[REZENSION] "Das Richterspiel"

Von Buechersuechtig
Cover
Die Autorin

Sabine Kornbichler, 1957 in Wiesbaden geboren, wuchs an der Nordsee auf. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Hamburg arbeitete sie mehrere Jahre als Beraterin in einer Frankfurter PR-Agentur. Sabine Kornbichler ist verheiratet und lebt und arbeitet heute als Autorin in München. Gleich ihr erster Roman, "Klaras Haus", war ein großer Erfolg, dem viele weitere folgten. Mehr über die Autorin unter: http://www.sabine-kornbichler.de/
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Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Knaur TB (4. April 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426633035
ISBN-13: 978-3426633038
Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,4 x 2,6 cm
Leseprobe
Quelle: droemer-knaur.de  *das müsst ihr lesen*
Die Geschichte...
Den Silvesterabend hatte sich Marlene eigentlich anders vorgestellt... Auf einer Silvesterparty lernt sie Max, einen Freund ihres Bruders, kennen, der sie in das Haus ihrer Lieblingskundin begleitet. Denn Marlene führt einen Seniorenservice und kümmert sich um die Katze von Heidrun Momberg, die wegen eines Unfalls im Krankenhaus liegt und Marlene sehr vertraut. Marlene und Max kommen sich im Wohnzimmer von Frau Momberg näher und entdecken dabei hinter dem Sofa eine Frauenleiche... Es stellt sich heraus, dass die Tote eine der vier Adoptivtöchter ist. Doch weshalb wurde Dagmar Momberg ermordet? Kurz darauf wird die Seniorenbetreuerin von Herrn Claussen engagiert, der nicht in ihr übliches Kundenschema passt - denn Arnold Claussen ist erst um die 50 und blind. Der Ex-Kripobeamte möchte Marlenes Hilfe bei seinen inoffiziellen Nachforschungen, die er im Fall der ermordeten Kindergärtnerin anstellt. Und so gerät die 35-jährige unfreiwillig in diesen Fall und kann kaum glauben, was sie nach und nach herausfinden...  **ACHTUNG SPOILER** Die tote Dagmar Momberg war nämlich die Betreuerin des kleinen Leon, der seit Tagen spurlos verschwunden ist und der anscheinend zu Hause misshandelt wurde... Hängen die beiden Fälle zusammen?  **SPOILER ENDE**
Meine Meinung:
Nachdem mir schon "Die Todesbotschaft" so gut gefallen hat, musste ein weiteres Buch von Sabine Kornbichler her und die Wahl ist auf  "Das Richterspiel" gefallen. Buchcover und Titel passen zur Geschichte, was nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist. Als Schauplatz hat die Autorin Berlin gewählt. Die Geschichte beginnt am 31. Dezember und endet schätzungsweise 2, 3 Wochen später.
Marlene Degner wohnt in Berlin und betreibt seit dem Tod ihres Vaters, den sie jahrelang gepflegt hat, einen Seniorenservice. Sie kümmert sich um alte Menschen, die Hilfe beim Rasenmähen, Autofahren oder beim Einkaufen benötigen, sie kommt zum Vorlesen oder einfach nur zum Plaudern - alles, was ihre Auftraggeber wünschen. Die 35-jährige Marlene hat nur mehr ihren Bruder Fabian, da ihre Mutter bei Marlenes Geburt starb und der Vater kürzlich das Zeitliche gesegnet hat. Da der Seniorenservice noch nicht so gut läuft, unterstützt sie ihr 39-jähriger Bruder finanziell. Deshalb stimmt sie zu, Fabian auf eine Silvesterparty zu begleiten, um dort zahlungskräftige Klienten zu finden. Dort lernt sie Dr. Max Viereck, einen smarten Kinderarzt kennen, zu dem sie sich gleich hingezogen fühlt. Und kurz darauf tritt dann auch noch der ungehobelte Arnold Claussen in Marlenes Leben und fordert ungewöhnliche Hilfe. Da Marlene aber jeden Euro gut gebrauchen kann, nimmt sie den Auftrag des 53-jährigen blinden Ex-Polizisten an und wird dadurch mehr in den Fall der toten Dagmar Momberg verwickelt als ihr lieb ist...
Marlene steht mit beiden Beinen fest im Leben und ist um jeden Auftrag froh. Die Selbstständige ist über jeden Auftrag froh, da ihr Auto schon fast auseinanderfällt und sie sogar an den Heizkosten in ihrer Wohnung spart. Es ist schön, einer Hauptperson zu begegnen, die alles andere als perfekt ist und sich mit ganz alltäglichen Problemen herumschlagen muss. Die Protagonisten sind interessante Persönlichkeiten, die facettenreich dargestellt und mit liebenswerten Macken versehen wurden. Die mitwirkenden Charaktere überzeugen mich vollkommen und agieren durchwegs authentisch.
Nach einer kurzen Vorstellung der Charaktere bzw. ihrer Umgebung nimmt die Geschichte rasch an Fahrt zu, hält durchgehend die Spannung und gipfelt schließlich in einem rasanten Showdown. Geschickt lockt Sabine Kornbichler ihre Leser auf eine Reise voller raffinierter Irrwege, falscher Fährten und höchst überraschender Wendungen, wobei einen die Story von "Das Richterspiel" vollkommen in seinen Bann zieht und nicht mehr so schnell los lässt.
Ich-Erzählerin Marlene schildert die Geschehnisse sehr eindrucksvoll und überzeugend und gewährt uns einen tiefen Einblick in ihre Gedanken & Gefühle. Wie schon erwähnt, wirken die Charaktere glaubwürdig, so dass man nimmt ihnen die Handlungen und Taten abnimmt. In diesem Kriminalroman, der schon in Richtung Psychothriller geht, werden auch solche Themen wie Familie, Pflegekinder, Erziehungsmethoden und alte Schuld angesprochen - was zum Nachdenken anregt.
Neben einer fabelhaften Grundidee, die mit ausgezeichneter Recherchearbeit und logischen Handlungssträngen abgerundet wurde, begeistert "Das Richterspiel" mit leisen Tönen und psychologischen Raffinessen. Dieser "Psychokrimi", der ohne viel Blut & Leichen auskommt, lässt sich dank des fesselnden Schreibstils und der unterhaltsamen Dialoge wunderbar flüssig lesen.
FAZIT:Wer gern hervorragend ausgeklügelte Krimis liest, die mit einer reizvollen Hauptperson, einem atmosphärisch dichten Plot voller Überraschungen sowie einer packenden Schreibweise ausgestattet sind, wird "Das Richterspiel" lieben. Nachdem mich dieses Werk wirklich wunderbar unterhalten hat, vergebe ich gern 5 (von 5) Punkte und freue mich auf weitere Bücher von Sabine Kornbichler.


ZITAT Seite 268:"Menschenkenntnis ist meiner Meinung nach eine Illusion. Das ist wie mit trüben Gewässern - Sie können noch so oft in eins hineingesprungen sein und wissen trotzdem nicht, was sich unter der Oberfläche des nächsten befindet." (Marlene)