Review: RUHET IN FRIEDEN - A WALK AMONG THE TOMBSTONES - Die Suche nach Vergebung

Review: RUHET IN FRIEDEN - A WALK AMONG THE TOMBSTONES - Die Suche nach Vergebung
Fakten:
Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones (A Walk Among the Tombstones)
USA. 2014. Regie: Scott Frank. Buch: Scott Frank, Lawrence Block (Vorlage). Mit: Liam Neeson, Brian Bradley, Dan Stevens, David Harbour, Sebastian Roché, Adam David Thompson, Eric Nelsen, Noyd Holbrook, Whitney Able u.a. Länge: 113 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 13. November im Kino.

Story:
Nachdem er bei einer Schießerei einen Unschuldigen getötet hat, quittiert Matt Scudder den Polizeidienst und gibt das Trinken auf. Als Privatdetektiv ohne Lizenz nimmt er seitdem besondere Fälle auf. Für einen Drogendealer soll er nun herausfinden, wer dessen Freundin entführt und brutal ermordet hat. Hilfe erhält er vom Waisenjunge T.J., den Scudder unter seine Fittiche nimmt.


Meinung:
Wohl kein anderer Schauspieler hat in den letzten Jahren solch einen Imagewandel hingelegt wie Liam Neeson. Der ehemalige Charakterdarsteller wurde mit nur einem Film, dem Action-Thriller „Taken“ aus Luc Bessons Film-Manufaktur Eurocorp förmlich über Nacht zu dem neuen Actionstar. Ein Ruf, der Neeson seitdem anhaftet, auch wenn er mit Filmen wie „Chloe“ oder „Five Minutes of Heaven“ immer noch in seine alten Gefilde zurückkehrt – im Gegensatz dazu sein neues Image auch mit den „Taken“-Sequel und anderen Actionfilmen noch einmal verfestigt. Mit der Buchverfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones“ scheint Neeson nun wieder auf Actionheld zu machen, doch der Thriller von Scott Frank erweist sich erfreulicherweise als recht stringenter wie knorriger (Psycho-)Thriller, der von seinem Hauptdarsteller zwar eine bullige Präsenz verlangt, diese jedoch nicht ausschließlich für Actionszenen missbraucht. „Ruhet in Frieden“ ist mehr eine angenehm altmodische Mörderjagd geworden mit allem, was diesbezüglich so in der Genre-Schublade zu finden ist.

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Scudder sucht nach Antworten

Dazu gehört zu aller erste einmal die genre-typischen Ermittlungen. Als Privatdetektiv ohne Lizenz folgt Liam Neeson den obligatorischen Spuren und hat dabei selbstverständlich recht schnell Erfolg. Diese klare Struktur des Thrillers kommt ihm aber zugute, nicht zuletzt weil Regisseur Frank ohne Zeitdruck aber dennoch ohne größere Langwierigkeiten die Geschichte erzählt, die weder auf überraschende Plottwists noch sonderlich spektakulärer Entwicklungen setzt, sondern in klassischer Art und Weise den roten Handlungsfaden folgt. Das Herausstechende von „Ruhet in Frieden“ ist zum einen seine Optik: so klar und dennoch rau sahen die Straßen New Yorks schon lange nicht mehr aus. Dies ist der Verdienst von Kameramann Mihai Malaimare Junior, der zuletzt auch Paul Thomas Andersons „The Master“ in herausragende Bilder kleidete. Das Visuelle passt dabei perfekt zu Neesons Figur, diesem kargen, klar denkenden Mann, der natürlich auch aus dramaturgischer Sicht einiges an Ballast mit sich herum schleppt. Warum ausgerechnet er einem Dealer hilft, ist eine unausgesprochene Frage, die der Film am Ende mit einem fast schon sphärischen Spiel aus Off-Kommentar, Freeze Frames und Aktionen beantwortet. Es geht letztlich um Wiedergutmachung, die Chance mit der eigenen Opferbereitschaft eine Missetat der Vergangenheit auszugleichen und sich so zu befreien, von der Last der eigenen Geißelungen.

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Dieses Rotkäppchen wird von zwei bösen Wölfen beobachtet

Dem gegenüber stehen die beiden Killer. Frank inszenierte diese so abgebrüht, sadistisch und fratzenhaft, dass jede Szenen mit ihnen unangenehm und mephistophelisch wirkt. Es sind Dämonen, Kreaturen des Bösen, die unerkannt unter uns verweilen. Innerhalb einer Szenen nimmt ihnen „Ruhet in Frieden“ auch noch den letzten Rest Menschlichkeit, in dem sie wie zwei böse Wölfe ein junges Mädchen beobachten, welches im roten Mantel die Straße überquert, alles unterlegt mit Popmusik der 1960er Jahre. Dieser Kontrast ist selbstredend wenig subtil und schon gar nicht elegant, funktioniert aber äußerst effektiv. Spätestens jetzt ist Franks Thriller am Höhepunkt seines symbolischen Schaulaufens angekommen. Der simple Plot verdichtet sich endgültig zu einer Bühne für den Kampf Gut gegen Böse: der gefallene, vergebungssuchende Held gegen die exzessiven Widerlinge, die ihre Taten hinnehmen als reinen Genuss an der Macht gegenüber anderen. Diese Gegensätzlichkeit ist letztlich der eigentliche Plot von „Ruhet in Frieden“. Leider setzt Regisseur Frank aber noch einen jungen Waisen in die Handlung ein. Dieser erweist sich zwar nicht unbedingt als übersättigendes Element, dafür spricht er zu sehr das Samaritäre von Neesons Figur an, doch irgendwie will sich die Figur niemals so ganz ins System des Films einfügen. Vielleicht weil diese Figur etwas Hoffnungsvolles hat, etwas das konträr zum Pessimum des Thrillers steht.

„Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones“ ist ein schnörkelloser Thriller, in dem weitaus mehr zu lesen ist, als eine typischen Mörderjagd nach genre-Rezept. Aber selbst, wenn man sich dem Sub-Plot verweigert, erhält man immer noch einen toll inszenierten Thriller der die Luft der alten Schule atmet und zwei Bösewichte in Petto hat, die wahrlich zum Fürchten sind. Auch Liam Neeson überzeugt und besitzt für die Rolle des Ex-Cops und Ex-Trinkers genau das richtige Profi.

7,5 von 10 Taubenschlägen auf dem Dach

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