider ist das Leben keine Gleichung, sonst könnte sie die quälende Ungewissheit auflösen: Tyler hat ihr vor seinem Tod eine SMS geschickt, die sie nicht beachtet hat. Hätte sie alles ändern können? Der Gedanke verfolgt Lexie wie ein Schatten. Bis sie erfährt, was es braucht, um ihr Glück wahrscheinlicher zu machen. (Quelle: Amazon.de)Zumeist sind die Gestaltungen von Harper Collins immer ganz nach meinem Geschmack- nicht zu quietschbunt, dafür angenehm sanfte Farbtöne und ein origineller Titel. Besonders gut bei dieser Ausgabe gefällt mir die Schreibweise auf dem Cover. Durch Klammern und Zahlen wird uns die Mathe- Sympathisantin Lexie gleich etwas näher gebracht und in Kombination mit dem Foto und dem herrlich zarten Türkis hat dieses Schmuckstück direkt einen Platz in meinem Coverherzen ergattern können. Obwohl mir das Originalcover (hier rechts) auch gut gefällt, mag ich die schlichtere Variante des Deutschen Verlages noch lieber, da es auch den Schwermut der Geschichte besser zum Ausdruck bringt.


Bisher habe ich kein Buch von Autorin Cynthia Hand gelesen, aber von ihr hat man schon so manches Mal gehört. Die Bestsellerautorin verfügt über einen angenehmen und sehr gemütlichen Schreibstil, in dem man gerne für einige Stunden versinkt und auch mit Tiefe eine emotionale Geschichte erzählt bekommt. Leider habe ich am Anfang meine Schwierigkeiten gehabt, in die Story hineinzufinden. Durch Tagebucheinträge und wirklich tolle Beschreibungen auf sehr bildlicher und warmer Ebene versucht sie uns den Einstieg zu erleichtern, was zum Teil auch gelang. Bei mir war es eher die Melancholie des Buches, die mich so sehr einnahm, dass ich keine Lust verspürte, um weiterzulesen- zu sehr hat mich der Schwermut eingenommen. Auf der einen Seite ist es eine Kunst, den Leser so zu bannen, auf der anderen war ich etwas erdrückt von Lexies Trauer und hätte mir ab und zu etwas mehr Licht gewünscht.Lexie trauert um ihren Bruder Ty. Überall, in jeder Ecke des Hauses sieht sie ihn, und kann ihn nicht fortgehen lassen. Nicht, bis sie alles nur mögliche über seinen Selbstmord herausgefunden hat. Ihre Mutter, versunken in dunkelster Trauer, kann ihr da kein bisschen weiterhelfen, und von ihren Freunden hat sich Lexie meilenweit entfernt. Auf einen Rat hin schreibt das Mädchen über ihre Emotionen und findet Stückchen für Stücken zurück in ein Leben, in dem Glück nicht nur ihrer mathematischen Formel folgt, sondern auch Gefühle immer wichtiger werden als jeder Zahlentumult.Ich habe schon viele, etliche Bücher mit dem Thema Trauerbewältigung verschlungen, denn wer von uns liebt es nicht, ab und an dahinzuschmachten und mit den Figuren zu weinen und wieder das Schöne im Leben mehr zu preisen. So ist die Thematik an sich nun wahrlich nichts neues, aber wird hier gespickt mit sehr realistischen Tagebucheinträgen, einer sehr liebenswerten Protagonistin und lebendiger Atmosphäre. Ich würde nicht sagen, dass es das beste Buch in dieser Sparte ist, was ich je gelesen habe, aber für Fans dieser Stimmung kann es ein Schatz sein. Das Besondere an Cynthia Hands Interpretation ist die Kunst des Schreibens, Gefühle in Worte zu verpacken und den Leser im Herzen zu berühren, und genau das macht diese Geschichte für mich aus.Ein großer Anteil der transportierten Gefühle sind natürlich Trauer, Wut und Verzweiflung. Das Mädchen hat sich isoliert und braucht unbedingt Hilfe, die sie im Laufe der Geschichte ergreift. Mir war das Verhältnis von negativen Trauergefühlen und der Neuentdeckung des Glücks etwas zu ungewichtet. Zu Anfang hat mich die Geschichte wirklich heruntergezogen und immer aufs neue mit Schwermut erfüllt. Wie erwähnt, ist das ein Lob wert, mir persönlich war es letztendlich aber zu viel der Depression, ein wenig mehr Freude oder auch kleine aufhellende Momente haben mir gefehlt, um die Story abzurunden und mir zwischendurch ein positives Gefühl zu verschaffen.Die Figuren dieser Geschichte sind sehr schön gezeichnet, aus dem Leben gegriffen und, wären nicht alle in solch trauriger Verfassung, so würden sie vor Leben sprühen. Gerade Lexie ist eine tolle Protagonistin, mit der uns die Autorin beweist, was es bedeutet, Charaktere nicht nur zu beschreiben, sondern zu erschaffen. Zu recht war diese Geschichte in Amerika so beliebt, denn selten findet man eine solche Palette an Facetten, Gefühlen und Stimmung auf einem Haufen. Man sollte dieses Buch allein aufgrund der Figuren nicht verpassen, da sie einen hohen Grad an Realität und Vielseitigkeit verkörpern.Das Ende des Buches hat mich sehr zufrieden zurückgelassen, aber ich war auch etwas traurig, die Figuren gehen zu lassen. Man verwächst so sehr mit Lexie und Co., dass es tatsächlich schwer fällt, alle auf einmal gehen zu lassen. Ich bin trotz eines sehr schwermütigen Beginns positiv überrascht von dieser Geschichte, weil die Autorin es versteht, ein altbekanntes Thema neu zu interpretieren und mit einer wundervollen Explosion an Emotionen- für Leser und Charaktere- wieder aufleben zu lassen.Wer jetzt denkt, von Tod, Trauer und deren Bewältigung hat man schon mehr als genug gelesen, der sollte sich trotzdem dieses Buch genauer anschauen. Ein Schreibstil, der sofort "Fühl dich wie Zuhause!" schreit, facettenreiche Charaktere, und eine ebenso melancholische, wie angenehme Stimmung machen diesen Jugendschmöker zu etwas besonderem. Mit dem Einfluss der Mathematik am Rande hat Mrs. Hand ein tolles Element eingebaut, was interpretiert werden kann und der Geschichte zusätzlich frischen Wind einhaucht. Mich hat dieses Buch positiv überrascht und ist für Liebhaber von Geschichten über den Tod, das Leben und den Weg zum Glück genau das Richtige!