Review zum Birthright Sammelband – 2. Band – Der Ruf des Abenteuers

Review zum Birthright Sammelband – 2. Band – Der Ruf des Abenteuers

Autor Joshua Williamson und Zeichner Andrei Bressan erzählen im ersten Teil ihrer Sammelbandreihe zu den Birthright-Comics die Geschichte eines auserwählten Kriegers, eines Helden, von einer Prophezeiung dazu auserkoren Welten zu retten. Alles schön dick eingepackt in ein Fantasysetting. Klingt erst einmal abgedroschen, doch das Lesen lohnt sich, denn die Geschichte besitzt weit mehr Tiefe als es den Anschein zu haben mag. Williamsons erzählt eine glaubhafte, weit verzweigte Geschichte voller menschlicher Abgründe, Hoffnungen und Emotionen.

Als Mikey, vor einem Jahr als kleiner Junge verschwunden, nun um Jahrzehnte gealtert, als muskelbepackter Krieger aus der magischen Welt Terrenos zurückgekehrt, wandert er direkt ins Gefängnis. Doch dafür hat er keine Zeit. Terrenos hat er schon gerettet, jetzt muss er die letzten Abtrünnigen auf der Erde jagen. Angeblich. Mit Hilfe seines Bruders Brennan und seines Vaters Aaron flieht er aus dem Polizeigewahrsam. Aaron versucht seinen Schuldgefühlen, als Vater versagt zu haben, zu entkommen, indem er Mikey uneingeschränkt zur Seite steht. Ebenso Brennan, der mit der Naivität eines Kindes allen Geschichten und Erklärungen seines Bruders glaubt. Doch mit Mikey stimmt etwas nicht, er scheint ungewöhnlich brutal, seine Beteuerungen sind lückenhaft. Der Leser weiß, ein Nimmersinn hat ihn korrumpiert. Das Trio spürt, von Mikeys Mission geleitet, einen der vermeintlich geflohenen Kriegsverbrecher auf und bringt diesen zur Strecke. Vater Aaron bleibt verletzt zurück, während Mikey und Brennan sich allein auf die Suche nach Samael begeben.

Band zwei knüpft genau da an wo Band eins aufgehört hat, denn Band eins der Birthright-Reihe lässt uns mit einigen offenen Handlungssträngen zurück. Das Trio Brennan, Mikey und Aaron ist gezwungen sich aufzulösen, Aaron gerät erneut in Polizeigewahrsam, trifft jedoch Wendy wieder. Die unbekannte, schwangere Gideonin, die ihren Auftritt am Ende des Sammelbandes hat, wird gekonnt in die Story integriert. Obwohl, oder gerade weil die Story ihren roten Faden nicht verliert, (Mikey jagt immer noch verdächtig obsessiv die Kriminellen, die aus Terrenos auf die Erde flüchten konnten) bleibt die Geschichte spannend. Beispielsweise durch das Auftreten von neuen Charakteren, oder weiteren Enthüllungen zu den Protagonisten. Zudem gelingt es Williamson wieder auf beeindruckende Weise verschiedene Handlungsstränge parallel laufen zu lassen. Diese fangen an sich zu vermischen, zu überschneiden und sich wieder zu lösen. Es entwickelt sich ein großes Ganzes, das irgendwie miteinander verbunden zu sein scheint. Williamson behält seine Linie also bei, versteht sich aber darauf die Handlung weiter spannend zu gestalten. Dem Leser werden weiterhin Informationen zuteil die den Protagonisten fehlen, was zur Spannung beiträgt. Über die Beweggründe von Mikey und den sich andeutenden, gegenüberstehenden Fraktionen erfährt man jedoch weiterhin nur wenig. Doch langsam und stetig kommt Licht ins Dunkel von Mikeys Vergangenheit.

Review zum Birthright Sammelband – 2. Band – Der Ruf des Abenteuers

Brennan und Mikey versuchen die Klingen von Samael zu finden, eines seiner Mitbringsel aus Terrenos, von denen sich die beiden weitere Hinweise auf dessen Aufenthaltsort erhoffen. Noch wissen die beiden jedoch nicht, dass jemand einen äußerst mächtigen Verfolger aus Terrenos auf sie angesetzt hat. Ein Kampf scheint unausweichlich. Aaron hingegen wird, aufgrund seiner schweren Brandverletzungen, zurücklassen und die Polizei, in Begleitung von Wendy, greift ihn auf. Diese versucht indes, mithilfe von Mikeys Tagebucheinträgen aus seiner Zeit auf Terrenos, Anhaltspunkte über den Verbleib ihrer Söhne zu finden. Hierbei erhält sie unerwartete Hilfe.

