Review: TRANSCENDENCE - Der Widerspruch künstlicher Wahrhaftigkeit

Review: TRANSCENDENCE - Der Widerspruch künstlicher Wahrhaftigkeit
Fakten:
Transcendence
USA. 2014. Regie: Wally Pfister.
Buch: Jack Paglen. Mit: Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Morgan Freeman, Kate Mara, Cillian Murphy, Cole Hauser, Clifton Collins Jr., Cory Hardict u.a. Länge: 120 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.
Story:
Dr. Will Caster gilt als einer der besten Wissenschaftler im Bereich der künstlichen Intelligent. Ihm gelingt es sogar kollektives Wissen sowie menschliches Emotionen in eine Maschine zu transferieren. Ein gigantischer Durchbruch, der Caster jedoch auch viele Feinde macht und so wird er Opfer eines Mordanschlags. Doch der Tod ist für Will Caster erst der Anfang, denn seine Frau überträgt seinen Geist in ein Netzwerk. Ein fataler Fehler.


Meinung:
Wally Pfister, Kamera-affiner Protegé des millionenschweren Christopher Nolan-Haushalts versucht sich erstmals als Regisseur und propagiert im Subtext, wie schon zusammen mit seinem Lehrmeister in der Doku „Side by Side“, die Vorzüge des Analogen gegenüber dem Digitalen, 35mm vs. 4K-Abtastung - hier verpackt als unaufgeregter, kalter Sci-Fi-Thriller in einem Konflikt zwischen menschlicher Emotion und binär-künstlicher Kopierung in der Nano-Technologie. Letztere besitzt durchaus beachtliche, restaurative Funktionen und bietet Pfister den malerischsten Freiraum für stimmungsvolle, technokratische Bilder - einen adäquaten Ersatz fürs Analoge, Menschliche stellt es allerdings nicht dar, wird gar zur weltbedrohenden, entmenschlichenden Gefahr.

Review: TRANSCENDENCE - Der Widerspruch künstlicher Wahrhaftigkeit

Johnny ist mies drauf. Kein Wunder bei der Frisur

Selbiges gilt leider auch für Pfisters Film an sich: trotz aller Ambitionen und theoretisch tiefsinniger Thematiken erreicht er selten eine eindringliche filmische Kraft, folgt bei deren Umsetzung zu sehr einem akademischen Ansatz und verlässt sich auf bloße Funktionalität aller maßgeblichen Faktoren, von den Motivationen der Figuren bis hin zur Genre-Auflockerung mit halbgaren Action-Futter, damit der Film jeder möglichen Zielgruppe zumindest im Ansatz gefallen kann. Das bedeutet dann aber auch, dass er für einen langatmig-philosophischen Sci-Fi-Film, welcher er gerne wäre, zu einfach gestrickt ist - was an sich nicht schlimm wäre, gäbe es wie z.B. in Nolans thematisch-verwandten „Inception“ einen antreibenden Drive, melodramatischen Pomp und pointiert-abgepasste Unterhaltungs-Buttons. Pfister hingegen kann sich stilistisch nicht aufraffen, in irgendeiner Kategorie echtes Herz, echte Leidenschaft zu beweisen oder überhaupt über das Konventionelle hinaus weiter zu denken. Seine Bilder und Ideen vom Vertrauen in artifizielle Gefühle und reproduzierte Menschlichkeit haben durchaus Potenzial und hätten mit Rebecca Hall im Zentrum, mit ihrem eigentlich bitteren, ethischen Schicksal, durchaus die Macht zur empathischen Entfaltung. Doch wenn ihr charakterliches Spektrum, wie auch jenes des Rest-Casts, schlicht flach gehalten wird, bleibt der menschliche Faktor grundlegend auf der Strecke und das filmische Ergebnis somit trocken und glatt wie seine zahlreichen Marmorwände.

Da hat Pfister einfach noch nicht begriffen, dass ein Film mehr braucht als Ideen und Optiken - ob nun komplex oder simplifiziert: lediglich die Markenzeichen des Mediums auf analogem Wege zu kopieren, ist leider kaum wahrhaftiger als es aus dem Computer zu erschaffen. Und selbst da sind Künstler wie Pixar schon weit voraus. Wobei man Pfister aber auch zusprechen muss, dass sein Schlusspunkt der digitalen Präservierung von menschlicher Liebe zumindest etwas Versöhnliches und Romantisches zu vermitteln versucht. Solange der originäre Inhalt geschützt wird (siehe auch: digitale Archivierung von 35mm), ist jede neue Technik dann doch noch für etwas gut. Aber ja nicht das Original ersetzen! Darf sich unser Wally auch gut und gerne hinter die eigenen Ohren schreiben.

3,5 von 10 Gigabytes

vom Witte