Review SPLIT SECOND - Buddies, Bullen, Bestien

Review SPLIT SECOND - Buddies, Bullen, Bestien
Fakten:
Split Second
UK. 1992 Regie: Ian Sharp, Tony Maylam.
Buch: Gary Scott Thompson. Mit: Rutger Hauer, Kim Cattrall, Neil Duncan, Alun Armstrong, Michael J. Pollard, Ian Dury, Tony Steedman, Steven Hartley, Ken Bones, Roberta Eaton, Sara Stockbridge, Dave Duffy, Colin Skeaping u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD erhältlich.
Story:
London im Jahr 2008: Naturkatastrophen und unzählige Ratten plagen die hilflose Metropole. Die Menschen sind verunsichert und in Panik. Ein unmenschlicher Killer wütet in den Straßen, der bei Vollmond seine Opfer nach einem alten Voodoo-Ritus schlachtet. Special-Cop Harley Stone macht sich auf die Jagd, seinen besten Freund, welcher unter den Opfern ist, zu rächen. Im Pesthauch der verseuchten Straßen spürt Harley Stone den geistigen Kontakt zu seinem Gegner.


Meinung:
Okay, halten wir erstmal kurz fest, was gegen diesen Film sprechen könnte: Ein größeres Budget hätte gerne mal drin sein können. Gibt zwar reichlich schicke klaustrophobische Neon-Sets, aber für ein klassisches Zukunftsszenario (2008!) mangelt es doch irgendwie an fliegenden Karren (oder Derartigem) und erst recht an aufschlussreichen Totalen von ALLEM - gibt so ca. 2 lumpige Helikoptershots vom kontemporären London und ansonsten kriegt man nur einen sehr eingeschränkten Eindruck vom Setting. Dass alles an einer formelhaften Bullen-Buddy-Comedy aufgezogen ist, zeugt auch nicht gerade von sprießender Originalität und überrascht im Grundkonzept nicht allzu sehr.

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Die Zukunft gehört dem Voodoo

Und die Synchro hat abgesehen von Manfred Lehmann nur so schludrige Hamburg-Sprecher am Start, unabhängig davon könnte das Sounddesign von natürlicheren Effekten und einem besseren Score (welcher übrigens ab und an die Pizzikatos von 'STIRB LANGSAM' klaut) profitieren - so bleibt insgesamt nur ein wenig glorreiches DTV-Feeling im Ohr. So, mit dem Bullshit außen vor können wir uns mit den wichtigen Sachen befassen: Rutger Hauer spielt die Hauptrolle und gibt den absolut wahnsinnigen Badass-Cop Harley Stone (!). Was der alles für krasses Zeugs anstellt, lässt sich kaum komplett aufzählen: Dauernd Zigarren im Maul zu haben und die Sonnenbrille-Lederjacken-Kombo zu tragen, gehört ja schon zum guten Ton dazu - doch welcher Macker stellt sich schon eine fesche Harley mitten in die abrottende Cyberpunk-Wohnung rein? Ich sag's euch: Harley Stone! Dem macht's nicht mal was aus, dass überall Tauben in seinem Anwesen rumfliegen, schließlich sind die noch immer besser als die giftigen Monsterratten, die er mit seiner High-End-Knarre blitzartig (sprich 'SPLIT SECOND') so mir nichts dir nichts wegballert.

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Hauer als Hannibal Lecter Double

Ganz richtig im Kopf ist er aber auch nicht, seitdem ein gewisses Räudenviech vor Jahren seinen Partner niedergemetzelt hat, (basierend auf astronomischen Konstellationen) nun wieder auf die Jagd geht und die Herzen seiner Opfer frisst. Traumatisch ballert Harley dann immer auf irgendwelche Mülltonnen oder die Luft ein, wo er seinen Erzrivalen vermutet - ganz zu schweigen davon, dass er bei der Tatortuntersuchung mit Rottweilern redet. Deshalb wird ihm ein neuer Partner zugestellt, ein mickriger und hyperkorrekter Bürohengst mit Hornbrille namens Dirk Durkin (Neil Duncan), der auf ihn aufpassen soll, aber nur Respektlosigkeit empfängt. Doch da heißt es "Arschbacken zusammenkneifen", da sich beide nun um die Erfassung des splattrigen Slashers bemühen müssen. In der Zeit keifen sie sich natürlich streng-vulgär an, gehen einen saufen, putzen sich gemeinsam die Zähne (wobei Stone darauf sofort wieder ne Fluppe reinsteckt) und ziehen große Geschütze auf, sobald sie der Bestie in einer komplett zusammengeballerten Leichenhalle einmal face-to-face begegnet sind.

