Review: Tommy Lee Jones zeigt uns in “The Homesman” die erbarmungslose Härte des Wilden Westens

Mary Bee Cuddle (Hilary Swank) mit George Briggs (Tommy Lee Jones) in

Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) mit George Briggs (Tommy Lee Jones) in “The Homesman” / alle Bilder © Universum Film

Es ist dieser Tage schwer noch einen richtig ordentlichen Western vorgesetzt zu bekommen, ohne spektakuläre CGI-Actioneinlagen auf dem Dach eines Zugs, ohne wild geschnittene Schießereien. Alles eben genauso verpackt, wie es der modern Film gerne zeigt. Aufregung, Action, Adrenalin heißen die Zutaten, die den Schauwert fürs Publikum bestimmen. Da bedarf es nun schon eines alten Haudegens namens Tommy Lee Jones, um uns den guten alten Western zurück zu bringen. In seinem Film The Homesman finden wir dementsprechend die weiten Prärielandschaften, die vor purer Ödnis nur so strotzen, Pistolenduelle und Messerstechereien, die langsam, aber hart sind. Und ganz nebenbei überrascht uns der Regisseur und Hauptdarsteller auch gleich noch mit einer Handlung, die mit Hilary Swank eine vermeintlich tapfere Frau an die Spitze setzt. Aber ganz gleich ob Mann oder Frau, am Wilden Westen verzweifeln einfach alle.

Die Story von The Homesman beruht auf dem gleichnamigen Roman von Glendon Swarthout und beginnt irgendwo in Nebraska in den 1830er Jahren. Kein Ort und keine Zeit, in der eine Frau einsam und alleine durchs Land fahren sollte, heißt es zu Beginn. Aber Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) ist eine willensstarke Dame, die unverheiratet ihrer Wege geht. Dennoch nimmt sie auf diese Warnung Rücksicht, als sie sich freiwillig meldet, drei Frauen von Nebraska nach Iowa zu begleiten, die dieser harten Welt ihren Verstand geopfert haben und in einer Kirche Obhut finden sollen. Während ein großer Teil der männlichen Dorfbewohner lediglich nett aber nicht ernst gemeinte Hilfe anbieten, holt sich Cuddy den Taugenichts George Briggs (Tommy Lee Jones) zu Hilfe.

George Briggs liefert sich ein Gefecht mit einem Ganoven

George Briggs liefert sich ein Gefecht mit einem Ganoven

Das erinnert in erster Linie an den gar nicht so lange zurück liegenden True Grit, die Neuverfilmung des John Wayne Klassikers (oder des Romans von Charles Portis) durch die Coen-Brüder, in dem Jeff Bridges als männlicher Haudegen und Ex-Marshall die kleine Hailee Steinfeld (in The Homesman in einer Gastrolle zu sehen) durch eben jenen Wilden Westen begleitet, um den Mord an ihren Vater zu rächen. Ein ebenso prächtiges Stück des modernen Westerns, der auch heute noch so gut funktionieren kann wie anno dazumal, ganz ohne zusätzliche Blockbuster-Elemente.

Tommy Lee Jones verkörpert allerdings nicht den rauen Kerl, den Grumpy Old Man, wie Jeff Bridges ihn gespielt und Jones ihn auch schon mehrmals verkörpert hat. Obwohl dieser Typ Mensch großartig auf das zerknautschte Gesicht von Jones passen würde, gibt er sich hier doch ungewöhnlich weinerlich, wenn er in Unterwäsche auf einem Pferd sitzend und mit einem Strick um den Hals von Mary Lee Cuddy aufgelesen wird. Gejammer, Gezeter, irgendwie hilflos und erbärmlich. Ein Trinker der merkwürdig skurril ums Lagerfeuer tanzt und seine Wild West-Songs anstimmt. Wenn die drei Frauen an dieser Welt verzweifelt sind und ihren Verstand eingebüßt haben, so übersteht der Mann der Geschichte diese Welt nur, weil er sie mit Alkohol zu ertragen versucht und als komischer Kauz durch das raue Land wandert.

Vielmehr ist es Hilary Swank als Cuddy, die als Grumpy Old Woman auftritt. Sie braucht keinen Mann um in dieser Welt zu überstehen, so glaubt sie jedenfalls. Der Film macht keine Anstalten Partei für ein Geschlecht zu ergreifen. Am Ende stehen beide gleichermaßen schwach gegenüber der Erbarmungslosigkeit dieser Zeit da.

Stark ist da nur Kameramann Rodrigo Prieto (The Wolf of Wall Street, Brokeback Mountain), der mit seinen weiten, leeren Panoramabildern ein Gefühl für diesen einsamen Wilden Westen schafft. Durch seine Bilder manifestiert sich die Verzweiflung dieses Lebens, die Atmosphäre erscheint unglaublich bedrückend. Man fühlt sich allein gelassen in dieser unwirklichen Welt. Die großen leeren Bilder setzten ganz automatisch immer den Fokus auf die eine Sache, die im Bild vor sich geht: Ob Hilary Swank in die ferne blickt, auf die Dinge die dort vor ihr liegen oder Tommy Lee Jones sich mit einem Gauner auf dem blanken Boden rauft.

Dazu gesellen sich auch in den härtesten Bildmomenten die zarten musikalischen Klänge von Marco Beltrami, der hier für den Score verantwortlich ist. Mit dem Zusammenspiel von Darstellern, Bild und Musik hat sich Tommy Lee Jones in seiner zweiten Kinofilm und vierten Regiearbeit insgesamt als Choreograph der versammelten Talente beweisen können. The Homesman ist eine atmosphärisch dichte Erzählung aus der Zeit des Wilden Westens, bei der es Spaß macht der Entfaltung der Handlung zu folgen. Und vor allem Tommy Lee Jones ist genau das auch bei seinem Spiel anzusehen.

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