[Review mal anders] „Eine Geschichte der Zitrone“ von Jo Cotterill

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Autorin: Jo Cotterill / 256 Seiten / Übersetzung: Nadine Püschel / Hardcover / Verlag: Königskinder / OT: A Library of Lemons / auch erhältlich bei: bücher.de,mayersche.de

Der Plot…

Calypsos Mama starb vor ein paar Jahren. Seither kann oder will ihr emotional inkompetenter Vater nicht über ihre Mutter sprechen. Ebenso predigt er Calypso, dass sie niemanden bräuchte um stark zu sein und das Gefühle zeigen eine Form von Schwäche wäre. Anstelle sich mit seiner zehnjährigen Tochter zu beschäftigen, verkriecht er sich lieber für die Arbeit an seinem Buch »Eine Geschichte der Zitrone«. Für Essen muss Calypso oft selbst sorgen, aber das staubige Haus bekommt selbst sie nicht warm genug. Und obwohl das junge Mädchen sich einsam fühlt, so findet sie immer wieder Geborgenheit in ihren Büchern. Lesen tut Calypso nämlich schrecklich gerne und hat sogar ein eigenes Lesezimmer. Dort kann sie sich in fremde Welten flüchten. Doch dann trifft sie in der Schule auf das neue Mädchen Mae. In ihr findet Calypso unverhofft eine richtige Freundin. Sie beide verbindet nämlich die Liebe zum Lesen und Schreiben. Die Freundschaft zu Mae und die Besuche bei deren liebenswert chaotischer Familie, machen Calypso nicht nur glücklich sondern erst richtig bewusst, dass in ihrem eigenen Zuhause etwas ganz und gar nicht stimmt.

Als Calypso endlich den Mut aufbringt, Mae zu sich nach Hause einzuladen, entdecken die Mädchen die Wahrheit und Calypsos kleines Glück fällt in sich zusammen.

Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, mach Limonade draus!

Wer hätte gedacht, dass die Autorin Jo Cotterill schon über zwanzig Kinderbücher geschrieben hat?! Mir war es nicht bekannt und daher ist dieses Werk aus dem neuen Kaleidoskop-Programm des Königskinder Verlag, auch mein erstes Buch von der Autorin gewesen.

32330736In »Eine Geschichte der Zitrone« trifft der Leser auf Calypso, ein äußerst intelligentes und belesenes Mädchen. Die Zehnjährige ist liebenswürdig, jedoch auch sehr distanziert. Emotionen zu zeigen sind ihr suspekt. Ihr Vater hat ihr stets vermittelt, dass sie diese nicht weiterbringen und zu einer schwachen Person machen. Für ihren Vater und ihre tote Mutter möchte Calypso jedoch stark sein. Und dann treffen sie und der Leser auf Mae.

Mae ist impulsiv und weint schnell, wenn sie etwas trifft. Calypso faszinieren und überfordern diese Ausbrüche zu Beginn sehr. Ein Kind voller Sonnenschein und Emotionen, das ihrer neuen Freundin sofort ungeteilte Aufmerksamkeit und Freundschaft schenkt.

Natürlich hat mich vor allem angezogen, dass die kleine Hauptfigur Bücher über alles liebt und das ihre neue Freundin Mae die Liebe mit ihr teilt. Aber diese Geschichte beschäftigt sich, trotz zahlreicher Nennungen von sehr bekannten Klassikern (wie z.B. Calypso Lieblingsbuch »Anne von Green Gables«) nicht nur mit der Liebe zum Buch.

Die Situation bei Calypso Zuhause hat mich unendlich traurig gemacht. Sie ist so ein liebenswürdiges, neugieriges und intelligentes Mädchen, welches jedoch niemanden hat. Es fiel mir unheimlich schwer zu glauben, dass so ein Kind einfach ignoriert werden kann. Ihr Vater sieht sie aber längst nicht mehr und überlässt sie oft sich selbst. So bleiben dem Mädchen oft nur die Erinnerungen an ihre verstorbene Mutter und das geliebte eigene Lesezimmer.

Calypsos Situation ist leider nicht weit daher geholt. Auch in der Welt außerhalb des Buches, kämpfen Kinder um die Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Hier geht darum wie wichtig ein warmes Zuhause, sowie Liebe und Freundschaft für die Entwicklung eines Kindes sind. Die Themen Depression und Trauer werden sehr intensiv aufgenommen. Cotterills Darstellung der Depression und die Auswirkungen auf Leidende und deren Kinder, sind wirklich realistisch umgesetzt worden.

Hat’s denn geschmeckt…?

Jo Cotterill hat ganz wundervolle Figuren geschaffen und wichtige Themen, sowohl für die Zielgruppe als auch Erwachsene Leser, aufgenommen. Mit »Eine Geschichte der Zitrone« hat der Verlag wieder einmal einen kleinen, aber sehr kostbaren Schatz geborgen.


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