Rezension: Das böse Buch - Kai Erik

Rezension: Das böse Buch - Kai Erik

© Lübbe

Das böse Buch| Kai Erik |

Verlag: Lübbe 2017

Seiten: 384 ISBN: 9783404175482

MEINE BEWERTUNG 

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Depressiver Finnland-RomanDie Gedichte von Leander Granlund ziehen tückische Kreise. Als böses Buch verschrieen treiben sie ihre Leser in eine tiefe Depression, die im Selbstmord endet. Handelt es sich dabei um ein boshaftes Gerücht oder gar eine heimliche Legende? Oder haftet den garstigen Zeilen des Dichters tatsächlich das Böse an?
Die Gestaltung von Cover und Titel hat mich an einen Thriller denken lassen. Allerdings handelt es sich eher um einen Gegenwartsroman, der die depressive Grundstimmung an Finnlands Universitäten in den Vordergrund stellt. Das düstere Werk verströmt von Anfang an eine deprimierende Aura, die dem titelgebenden bösen Buch beinah den Rang abläuft. Außerdem wird das Buch auch unter dem Titel "Das erste Geheimnis" verlegt.

Schauplatz ist die Universität in der finnischen Stadt Åbo. Literaturprofessor Mickel Backman wird während eines Seminars mit schrecklichen Sequenzen seiner Vergangenheit konfrontiert. Ein Student fragt nach Leander Granlunds dichterischem Werk - und Backman läuft der Angstschweiß den Rücken hinab. Aus dieser Situation heraus begibt sich der Professor in schmerzhafte Erinnerungen zurück, die sich bis in die graue Gegenwart erstrecken. Sein Leben, die Ehe und seine Berufung entgleiten ihm zusehends. 

Als studentischer Gegenpart fungiert der Student Calle Hollender, der sich in eine scheinbar ausweglose Situation manövriert. Das Studiengeld wird ihm gestrichen, weil er keine Erfolge nachweist. Seine Beziehung geht in die Brüche und sein Wesen wird von ertränkender Lethargie überschwemmt, wodurch er kaum zur Verbesserung der Situation beiträgt.

Der Rahmen ist die Hoffnungslosigkeit der Universität, die mit ihrem Versprechen ungeahnten theoretische Möglichkeiten bietet und gleichzeitig die Türen zu pragmatischeren Lebensentwürfen zuschlägt. Dabei spielt eine enorm depressive Atmosphäre hinein. Die Figuren werden gebeutelt, das Pech prostet ihnen mit kaltem Kaffee zu, und es zeigt sich kein Ausweg aus der Misere der Gewöhnlichkeit. 

Damit stellt der Autor eindeutig Depression, Hoffnungslosigkeit und den aufgegebenen Kampf um eine rosige Zukunft in den Mittelpunkt. Ich frage mich, woher diese pessimistische, traurige Einstellung mit ihrem grauen Tonfall kommt, und warum Kai Erik einen derart niederschmetternden Roman geschrieben hat. 

Der Schreibstil ist angenehm und souverän. Die Ereignisse verlaufen gleichförmig vor sich hin. Dabei bleibt der Spannungsbogen - bis auf wenige emotionale Spitzen, die in der Gefühllosigkeit der Depression ertrinken - niedrig, und die Zielsetzung der Handlung wird dem Leser vorenthalten. 

Der Part um das genannte böse Buch ist nebensächlich, weil sich der Autor vollends auf die deprimierende Atmosphäre im Leben der Figuren konzentriert. Er vermittelt ein graues Bild Finnlands, tristen Alltag und Hoffnungslosigkeit, die sich einer traurigen Lethargie ergibt. 

Obwohl dieser Roman weniger meinen Geschmack trifft, war er doch interessant zu lesen. Die Stimmung an der Universität hat der Autor gekonnt umgesetzt. Die Legende um das böse Buch hätte meiner Meinung nach mehr Raum verdient, weil damit eine ausgeprägtere Handlung einhergegangen wäre. Der Autor scheint auf die depressive Stimmung zu setzen, die tatsächlich von jeder Seite seines Werks ausströmt.

Im Endeffekt ist „Das böse Buch“ ein depressiver Finnland-Roman, der die deprimierenden Zustände an der Universität thematisiert, und Professor wie Studierende zu Wort kommen lässt. Ich denke, dass dieses Werk nur bedingt zu empfehlen, dennoch interessant zu lesen ist.

________________MEINE BEWERTUNG

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