Review zu Unlucky Young Men, Band 2

Der geniale Zweiteiler von Kamui Fujiwara und Eiji Otsuka findet seinen fulminanten Abschluss. Diese Erwartungen erweckte der erste Band an das nun bevorstehende Finale der Reihe. Ob diese Hoffnung auf ein gelungenes Ende nun tatsächlich realisiert wurde, beschreiben wir im Folgenden.

Als erstes ist sich der Austattung erneut zu widmen: Erneut liegt eine großformatige Klappenbroschur vor. Die Oberfläche von dieser ist mit Spotlack und hervorgehobenen Schriftzügen veredelt.

Hier findest du die offizielle Leseprobe zum ersten Band der Dilogie. Einmal weiterblättern mit dem Pfeil zur linken Seite ist nötig, um das Werk zu beginnen.

Der Abschlussband umfasst 402 Seiten, ist damit geringfügig länger als der erste Band, und kostet erneut 19,90 Euro (D). Ein Preis, der dem Nischendasein und der Aufmachung geschuldet ist - allerdings im Preis-Leistungs-Verhältnis durchaus vertretbar ist.

Die folgenden Beschreibungen beinhalten Spoiler!

Handlung

Nachdem der Raub an Millionen von Yen zunächst glückte, verloren N., T. und Kaoru das Geld an die Aktivisten der Studentenrevolte, unter denen sich auch K. befindet. In der Zeit danach ereignen sich Dramen. Die Gruppe der Unlucky Young Men wird auseinander gerissen.

N. wendet sich von Yoko ab. Diese beschließt daraufhin, ihr bisheriges Dasein abzulegen. Gleichzeitig entwickelt sich unter den Einheiten der Polizisten die Ränke, das Quartier der rebellischen Kräfte zu durchsuchen - der Raub der 300 Millionen Yen soll als Vorwand dienen.

Der Abschlussband deckt diverse Themen ab. Er bespricht den Charakter Yoko, die Kindheit von N. und ebenso den tatsächlichen Verbleib des Geldes. Dieses soll folgend für einen ganz neuen Zweck instrumentalisiert werden - einem, der weit über studentische Aufstände hinausgeht. N. erkennt seine Fehler der Vergangenheit.

Wie wird das melancholische Werk um Serienmörder N. und Filmemacher T. enden? Der Abschlussband erzählt die Geschichte zu Ende. Der Vorhang für den Film der Unlucky Young Men schließt sich. Unsere Redaktion hat wenig zu kritisieren, sie applaudiert.

Doch ziehen wir einen Punkt ab, denn die Charaktere rückten zu unausgeglichen in den Vordergrund der Erzählung. Es fehlt zu Ende partiell an Informationen - an Abschluss. Daher lautet unsere Wertung 9,0 Punkte für die Handlung.

Zeichenstil

Der rustikale Ausdruck von Kamui Fujiwara weiß erneut zu überzeugen, optisch wie stimmungstechnisch. Das schwarz-weiße Medium des Manga passt hervorragend zum Ausdruck jener Zeit, die von ganz besonderen Gefühlen der jungen Generation geprägt war.

Dem Zeichner gelingt hierbei auch jüngeren Lesern den Zeitgeist zu vermitteln. Und das obwohl er selbst zu entsprechender Zeit noch im Kindesalter war. Aufwendige Recherchen sowie Fotomaterial unterstützen seine illustratorische Arbeit allerdings enorm.

Im Vergleich zum ersten Band ist der allgemein dunklere Tenor weiter intensiviert worden. Schattierung, Strichführung und Flächendeckung - schwarz. Die Charakterdesigns wachsen mit der Handlung. Keine Einwände dahingehend.

Wir folgen unserer ersten Einschätzung und bestätigen die 10,0 Punkte erneut.

Perspektive

Obwohl die Charaktere an reale Personen erinnern, ist die Biografie zwischen den fiktionalen und nicht-fiktionalen Figuren keineswegs identisch. Autor Eiji Otsuka weist darauf hin, dass es ihm nicht möglich sei, die Gedanken jener Menschen zu rekonstruieren.

Nichtsdestotrotz fokussiert sich der Abschlussband sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Emotionen der erdachten Handelnden. Insbesondere die Geschichte um Polizistensohn Kaoru weiß zu berühren. Allerdings auch die Kindheit von N. sowie der ihm gewidmete Epilog der Geschichte.

Erneut begleiten Verse von Dichter Tokuboku Ishikawa die Handlung, leiten Kapitel ein oder bestärken die geschaffene Atmosphäre. Jene scheinen gelungen in die deutsche Sprache überführt worden zu sein - es mangelt nicht am Verständnis dieser.

Auch in dieser Kategorie attestieren wir dem Werk erneut die Höchstpunktzahl von 10,0 Punkten.

Fazit

Trotz Kritik an der Handlung gefällt die Perspektive sowie der visuelle Ausdruck beider Künstler sehr. Das Nischenwerk ist sicherlich als lesenswert zu betrachten, richtet sich allerdings an ein ausgewähltes Publikum und ist der breiten Masse tendenziell nicht zu empfehlen. Die Bereitschaft, den Zeitgeist der Epoche einzufangen, ist obligatorisch.

Besonders gefällt die beigefügte Bibliographie des Autoren, in welcher Otsuka alle verwendeten Quellen auflistet. Ebenso aufschlussreich ist dessen ausführliches Nachwort. Die deutsche Redaktion fügte zudem ein erklärendes Glossar hinzu.

Außerdem ist erneut auf den Umfang des Buches hinzuweisen: Etwa 400 Seiten als großformatige Klappenbroschur mit doppelt veredeltem Cover und Klappen. Eine Farbseite rundet das qualitative Erlebnis ab und relativiert zugleich den Preis von 19,90 Euro (D).

Abschließend bedanken wir uns bei der Redaktion von Carlsen Manga für die Bereitstellung dieses großartigen Werks, das die verdiente Aufmerksamkeit in Deutschland noch heute sucht.