Review: RENDEZVOUS MIT JOE BLACK – Schmalzige Begegnung mit dem Tod

Erstellt am 29. April 2014 von Die Drei Muscheln @DieDreiMuscheln

Fakten:
Rendezvous mit Joe Black (Meet Joe Black)
USA. 1998. Regie: Martin Brest. Buch: Bo Goldman, Ron Osborn, Jeff Reno, Kevin Wade, Alberto Casella (Vorlage). Mit: Brad Pitt, Anthony Hopkins, Claire Forlani, Marcia Gay Harden, Jeffrey Tambor, Jake Weber, June Squibb, Davis S. Howard u.a. Länge: 173 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Unternehmer William Parrish steht kurz vor seinem 65. Geburtstag, doch diesen soll er nicht mehr erleben, zumindest wenn es nach dem Tod geht. Der kommt eigentlich, um ihn zu holen. Doch da sich der Tod in Parrishs Tochter verliebt hat, gibt er William eine Frist und wird ein Gast der Familie Parrish.


Meinung:
Überall begegnet dem Menschen der Tod – Tag ein, Tag aus. Ob in den Nachrichten, wo Tränen geflutete Gesichter nach Naturkatastrophen und Attentaten ihren Liebsten hinterher trauern, im weiten Kreis der Bekanntschaft, in dem ein ehemaliger Schulkamerad seinem Krebsleiden nach langem Kampf endgültig erlegen ist oder im privaten Umfeld, in dem ein Familienglied nicht mehr aufgewacht ist, obwohl sie doch am Vortag noch quicklebendig am Tisch über das schlechte Wetter gepoltert hat. Schon in frühster Kindheit müssen wir lernen was Abschied bedeutet. Abschied von Menschen, von Haustieren, die wir ins Herz geschlossen haben, doch verstehen können wir nicht, warum sie uns von Jetzt auf Gleich für immer verlassen müssen. Die Angst vor dem Tag, an dem uns der Tod einholt, wächst; die Angst davor, dass es doch kein Leben danach geben könnte, brennt sich in unser Innerstes. Als Erwachsener erleuchtet uns die Präsenz des Todes trotz angeeigneter Reife auch nicht unbedingt, wir können höchsten versuchen, ihn zu akzeptieren und uns über lange Sicht mit unserem Schicksal irgendwie anfreunden.

Gestatten, der Tod

Und doch kann man sich nicht auf den entscheidenden Tag, den entscheidenden Moment, vorbereiten. Wie reagieren wir, wenn es wirklich soweit ist? Welche Worte wählen wir, welches Gefühl durchströmt unseren Körper, wenn uns der Tod gegenübertritt und uns die Gewissheit ereilt, Abschied von unserer Welt, unserem Leben, unserer Hülle und vielleicht auch von unserem Geist zu nehmen? „Rendezvous mit Joe Black“ nistet sich thematisch genau in diesen Augenblick der Gewissheit ein und lässt Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“, „Nixon“) als William Parrish in die blauen Augen des attraktiven Todes (Brad Pitt, „Sieben“, „World War Z“) blicken. Der Tod, aus der Not heraus von Parrish passend Joe Black getauft, verweilt auf der Erde und möchte das Leben kennelernen, bevor er sich wieder in seine ferne Sphäre zurückzieht. Wenn er allerdings geht, dann ist auch für den Großunternehmer Parrish die Zeit auf Erden abgelaufen, da sollte Parrish die amour fou zwischen Joe Black und seiner Tochter Claire Forlani („The Rock“, „Mystery Men“) gerade recht kommen, doch Parrish ist damit natürlich auch nicht zufrieden, weil er sich eben um sein liebes Töchterlein sorgt, denn eine Liaison mit dem Tod höchstpersönlich klingt ja nicht unbedingt gesund.

Gestatten, Anthony Hopkins

Was hätte „Rendezvous mit Joe Black“ für eine hochinteressante Reflexion über die Akzeptanz, über die Annahme der menschlichen Vergänglichkeit werden können, würde die Intention nicht so offensichtlich in eine ganz andere Richtung schielen. „Rendezvous mit Joe Black“ besitzt in seinen A-sätzen gewiss einen ansprechend parabolischen Charakter, verschiebt seine Handlungsachse im Laufe der Zeit aber immer penetranter auf die schmalzig ausbuchstabierte Liebelei zwischen Joe Black und Susan, die sich mit zusammenkniffenen Augen verkitschte Parolen ins Ohr wimmern und doch keinerlei echte Harmonie zueinander aufbauen. Das liegt zum Teil am schändlich eindimensionalen Drehbuch, welches seine für jeden Menschen elementare Thematik in geradezu lächerlicher Vehemenz vernachlässigt, wie auch an den Schauspielern, die hier zuweilen wirklich alles dafür geben, um unglaubwürdig in ihren Rollen zu versacken. Brad Pitt, eigentlich ein guter Mann, auch schon zu dieser Zeit, wird auf seinen Image als Frauenschwarm heruntergebrochen und stelzt sich mit seiner überfordert-affektierten Darbietung durch das verzogene Szenario, während sein weiblicher Gegenpart Claire Forlani, die schauspielerisch bekanntlich noch nie Bäume ausgerissen hat, immer nur mit verheulten Augen dreinblickt und unrunde Satzfetzen leise vor sich hin hauchen darf.

Die Lovestory zieht in ihrem Kitsch dicke Fäden und schaffte es sogar Kuschelrocker Bon Jovi zu neuen auditiven Foltermethoden zu inspirieren – Passt ja. Anthony Hopkins, sichtlich unterfordert, aber doch immer irgendwie charmant, kurbelt seine uninteressante Rolle lustlos herunter und sehnt sich, wie auch der Zuschauer nach spätestens der Hälfte des Films, dem Ende entgegen. In „Rendezvous mit Joe Black“ liegt so viel mehrwertiges Potenzial begraben, Martin Brest könnte soviel über das unabdingbare Schicksal und gesellschaftliche Sorgen erzählen, über die Existenz, das Sein und den Verlust dieser, vergisst sich dann doch nur im aufgesetzt-melodramatischen Schmalzgegockel. Bei manche Damen mit einem unfassbaren Empathievermögen wird das Ganze vielleicht für nasse Augen und der herausgeputzte Brad Pitt für feuchte Höschen sorgen, alle anderen rutschen schnell auf der Schleimspur aus und mühen sich krampfhaft, wieder auf die Beine zu kommen – Ohne Erfolg.

3 von 10 Löffeln mit Erdnussbutter

von souli