Rezension: Der Aufbruch - Carsten Stroud

Rezension: Der Aufbruch - Carsten Stroud

© Dumont

Der Aufbruch| Carsten Stroud |

Verlag: Dumont Verlag 2015

Seiten: 544 ISBN: 9783832198053

MEINE BEWERTUNG 

-Blutrünstiges FinaleDie Ereignisse in Niceville laufen völlig aus dem Ruder. An einem Wochenende kommt es zu einer bestialischen Mordserie. Ganze Familien werden blutig-brutal in ihren Häusern ermordet. Die Täter - meist selbst in prekärer Lage - erzählen von einem nervenaufreibenden Summen und einer Stimme, die sie zu den Bluttaten getrieben hat. Sind sie besessen? Oder liegt es an der Stadt, die sich wie ein Tor zur Hölle verhält. 
„Der Aufbruch“ ist der dritte Teil von Carsten Strouds Niceville-Trilogie, die sich durch einen rasanten Genre-Mix, blutrünstige Gewalt und rabenschwarzen Humor auszeichnet. 

Die Zentrale des Geschehens ist die Kleinstadt Niceville, die im Süden der USA liegt. Obwohl sie auf den ersten Blick für die typische Südstaaten-Idylle steht, merkt man rasch, dass in Niceville Grauenhaftes geschieht.

Der dritte Band beginnt einige Monate nach dem Mittelteil. Obwohl ich befürchtet hatte, die komplexen Zusammenhänge und Ereignisse aus den vorherigen Teilen vergessen zu haben, konnte ich mich dank Strouds versiertem Einstieg sofort wie gewohnt in der Stadt bewegen. Denn die bisherigen Ereignisse und aktuelles Geschehen greifen geschickt ineinander. Die Geschichte wird gleichzeitig vorangetrieben, während die Ursachen und die Vergangenheit thematisiert werden. Auf diese Weise hat man weder das Gefühl auf der Stelle zu stehen, noch ein wichtiges Detail versäumt zu haben. 

Und es beginnt heftig und brutal! Die Leichen einer ganzen Familie werden grauenhaft zugerichtet in ihrem Haus entdeckt, während sich der Mörder in einer ebenso grausamen Situation befindet. Man riecht das Blut, man spürt die Angst, und sieht, wie die Cops mit ihrem Mageninhalt ringen. Gleichzeitig kommt eine mysteriöse Komponente hinzu, die für Gänsehaut sorgt. 

Wie gewohnt sind die Figuren vielschichtig und facettenreich. Bemerkenswert ist Nick, der aufgrund seiner privaten Situation und beruflichen Position mitten im Geschehen ist. Als Polizist schlägt er sich mit den blutigen Ereignissen in der Stadt herum. Familiär blickt er hinter die Kulissen, weil er sich sicher ist, dass der Junge Rainey Teague seine Finger im Spiel hat. 

Rainey Teague lebt bei Nick und seiner Frau Kate. Er hält den Leser seit Beginn der Geschichte auf Trab. Während er im ersten Teil in einem verschlossenen Grab lebend geborgen wurde - was dem Anfang der Ereignisse in Niceville entspricht - hat er sich im Mittelteil als übler Bursche erwiesen, dem nicht zu trauen ist. Trotz aller Bedenken ist er nur ein Kind, das wohl von Natur aus nicht böse ist?

Dreiviertel der Handlung sind gewohnt spektakulär, aufreibend und mysteriös. Es gibt etliche Ereignisse, die unerwartet, manchmal bizarr, meistens blutrünstig und furchteinflößend sind. Hier habe ich mich in Niceville besonders wohlgefühlt, ich konnte es kaum abwarten, dem Geschehen auf den Grund zu gehen und gemeinsam mit den Figuren dem Grauen ein Ende zu bereiten. 

Absoluter Wendepunkt ist meiner Meinung nach eine Schießerei im Western-Style, die das Finale einläutet. Daraufhin laufen die Fäden zusammen, es wird ruhiger und ich hatte mir das Ende, ehrlich gesagt, aufregender vorgestellt.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt die Niceville-Trilogie ein begnadeter Genre-Mix im unvergleichbaren Stil. Wenn aus einer Schauergeschichte ein Thriller wird, und ein Krimi zum Horror-Event mutiert - geschrieben im meisterhaften Stil - dann muss es wohl (in) Niceville sein. 

Hier sind Männer wahre Cowboys, die Ladys haben es faustdick hinter den Ohren und das Grauen aus Urzeiten blitzt aus Häuserecken hervor. Empfehlenswert!

„Uncle Moochie liebte Geschichten über Horror und übernatürliche Ereignisse. Sie bildeten eine willkommene Abwechslung zum todlangweiligen Alltag in Niceville.“ (S. 286)

________________MEINE BEWERTUNGDie Niceville-Trilogie:1) Niceville [Rezension lesen]2) Die Rückkehr [Rezension lesen]
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