Review: THE VISIT – Oma und Opa geht es gut, sie sind eben alt und waren früher Hippies...

Review: THE VISIT – Oma und Opa geht es gut, sie sind eben alt und waren früher Hippies...
Fakten:
The Visit
US, 2015. Regie & Buch: M. Night Shyamalan. Mit: Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Deanna
Dunagan, Peter McRobbie, Kathryn Hahn, Benjamin Kanes u.a. Länge: 94 Minuten. FSK:
Freigegeben ab 12 Jahren. Im Kino.

Story:
Das Geschwister-Paar Rebecca und Tyler reist für eine Woche zu ihren Großeltern. Da sich
ihre Mutter vor langer Zeit mit diesen verkracht hatte, haben Oma und Opa ihre Enkelkinder noch nie gesehen. Der Aufenthalt verläuft zunächst warmherzig und friedlich, doch schon bald merken die Geschwister, dass hier etwas nicht stimmt.


Meinung:
M. Night Shyamalan meldet sich mit einem neuen Film zurück. Für viele mag diese Aussage erstmal wie eine Warnung erscheinen. Zu stark hat der Filmemacher, der einst als Wunderkind oder sogar der nächste Steven Spielberg gehandelt wurde, nach seiner Twist- Ikone "The Sixth Sense" mit jedem nachfolgenden Film immer mehr Leute enttäuscht. Viele betrachten ihn mittlerweile nur noch als Parodie seiner selbst sowie belächelnswerten Regisseur grundsätzlich missratener Machwerke. Für "The Visit" dürfte Shyamalan nun so ziemlich alles egal gewesen sein. Der Regisseur drehte den Streifen zunächst unter Geheimhaltung und ohne jegliche Studio-Unterstützung durch Finanzierung aus eigener Tasche. Entstanden ist hierdurch ein Werk, mit dem Shyamalan jegliche Erwartungen endgültig niederschmettert und völlig übergeschnappt zu sein scheint.

Review: THE VISIT – Oma und Opa geht es gut, sie sind eben alt und waren früher Hippies...

Unser Autor Pat muss auch mal gelobt werden

Übergeschnappt allerdings im positiven Sinne, denn genau durch dieses Befreien von Studio-Zwängen und an ihn gestellte Forderungen wirkt der Film so frisch, ungezwungen sowie originell und dürfte daher das gelungenste Shyamalan-Werk seit längerer Zeit sein. Am auffälligsten sind die tonalen Brüche innerhalb des Geschehens. Die Handlung rund um das Geschwister-Pärchen Rebecca und Tyler, das für eine Woche zu den Großeltern reist, die ihre Enkelkinder noch nie sehen durften aufgrund des gespannten Verhältnisses zur Mutter der beiden, springt bereits früh zwischen albernen Comedy-Einlagen und wohligem Unbehagen hin und her. Da wäre beispielsweise Tyler, ein vorlauter Bengel, der sich selbst für einen aufstrebenden Rap-Star hält und bei jeder sich ihm anbietenden Gelegenheit einen unglaublich ulkigen Freestyle vom Stapel lässt, selbst wenn sich dieser um Kuchen dreht. Der Aufenthalt bei den Großeltern, liebevoll "Nana" und "Pop Pop" genannt, entwickelt sich allerdings schnell zur gruseligen Geisterbahnfahrt, denn auf die strikte Bettruhe ab halb 10 folgen schnell bizarre Ereignisse. Als Nana nachts nackt an der Wand kratzt oder Pop Pop in der Scheune sein Gewehr in den Mund steckt, weil er dieses doch bloß reinigen wollte, wird den Geschwistern früh klar, dass hier etwas nicht stimmt.

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Wer "Psycho" kennt, könnte hier vielleicht im Vorteil sein

Was wirklich dahinter steckt, wird hier natürlich nicht verraten und von Shyamalan selbst in genüsslich verdrehter Weise aufgedeckt, doch es ist der absurde Weg, den der Regisseur beschreitet, welcher das Hauptereignis von "The Visit" darstellt. Man merkt Shyamalan und den Darstellern zu jedem Zeitpunkt an, wie viel Spaß sie bei der Produktion hatten. Dabei schlägt der Streifen unentwegt Haken zwischen alberner Komödie, ernstzunehmendem Psycho-Drama, heftigem Terror-Schocker sowie schlichtweg bizarrer Groteske. Wie schon in seinem unfreiwillig komischen Öko-Mystery-Thriller "The Happening" von 2008 gibt es hier sehr viel zu lachen, doch diesmal setzt Shyamalan ganz bewusst darauf, dass der Zuschauer mit ihm und seinem Film lacht, und keineswegs über ihn. Dabei rast der Regisseur bewusst durch die verschiedensten Stimmungslagen, während der Betrachter zwischen ungläubigem Staunen, herzhaftem Lachen und sattem Erschrecken gebannt wird. Shyamalan setzt zwar überwiegend auf subtilen Grusel und herrlich kuriose Elemente, die gewiss eine Rückkehr zu den früheren Wurzeln des Inders markieren, doch spätestens im völlig überzogenen Schlussakt dreht der Regisseur alle Regler auf Anschlag und setzt zum Frontalangriff auf die Nerven sowie den guten Geschmack an.

"The Visit" ist vermutlich einer der originellsten, unerwartetsten Horror-Späße des Jahres und zeigt einen M. Night Shyamalan, der endlich wieder sichtliche Freude an seinem Beruf gefunden zu haben scheint und mit kleineren Budgets merklich besser beraten ist.

7 von 10 Yahtzee-Spielrunden

von Pat

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