Review | Zola Jesus – Taiga

Zola Jesus Taiga Cover

Dieses Album ist auf jeden Fall eines: Das Spiegelbild einer rebellische Teenagerin, die trotz aller Bemühungen doch irgendwann einmal erwachsen wird. Sie labt sich hin und wieder an der Sehnsucht nach dem Gestern und ist zugleich so sehr im Hier und Jetzt verwurzelt. Zola Jesus, die eigentlich Nika Rosa Danilova heißt, ist auf ihrem vierten Longplayer kaum wiederzuerkennen, obwohl sie im Grunde so klingt, wie sie immer klingt. „Taiga“ ist jedoch mehr als nur der Nachfolger eines Vorgängers. Es ist ein Zeugnis persönlicher und musikalischer Reife.

Die heimliche Grande Dame des düsteren Synthie-Pop mit ihrem starken Hang zur Gothic-Kluft, die in Zeiten weinerlicher Melancholie à la Lana Del Rey eigentlich viel berühmter sein müsste, macht dieses Mal vieles anders. Weg ist die gnadenlose industrielle Lo-Fi-Kälte des Debüts „The Spoils“. Hinfort die wallende, zerreißende Traurigkeit der „Stridulum“-Ära. Die Zeit der Selbstfindung ist auf ihrem Höhepunkt, Zola Jesus’ Stil soll durch steten, wohlportionierten Wandel nun die Perfektion erreichen. Sie hat erkannt, dass sie ihr jugendlicher Faible für Dunkelheit und Mystik in eine kreative Weggabelung geführt hat. Entweder man bleibt im Schatten, oder man tritt aus ihm hervor ins Licht. Zola Jesus entschied sich für Letzteres. Flugs noch Label gewechselt (von Sacred Bones zu Mute) und mit Dean Hurley zum ersten Mal einen echten Produzenten geschnappt, schon ist man im sogenannten Mainstream eingetaucht. Nicht, dass das zwangsläufig eine schlechte Wendung ist. Zumal Nika selbst einmal zugab, dass die größere Beachtung in der Öffentlichkeit durch „Taiga“ ihr erklärtes Ziel sei.

„Taiga“ vereint zahlreiche Musikstile, die man bis dato nicht unbedingt mit Zola Jesus in Verbindung brachte. Der Titeltrack und sein Drum’n’Bass-Sound mit Breakbeat-Akzenten ist ein schönes Experiment und eröffnet das Genre-Kaleidoskop angemessen. Die nächste Station der „transsibirischen Eisenbahn“ durch die borealen Nadelwälder der menschlichen Seele bildet „Dangerous Days“, die Pop-Hymne und vorab nebst Video ausgekoppelte Single. Der elektronische Beat ist ganz nett, die Hook ein Ohrwurmkandidat. Alles in allem sehr, sehr unkompliziert und professionell. „Dust“ klingt annähernd wie ein Jesus’sches Cover irgendeines Fever-Ray-Titels. Aber auch nicht schlecht. Wesentlich wilder ist anschließend „Hunger“, für das sich die Amerikanerin nach eigener Aussage gesangstechnisch an Rihanna orientierte. Mag sein, dass das stimmt, wesentlich auffälliger sind allerdings der heftige Bass-Beat und die im Refrain etwas zu penetranten Streicher-Synthies. Es folgen einige mehr oder weniger mitreißende Kompositionen, die allesamt ihre Höhepunkte besitzen. Dean Hurley’s Produktion schleifte die Titel zu einem absolut markttauglichen Endprodukt, kristallklar aufgenommen und präzise abgemischt. Einerseits ist dieser keimfreie Sound fortschrittlich, andererseits mag man ab und zu die organischere Atmosphäre der früheren Werke (etwa des ersten „Stridulum“) vermissen.

Themen wie Natur oder Abgeschiedenheit, die Beziehung vom Menschen zu seiner Umgebung und die Erwartung des Unerwarteten (analog zur paradoxerweise sehr lebendigen, obwohl lebensfeindlichen Taiga) sind sehr prominent auf diesem Album. Natürlich mangelt es nirgends an emotionaler Theatralik, das kennt man ja von der Künstlerin. Doch nicht nur das, auch die zahllosen verspielten Melodien brennen sich schneller in die Zerebralmasse, als man Nika Rosa Danilova buchstabieren kann. Ein Album, das beides ist: Melancholisch und frohen Mutes. Es entstand in fast völliger Isolation auf einer abgeschiedenen Insel im Staate Washington. Doch klingt „Taiga“ nicht etwa trist oder menschenleer, sondern vielmehr nach einem stolzen, leidenschaftlichen Individuum, das sich aus der ewigen Einsamkeit erhebt, um kraftvoll in den Mittelpunkt zu treten. Die Metamorphose der Zola Jesus.

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