Review: MERCY - DER TEUFEL KENNT KEINE GNADE - „The Walking Dead“ für Erwartungslose

Erstellt am 11. Juli 2015 von Die Drei Muscheln @DieDreiMuscheln
Fakten:
Mercy – Der Teufel kennt keine Gnade (Mercy)
USA. 2014. Regie: Peter Cornwell. Buch: Matt Greenberg, Stephen King (Vorlage).
Mit: Chandler Riggs, Mark Duplass, Dylan McDermott, Frances O’Connor, Jack Carter, Joel Courtney, Shirley Knight, Chris Browning, Hanna Hayes u.a. Länge: 79 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

Story:
Die Oma von George erleidet scheinbar einen Schlaganfall und wird zuhause von der Familie betreut. Die Zeichen vermehren sich, dass ihre Krankheit von dunklen Mächten kontrolliert wird.
Meinung:
Der Name des amerikanischen Filmproduzenten Jason Blum („Whiplash“) ist mittlerweile so etwas wie eine Form der Charakterisierung von Horrorfilmen. Weiß man, dass er seine Finger im Spiel hatte, hat man eine relativ klare Vorstellung davon, was einem bei dem Film erwarten wird. Die Qualität der Filme einzuschätzen ist jedoch nicht immer einfach. Einerseits hatte er seine Finger mit im Spiel, wenn günstige, aber durchaus wirkungsvolle Horrorfilme auf engstem Raum ihre Geschichte entfalten konnten, wie in „Insidious“ und natürlich „Paranormal Activity“ zu sehen. Andererseits tauchen auch Namen in seiner Filmographie auf, die einem mit den Zähnen knirschen lassen. Stichwort „The Purge“ oder „The Boy Next Door“. „Mercy“ ist nun ein relativ unauffälliger Beitrag zum Genre, der hierzulande gar keine Kinoauswertung bekam und direkt auf die Scheibe gepresst wurde.

Besessen und cool dabei aussehen ist schwerer als gedacht

Basierend auf einer Kurzgeschichte von dem großen Stephen King wird hier die Geschichte eines Jungen erzählt, der von Chandler Riggs dargestellt wird. Bekannt als Carl aus „The Walking Dead“. Das erste Problem des Films ereignet sich auch gleich, wenn man gewillt ist, die Geschichte des Films darzulegen. Das ist nämlich gar nicht so einfach, weil der Film letztendlich keine Ahnung hat, in welchen Bereich er eigentlich gehören möchte. Anfangs versucht der Film eine Art Haunted House-Film zu imitieren, wenn Dielen knarren, komische Schatten zu sehen sind und alles nicht ganz koscher wirkt. Aber das Konzept wird nach einer Zeit verworfen und der Streifen rutscht ungelenk in eine Abteilung hinein, die man, wenn man optimistisch ist, als Exorzismus-Film bezeichnen könnte. Der Wechsel zwischen Subgenres, Elementen und Situationen ist von einer derartigen Ruppigkeit und augenscheinlichen Talentlosigkeit des Regisseurs gezeichnet, dass man sich als Zuschauer nicht wohl fühlen kann. Und das nicht einmal des Gruselfaktors des Filmes wegen, der ist nämlich gleich Null. Sondern einzig und allein weil das, was einem geboten wird von Anfang an in Plattitüden, Klischees und altbekannte Strickmuster abgleitet und die teils erbärmliche Machart so manchen Schauer über den Rücken jagen kann.

Eine Axt: Dahinter lässt sich wirklich prima verstecken

Während so manche moderne Horrorfilme das Problem haben, dass man sich fast schon im Voraus über die unzähligen und unmotivierten Jump Scares aufregen kann, hat „Mercy“ das Problem, dass die Jump Scares nicht einmal funktionieren. Es gehört schon viel dazu, den Zuschauer nicht erschrecken zu können, obwohl man die Regler auf allen Kanälen aufreißt. Das ist schon fast beeindruckend, wäre es nicht so abgrundtief peinlich. Die größte Baustelle des Films ist jedoch nach wie vor die Geschichte, die einfach zu keiner Zeit etwas überraschendes, neues oder gar interessantes zu bieten hat. Und wenn den Machern nichts einfällt und offensichtlich keiner eine Ahnung hat, warum dieser Film überhaupt produziert wird, dann müssen es eben Ausflüge in den dunklen Keller, tragisch prophetische Briefe im Postfach und wiedergegebene Gruselgeschichten über das Jenseits und all die Wesen zur Hölle richten. Das funktioniert nur leider nicht und da hat man schon keine Zeit mehr, sich über das anfangs gezeigt Zitat von Dantes „Inferno“ aufzuregen, das hier dummdreist prätentiös auf den Bildschirm geklatscht wird. Denn neigt sich der Film seinem Ende zu bekommt man Sekunde für Sekunde mehr Material geboten, das einfach nur grottenschlecht ist. Wähnt man sich erstmal am Abgrund, taucht auf einmal eine neue Problemzone auf, die man vorher noch mit etwas Übung ausblenden konnte: Die Dialoge.

„Mercy“ zeigt Dinge, die man schon 1000 Mal und viel besser gesehen hat. Für die meiste Zeit ist der Film zu ereignislos und platt, um wirklich wütend zu machen, aber dann kommen die letzten 20 Minuten auf den Zuschauer eingeprasselt und was dort geboten wird, passt auf keine Kuhhaut. Es wird lächerlich, zum Wegschauen, dilettantische Grütze. Die sehr kurze Laufzeit von 75 Minuten sind hier als gute Tat am Zuschauer anzusehen, weil jede Sekunde mehr von diesem Humbug einer Beleidigung gleichkommen würde. Die Abstinenz von jeglicher Atmosphäre, emotionalen Verbundenheit, bescheuerten Einfälle und inszenatorische Blödheit wird letzten Endes nur noch von Chandler Riggs’ „Schauspiel“ übertroffen, der jede noch so tiefen Qualitäts-Schranke aufrecht unterläuft. Da wäre schon fast ein Trinkspiel angebracht.

3 von 10 ungruseligen Omas

von Smooli