|Rezension| Ami Polonsky - Und mittendrin ich

Von Maren Appeldorn @Marenliest


Wenn du dir etwas wünschst, das du noch nie hattest, musst du etwas tun, das du noch nie getan hast ... Was wäre, wenn ... dein Äußeres das genaue Gegenteil deines Inneren wäre? Was, wenn du deine Sehnsucht einfach nicht mehr länger geheim halten könntest? Würdest du dann den Mut haben, du selbst zu sein? Bisher hat sich der 12-jährige Grayson in der Schule unsichtbar gemacht und zu Hause in seinen eigenen wunderschönen Träumen verloren. Doch nach und nach flattert Graysons wahres Selbst immer stärker in seiner Brust. Als eine unerwartete Freundschaft und ein verständnisvoller Lehrer Grayson ermutigen, ins Rampenlicht zu treten, findet Grayson endlich einen Weg, ihre Flügel auch im wahren Leben zu entfalten. (Random House)

Ein unglaublich fesselndes und Wie muss sich ein Mensch fühlen, der sein „Wahres Ich" nicht ausleben kann? In „Und mittendrin ich" lernen wir den 12-jährigen Schüler Grayson kennen. Der liebe Grayson interessantes Thema: Geschlechtsidentität, Geschlechterrollen, Transsexualität, Transvestitismus sowie die Toleranz und Intoleranz der Gesellschaft. Ich habe ein aufwühlendes Thema erwartet, aber nicht mit dieser wundervollen, ergreifenden und berührenden Jugendbuchgeschichte gerechnet, die definitiv unter die Haut geht. Wir als Leser erhalten über 280 Seiten lang einen Einblick in Graysons unverfälschtes und äußerst authentisches Leben und erleben mit ihm zusammen alle emotionalen Aufs und Abs, von denen ich persönlich zutiefst gerührt war. Neben der Fokussierung des Hauptprotagonisten lernen wir das Umfeld näher kennen - seinen Lehrer, die Mitschüler, seine neue Freundin, die Erziehungsberichtigten und seine „Geschwister". Dabei ist es sehr interessant zu erfahren, wer Grayson auf seinem Weg unterstützt und wer Steine in den Weg legen möchte. Für mich als Leserin, die ausreichend aufgeklärt wurde und tolerant ist, hat das Lesen viel Spaß gemacht, da ich die Message des Buches verstanden habe und großartig finde. Daher ist "Und mitten drin ich" insofern eine wertvolle Geschichte, weil sie in ein einem Jugendbuch sensibel verpackt und für wirklich jedes Alter zugänglich gemacht wurde. Ich kann es jedem nur ans Herz legen, der eine Geschichte lesen möchte, die lehrreich sowie gesellschaftlich wertvoll ist und für kurze Zeit in eine andere "betroffene" Haut schlüpfen möchte. scheint auf den ersten Blick ein ganz normaler Junge zu sein, aber sein Innenleben ist aufgewühlt, verwirrt, einsam und traurig - selbst Grayson merkt, dass er sich anders als andere Kinder in seinem Alter verhält: Er meidet Menschen und zieht sich während der Pausen in der Schulbibliothek zurück; er ist über alle Maßen schüchtern und ruhig; aber vor allem schaut er morgens in den Spiegel und wünscht sich aus tiefstem Herzen lange Haare, einen farbenfrohen, welligen Rock und Spangen in den Haaren zu tragen. Doch den Mut zu finden, sich so zu zeigen, wie er sich sieht, hat der liebe Grayson nicht... Doch dann kommt eine neue liebenswerte Mitschülerin in die Klasse und freundet sich mit ihm an; ein engagierter Lehrer stellt ihn auf die Probe; seine Familie wird langsam aufmerksamer und Grayson sieht vielleicht eine Chance, dass seine Träume nicht nur Träume bleiben werden!

"Tut mir leid", erwidert sie. "Es ist nur...Grayson, ich mache mir Sorgen um dich.

Wieso willst du dich auf etwas einlassen, dass dir nichts als Spott einbringen wird? Kinder können sehr grausam sein, besonders in deinem Alter." - S. 136

Der
Schreibstil von Ami Polonsky ist flüssig, unkompliziert und angenehm zu lesen - bzw. wird es äußerst unangenehm, wenn wir die Intoleranz der Gesellschaft zu spüren bekommen. Wir erleben die Geschichte aus Graysons Sicht (Ich-Perspektive) und lernen insbesondere sein aufgeführtes Innenleben - Wünsche, Sehnsüchte und Träume - auf einer sehr persönlichen Art und Weise kennen. Als Leser, der mit Grayson sowohl Erfolge feiert und Niederlagen einsteckt, wird man diesen unglaublich tollen jungen Menschen schnell ins Herz schließen! Plötzlich Gewalt und Empörung von anderen Menschen im Umfeld zu erhalten - ob verbal beleidigend, provozierend oder sogar körperlich - hat mich zutiefst schockiert und sehr mitgerissen. Ihr merkt, das Buch hat mich durch und durch in den Bann gezogen und durch den emotionalen und etwas kindlichen Stil durch Graysons Sicht, hat es sich wirklich so angefühlt, als wäre man Graysons unsichtbarer Begleiter, der ihm auf die Schulter klopft und ihm zu seinem „Ziel" führt. Großartig! Bitte mehr davon!