Die Ausarbeitung der Charaktere und Ihrer Hintergründe bleibt weiterhin eine der Stärken von Birthright. Die Charaktere bleiben realistisch, ihr Handeln ist nachvollziehbar. Brennan befindet sich immer noch in einem moralischen Dilemma, will er doch seinem gerade zurückgekehrten Bruder glauben. Aber die Taten Mikeys lassen ihn immer weiter an dessen Glaubhaftigkeit zweifeln. Williamson schafft es Empathie mit den verschiedenen Charakteren herzustellen, denn auch man selbst wird nicht ganz schlau aus Mikey. Auch die anderen Schicksale ziehen einen in ihren Bann. Wendy fängt, nach begründeter Skepsis, nun doch an Mikeys Geschichte Glauben zu schenken und stellt eigene Nachforschungen an. Aaron, von Schuldgefühlen geplagt, steht seinen Söhnen immer wieder aufopferungsvoll zur Seite. Die Charakterzüge der einzelnen Charaktere werden im zweiten Band noch stärker herausgearbeitet. Mikey scheint von einem Pragmatismus geleitet, den er sich in der Lebensfeindlichen Umgebung von Terrenos angeeignet hat. Seine Kaltblütigkeit wird so nicht zwangsweise zu einem Indikator für eine bösartige Gesinnung. Brennan scheint an der Situation zu wachsen und hinterfragt mehr und mehr die Handlungen seines Bruders. Zudem deutet vieles darauf hin, dass er selbst eines Tages zum Schwert greifen muss. Wendy, die nun beide Söhne verloren hat versucht auf ihre Weise damit klar zu kommen. Aaron reflektiert im Gewahrsam sein Verhalten, stellt seine Fähigkeiten als Vater in Frage und zieht Parallelen zu seiner eigenen Kindheit. Alle Charaktere haben ihre Probleme und Geheimnisse, was diese jedoch nur menschlicher, vielleicht sogar sympathischer erscheinen lässt.

Auch die Illustrationen im zweiten Sammelband von Zeichner Andrei Bressan tragen wieder einmal zur Stimmung des Comics bei. Die Farbwahl ist auf anschauliche Weise der Szenerie und der Stimmung angepasst. Mehrere Seiten, die einem Eindringling aus Terrenos gewidmet sind, werden zum Beispiel in einer ganz anderen Farbwahl gestaltet als der Rest des Comics. Hingegen werden die Wanderungen durch die Wildnis farbenfroh und detailgetreu dargestellt. So gibt es teilweise zwar sehr harte Übergänge zwischen den einzelnen Panels, dies trägt aber nur zum Verständnis bei, da diese einen Szenen- oder Stimmungswechsel unterstützten. Größere Illustrationen, oder Illustrationen, die weiter in die Ferne blicken lassen, wirken leider, wie schon im ersten Sammelband verschwommen, beziehungsweise weniger detailliert gezeichnet.

Wie bereits erwähnt bleibt sich Williamson auch bei seinem Schreibstil treu, er forciert weiter das Element der parallelen Handlungsstränge. Diese fangen an sich zu überschneiden, oder ineinander überzugehen erzeugen so ein tiefes, fesselndes Leseerlebnis. Die Rückblenden, welche Aufschluss über Mikeys Aufwachsen und den Sieg über Gottkönig Lore geben, sind erneut fließend in die Handlung eingewoben. Hier als Teil eines Tagebucheintrags, da als Albtraum Mikeys. Alltägliche Situationen, wie das schüchterne Gespräch Brennans mit einem Mädchen, bringen, sehr vereinzelt, Witz in die Geschichte. Dialoge wirken nicht gestelzt, die Redeweise ist gut auf die Charaktere abgestimmt. Die Sprechblasen sind so gestaltet, dass man auch Dialogen gut folgen kann. Flüstern hingegen wird zum Beispiel als gestrichelte Linie dargestellt. Auch wenn sich Williamson meisterlich darauf versteht die verschiedenen Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen, kann sich der Leser wieder darauf einrichten vor einigen offenen Handlungssträngen oder Cliffhangern zu stehen.

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