Rezension: Das vergessene Mädchen von Wolfgang Burger

Rezension: Das vergessene Mädchen von Wolfgang Burger
Lea Lasalle hat es faustdick hinter den Ohren. Bei einer Klassenfahrt nach Strasbourg verschwindet die Teenagerin unbemerkt. Die beunruhigte Klassenlehrerin schlägt Alarm bei Kriminalhauptkommissar Alexander Gerlach. Leas stets betrunkener Vater glaubt an eine der üblichen Eskapaden seiner Tochter. Doch dann verschwindet auch noch Leas glückloser Verehrer. Wurde das Mädchen von dem gesuchten Frauenmörder verschleppt, der im Elsass sein Unwesen treibt? Obwohl sich der Kripochef um die Kellerbande kümmern soll, ermittelt er inoffiziell und stößt bald auf eine heiße Spur: Der politische Emporkömmling Gröwer hatte Kontakt mit der Ausreißerin. Doch dann gibt es noch weitere Spuren...
Die Stilsicherheit von Wolfgang Burger ist bemerkenswert. Alexander Gerlach wird mal wieder als galanter Frauenversteher vorgestellt. Er verwöhnt seine Geliebte mit einem traumhaften Kurzurlaub und einer Shopping-Tour in Strasbourg. Auch seine Zwillingstöchter dürfen sich eigentlich nicht beklagen. Sie haben wieder mal Geburtstag und werden reich beschenkt. Der Leser darf den beiden beim Älterwerden zusehen, wunderbar.
Die vielen Spuren führen fast alle in die Irre, bis auf natürlich diese eine letzte, die hier nicht verraten werden soll. Die Spannung bleibt somit immer erhalten, auch wenn so manches den Leser doch noch interessieren würde. Ist der Anlageberater Schiller nun einer der Guten oder wollte er doch nur Leute über den Tisch ziehen? Sein vertrautes Polizeipersonal kennt Wolfgang Burger natürlich am besten. So lernen wir diesmal sogar Rübe Runkel besser kennen, den beamteten Pechvogel der Abteilung. Hier wird die Beziehung zwischen Chef und Untergebenem ins Spiel gebracht. Ein sensibles Thema, das Wolfgang Burger gekonnt behandelt.
Alles in allem wieder ein großer Wurf, dieser neunte Krimi mit Alexander Gerlach. Ein paar Fragen bleiben offen: Was wird aus Rübe Runkel? Was bekommen die Zwillinge nächstes Jahr zum Geburtstag und hat der Herr Kriminalhauptkommissar vielleicht doch ein kleines Geheimnis? Am Ende haben wir gelernt: Das Blut muss nicht aus allen Seiten heraustriefen, damit ein Krimi spannend erzählt wird, vielmehr ist es das geistreiche Lenken der Figuren - und so soll es ja auch sein.
Text: Anette Butzmann
Piper Verlag München, April 2013, 320 Seiten, € 12,99, ISBN: 9783492272599


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