Review: SPUREN – Malerische Selbstfindung inmitten australischer Weiten

Review: SPUREN – Malerische Selbstfindung inmitten australischer Weiten
Fakten:
Spuren (Tracks)
Australien. 2013. Regie: John Curran. Buch: Marion Nelson, Robyn Davidson (Vorlage).
Mit: Mia Wasikowska, Adam Driver, Brendan Maclean, Rainer Bock, Philip Dodd, John Flaus, David Pearce, Ian Conway, Daisy Walkabout u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 28. Oktober 2014.
Story:
Die wahre Geschichte der Robyn Davidson, die 1975 ihren verrückten Traum wahr macht und zu Fuß die australische Wüste durchquert, immerhin stolze 3.200 Kilometer.


Meinung:
Das nordöstlich gelegene Brisbane wurde Robyn Davidson schon frühzeitig fremd, und obwohl sie von ihrem „Saint Margaret's Girl's School“-Internat gleich mit zwei Stipendien bedacht wurde, präferierte sie unzählige Gelegenheitsarbeiten, während sich zeitgleich durch die verschiedensten Studiengänge wurstelte. Das Leben im urbanen Kosmos aber schnürte ihr die Kehle zu und die Generation, in der sie aufwuchs, war von einer Negativität gezeichnet, der sich Robyn Davidson einfach entreißen wollte. Dass sie sich im Jahre 1975 aber dazu entschied, mit vier Kamelen und der Hündin Diggity über 3.000 Kilometer zu Fuß zurückzulegen, die sie durch die australische Wüste, hin zum indischen Ozean führen sollten, stößt bei vielen Menschen, deren Entwurzelung von sentimentalen Heimatgefühlen weitaus schwieriger verlaufen würde, auf Unverständnis. Und vielleicht schwang in ihrem Vorhaben, wie auch bei Christopher „Alexander Supertramp“ McCandless, dessen Abenteuer in Sean Penns „Into the Wild“ porträtiert wurde, auch ein wahrnehmbarer Hauch von Naivität und Egoismus mit, doch ihrer Entschlossenheit konnte nichts und niemand einen Riegel vorschieben.

Review: SPUREN – Malerische Selbstfindung inmitten australischer Weiten

Wüstenliebe: Robyn und ihre Kamele (eines sieht aus wie Adam Driver)

Das mediale Echo war seinerseits enorm und anders als noch bei Alexander Supertramp, nahm ihre kein tragisches Ende, sondern führte sie und ihren von den Strapazen des Kraftmarsches deutlich gezeichneten Körper tatsächlich in das kühle Blau des indischen Ozeans. Grund genug, um die wertvollen Erfahrungen in einem Buch niederzuschreiben, welches unter dem Titel „Spuren“ Welterfolge feiern durfte und nun auch gleichnamig von John Curran verfilmt wurde. Dass es ein äußerst Schwieriges werden sollte, der Geschichte von Robyn Davidson filmisch gerecht zu werden, war nicht nur John Curran und seinem Drehbuchautorin Marion Nelson bewusst, auch dem Zuschauer ist schnell darüber im Klaren, dass die emphatischen Intimität, mit der Davidson ihre Erlebnisse auszudrücken wusste, in der Filmversion nur temporär aufblitzen wird. „Spuren“ krankt daran, dass er sich den Ausmaßen der Reise in ihrer innerseelischen Überwältigung nicht vollends bewusst gewesen scheint – oder nicht im Stande dazu war, diese konsequent umzusetzen. Die Freilegung der Geistes im Kontext der Rückbesinnung des Verhältnisses 'Mensch und Natur' jedenfalls wird gar stiefmütterlich behandelt.

Dass soll nun aber nicht bedeuten, „Spuren“ wäre ein respektloser und durchsichtiger Film, er tritt nur nicht in der Größe auf, als dass er die Selbsterfahrung der Robyn Davidson adäquat vermittelt. Inmitten der sporadischen Vegetation, der unebenen Topographie, den keifenden Sandstürmen und den ausgelaugten Pflanzen, wähnt sich „Spuren“ in einer malerischen Elegie, die immerhin Andeutung dahingehend einleitet, die Wüste auch als transzendente Erfahrung zu definieren. Robyn (übrigens ganz toll gespielt von der eh immer tollen Mia Wasikowska), die sich zu den Nomaden zählt, der sich nirgendwo zuhause fühlt, wählt den Pfad in die Autarkie, wird natürlich – der Dramaturgie wegen – immer wieder von Menschen heimgesucht (darunter auch der von Adam Driver gespielte Fotograf Rick Smolan), ist aber so auf sich gestellt, dass das blökende Geschrei ihrer vierbeinigen Gefährten über lange Strecken das einzige Geräusch ist, welches für sie, die Kamellady, irgendwie mit Vertrautheit assoziiert werden darf. Es wäre vielleicht interessant zu wissen, wie der naturalistische Film die Konsequenzen ihrer Weges beschreiben würde, doch ein Lächeln der Protagonistin und einige Schriftzüge müssen an dieser Stelle wohl genügen.

6 von 10 röchelnden Hunden

von souli