{Rezension} Babylon von Yasmina Reza

{Rezension} Babylon von Yasmina Reza

Titel: Babylon
Originaltitel: Babylone
Autorin: Yasmina Reza
Übersetzer: Frank Heibert, Hinrich Schmidt-Henkel
Genre: Sonstige Belletristik
Verlag: Carl Hanser Verlag
ISBN-13: 978-3446256514
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 224 Seiten
Preis: 22,00 €
Erschienen: Juli 2017

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Beschreibung

Elisabeth gibt zum ersten Mal in ihrem Leben eine Party. Es fehlt ihr daher nicht nur an Gläsern sondern auch an Stühlen. Wieso diese also nicht von den Nachbarn, Jean-Lino und Lydie, einen Stock höher ausleihen? Selbstverständlich werden diese dann auch zur Party eingeladen. Trotz der ganzen Aufregung läuft die Frühlingsfeier ganz gut, bis es durch ein Bio-Hühnchen zu Spannungen zwischen Jean-Lino und Lydie kommt.

Alle Gäste sind aufgebrochen, Elisabeth und ihr Mann Pierre zu Bett gegangen – es klingelt an der Wohnungstür. Völlig aufgelöst steht Jean-Lino da und berichtet, dass er seine Frau erwürgt hat. Um sich von dem Unglaublichen zu überzeugen, gehen Elisabeth und Pierre in die Wohnung über ihnen. Jean-Lino bittet Elisabeth um Hilfe.

Meine Meinung

Die französische Schriftstellerin Yasmina Reza ist nich nur durch ihre Romane, sondern auch durch ihre erfolgreichen Theaterstücke wie z. B. „Der Gott des Gemetzels“ bekannt. Laut ersten Rezensionen hält sich Yasmina Reza auch in ihrem neuen Roman „Babylon“ an ihrem altbekannten Erfolgsrezept fest. Bisher ist mir nur die Filmversion von „Der Gott des Gemetzels“ bekannt, ihre Bücher habe ich bisher nicht gelesen – daher kann ich dazu keine Aussage treffen.

Alles ist ungewiss. Das ist eine Grundkonstante des Daseins.

Seite 20 (epub Version)

Die Autorin führt den Leser gekonnt in eine völlig alltägliche Lebenssituation mit authentischen Charakteren. Elisabeth lebt mit ihrem Mann Pierre im 17. Arrondissement in Deuil-l’Alouette und ist als Gastgeberin ihrer ersten Frühlingsparty ziemlich aufgeregt. Die Feier verläuft in ganz normalen Bahnen, es wird geplaudert, getrunken und gespeist – bis ihr Nachbar Jean-Lino zur Erheiterung der Gesellschaft eine Anekdote über Bio-Hühnchen beisteuert. Die Situation eskaliert. Das ganze Ausmaß der aus dem Ruder gelaufenen Situation wird jedoch erst später klar, als Jean-Lino beichtet seine Frau erwürgt zu haben.

Die Spannung des Romans ergibt sich hierbei nicht aus der Tat oder Auflösung des Tathergangs, sondern aus der urkomischen Alltagssituation die einen sogartig erfasst. Mit einem Augenzwinkern zeigt Yasmina Reza neben der alltäglichen Belanglosikeit menschliche Abgründe auf und spinnt ein einzigartiges Beziehungsnetz.

Rezas pointierte Dialoge verleihen dem Werk eine lebhafte Atmosphäre, die einem Theatererlebnis gleicht. In „Babylon“ wird klar, wie dünn die Schicht zwischen beherrschter Bourgeoisie und den wahren Tiefen der Menschlichkeit ist. Schon der kleinste Riss löst Chaos aus – genau so eine Situation hat Yasmina Reza in Perfektion zu Papier gebracht. Das Schönste an der Geschichte – man kann sich wunderbar in Plot und Protagonisten hineinversetzen da sie so alltäglich und unaufgeregt daher kommen. Ein jeder könnte dies erleben und sich selbst von der tragischen Dramatik dieser ungewollt komischen Szenerie überzeugen.

Die Sprache drückt nichts anderes aus als die Unfähigkeit, sich mitzuteilen.

Seite 63 (epub Version)

Fazit

Ein unterhaltsamer Roman über Menschen, menschliche Abgründe und deren Beziehungen.

4 out of 5 stars

Über die Autorin

Yasmina Reza, 1957 geboren, ist Schriftstellerin, Regisseurin und Schauspielerin und die meistgespielte zeitgenössische Theaterautorin. Bei Hanser erschienen Eine Verzweiflung (Roman, 2001), Adam Haberberg (Roman, 2005), Im Schlitten Arthur Schopenhauers (Ein Theaterstück, 2006), Frühmorgens, abends oder nachts (2008) über Nicolas Sarkozy, Nirgendwo (2012) und zuletzt Glücklich die Glücklichen (Roman, 2014). Im Jahr 2011 wurde ihr Theaterstück Der Gott des Gemetzels sehr erfolgreich von Roman Polanski verfilmt, hochkarätig besetzt mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly. Bei Hanser erscheint im Sommer 2017 Yasmina Rezas Roman Babylon, ausgezeichnet mit dem Prix Renaudot 2016. (Quelle: Carl Hanser Verlag)


Weitere Rezensionen

Die Dialoge sind sowohl tragisch als auch in ihrer Alltäglichkeit unverhofft witzig.

Buchperlenblog

Ein Biohuhn, das die Fassade taktvoller Affektbeherrschung kollabieren lässt: Yasmina Rezas neuer Roman „Babylon“.

ZEIT Online, Ijoma Mangold

Niemand betreibt die perfiden Katz-und-Maus-Spiele mit ihren Geschöpfen so lustvoll wie Reza; Wort- und Gefühlsscharaden, an deren Enden die philosophische Erkenntnis steht, dass das Leben nicht etwa „erhaben“ ist – sondern „lächerlich, so lächerlich wie die Bananenschale, auf der man ausrutscht.“

SPIEGEL Online, Peter Henning

Immer nur an der Eskalationsschraube zu drehen ist ihr wohl zu fad geworden. Statt auf Pointe ist „Babylon“ auf Bilder geschrieben.

FAZ, Simon Strauss

Yasmina Reza hat mehr Gespür für Dramatik unter dem kleinen Fingernagel als manche andere Autoren Seiten und Bände lang.

NDR, Annemarie Stoltenberg


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