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Gehen Sie weiter, hier gibt's nicht zu sehen

Stone behält natürlich ideologisch die zielsichere Oberhand (Hauer spielt sowieso jeden mit steter Intensität und Gewitztheit an die Wand), doch beide sind in ihrer Art The Ladies' Man. Brillenschlange Durkin kann mit Fug und Recht behaupten, dass er es jede Nacht mit seiner Gattin treibt und daraufhin noch joggen gehen kann, während wir Stone zumindest mit Kim Cattrall in der Rolle seiner Freundin Michelle zusammen sehen können, obwohl deren Beziehung in ihrer Darstellung seltsam platonisch bleibt - und das, obwohl sie sich für eine Dusch-Szene sogar frei macht. Für so eine geplagte Seele wie ihn, der jeden Tag nackte Leichen anpacken muss, ist das wohl nicht allzu wichtig, immerhin bleibt er der verständnisvolle Gentleman (nicht aber für seine Vorgesetzten, deren Anweisungen er meistens schnauzig ignoriert). Jedenfalls kommt es irgendwann in den Ermittlungen soweit, dass Michelle von dem illustren Täter gebissen wird und Durkin einige pseudo-esoterische Koordinaten in die Brust geritzt bekommt.

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Gleich geht's rund

Das Viech, dessen Design im Grunde wie bei Ridley Scotts 'ALIEN' Stück für Stück minimal aufgedeckt wird, fordert Stone mit der Entführung seiner Liebsten schließlich zum Showdown in der U-Bahn-Station, wo es einst seinen Partner richtete. Da brennt die bleihaltige Luft im Untergrund und nach einem knallig-variierten, aber nicht allzu dringlich-inszenierten Scharmützel setzt Stone dann zum ultimativen Finishing Move an, bei dem er seiner Nemesis das Herz rausreißt und dieses folgerichtig mit dem schicken One-Liner 'Sweet Dreams' abballert. Apropos 'NEMESIS': Set-Design und Look erinnern schon irgendwie an Albert Pyuns Future-Klopper, insbesondere, was das milchig-bläuliche Licht anbetrifft. Dennoch hat man sich so gut es geht um einige nette, futuristische Details gekümmert - allen voran der Umstand, dass alle paar Stunden in der Stadt der Wasserpegel ansteigt, durch den sodann alle angepisst waten müssen, hat was Urkomisches. Gleiches gilt für den Waffen-, Gore- und natürlich Harley-Anteil.

Der Gesamteindruck zum Film bietet leider nichts Unglaublich-Eigenständiges oder gar Spektakuläres, da hemmt er sich selbst irgendwie in seiner offensichtlichen Schnellschuss-Mentalität und schlägt selbst für die Zeit allzu bekannte Wege ein, die zudem noch mit einigen arg flach fallenden Gags ausgestattet sind (z.B. das Doppelpack an langen Steadycam-Einstellungen, in welcher einer der Charaktere ungläubige bzw. sarkastische Entrüstungen von sich gibt). Darüber hinaus kann man aber durchaus seinen Spaß mit den knuffigen Nebensächlichkeiten und Einzelereignissen haben (hab ich schon erwähnt, dass Pete Postlethwaite hier ein paar Mal mit Hauer rumzankt?) und sowieso hält sich 'SPLIT SECOND' seinem Titel entsprechend mit knapp 87 Minuten Laufzeit angenehm kurz und knackig, klischeehaft, aber nett juckig und ballerfreudig. Schmierige Genre-Kolportage für die schnelle Mark, mit Hauer-Garantie, kann ich empfehlen.

6,5 von 10 Sekunden

vom Witte

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