Review: LAWLESS - Die Geschichte der Bondurant-Brüder

Review: LAWLESS - Die Geschichte der Bondurant-Brüder
Fakten:
Lawless
USA. 2012. Regie: John Hillcoat. Buch: Nick Cave, Matt Bondurant (Vorlage). Mit: Shia LaBeouf, Tom Hardy, Jessica Chastain, Jason Clarke, Guy Pearce, Dane DeHaan, Mia Wasikowska, Gary Oldman, Lew Temple, Chris McGarry, Noah Taylor, Tom Tolin, Bill Camp, Alex Van, Marcus Hester u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Nach einer wahren Begebenheit: 1931 in Franklin County, Virginia, sind viele einfache Leute Moonshiner (Schwarzbrenner) und verdienen sich dank der Prohibition und dem damit einhergehenden Schnapsmangel, ein gutes Zubrot. Die Brüder Forrest, Jack und Howard Bondurant sind in der Region nicht nur wegen ihrem Alkohol, sondern auch wegen ihrer Zähigkeit bekannt. Diese brauchen die Brüder auch, denn Special Debuty Charley Rakes kommt ins County und soll dort für den Staatsanwalt Schutzgeld von den Schwarzbrennern erpressen. Die Brüder weigern sich und lösen so eine brutale Ereigniskette aus.


Story:
Die amerikanische Prohibition ist ein Gerüst für viele Geschichten rund um Gangster, Gesetzeshüter, gekoppelt an den damaligen Zeitgeist. Während in Brian DePalmas „Die Unbestechlichen“, wohl einer der bekanntesten Filme mit dieser Thematik, die Cops die Helden waren und die Geschichte urban stattfand, geht „The Road“-Regisseur und sein Autor, der Kult-Musiker Nick Cave, einen anderen Weg. Bei „Lawless“, der auf dem Roman „The wettest County in the World“ von Matt Bondurant (der Ur-Enkel von Jack Bondurant) basiert, sind die Männer mit den Marken und den Handschellen entweder wenig intelligente Komplizen der Alkoholschmuggler und –Hersteller, oder sie erweisen sich als sadistische, elegante Geldeintreiber, die in der Provinz für Probleme und gebrochene Nasen sorgen.

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Jack versucht das Herz von Bertha zu erobern

Wie bereits bei seinen vorherigen Filmen, gelingt es Regisseur Hillcoat ohne Schwierigkeiten eine atmosphärische Authentizität zu erzeugen, die das gezeigte Zeitkolorit unterstützt. Der Kampf zwischen den Bondurant-Brüdern und den korrupten Handlangern des Staatsanwalts von Virginia ruht sich auf diesen Lorbeeren aber nicht aus. Vor allem der älteste, Forrest (Tom Hardy) und der jüngste Bondurant, Jack (Shia LaBeouf), werden vom Drehbuch massiv umgarnt. Es passt aber auch, denn während Forrest der einsilbige Anführer der Familie ist, versucht Jack seinen Platz in der Hierarchie zu finden und stellt im Laufe der Handlung fest, dass er vielleicht nicht der kräftigste ist, dies aber mit seinem Geschäftssinn kompensiert. Das charakterliche Gefälle zwischen Forrest und Jack wird immer wieder aufgegriffen, aber egal wie oft sie sich streiten und der große Bruder dem kleinen zu belehren versucht, wirklich einnehmend sind diese Facetten von „Lawless“ nie. Zu beengt dreht und wendet sich hier die Dramaturgie und kommt letztlich doch nie wirklich einen Schritt weiter, außer wenn John Hillcoat die großes Gesten aus den Reserven holt. Es ist ein allgemeines Problem des Films, dass es ihm immer nur dann gelingt seine Handlung und seine Figuren mitreißend zu präsentieren, wenn er auf großes Buhei setzt. Die Szenen, in denen die Bondurant-Brüder dazu gezwungen sind Gewalt anzuwenden sind durchweg fesselnd, weil hier mit einfachen Mitteln mehr vermittelt wird, als in den zig langgezogenen Dialogen zuvor und danach.

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Gestatten: Charley Rakes

Das Timing ist sowieso eine große Baustelle von „Lawless“. Den Film durchgängig als langatmig zu bezeichnen wäre fälschlich. Zwischen den aufgebläht wirkenden Szenen, in denen Forrest und Jack ihre jeweils große Liebe finden, gibt es eine Menge von Passagen, die dank der durchweg überzeugenden Schauspieler und der erwähnte Authentizität wie im nu vergehen. „Lawless“ bekommt zwischen den einzelnen Story-Abschnitten, also dem Kampf gegen Special Deputy Charley Rakes und den Ausflügen ins romantische Metier, einfach kein gelungenes pacing hin. Dazu kommt, dass die beiden Frauenfiguren von „Lawless“ zu Beginn viel zu zaghaft eingeführt werden und dann plötzlich fast die gesamte Aufmerksamkeit des Films bekommen. Es wirkt wie ein wenig harmonischer Zickzacklauf. „Lawless“ wechselt im Laufe seiner Spielzeit zu oft seine Absichten. Das anfängliche Sittenbild wird von einem Familienporträt, dann von einem Gangsterfilm, gefolgt von einer Romanze und dann von einem actionreichen Drama ausgewechselt. John Hillcoat gelingt es nicht die einzelnen Genre-Formen ohne Brüche in der erzählerischen Struktur darzubieten. Auch die einzelnen Figuren wirken oftmals zu schablonenhaft skizziert. Guy Pearce als Charley Rakes scheint z.B. sichtbar Freude gehabt zu haben, diesen eloquenten wie teuflischen Handlanger des Staatsanwalts (der im Film trotz seiner Wichtigkeit nur eine Randnotiz bleibt) zu spielen. Doch dieser Rakes wirkt, ähnlich wie Forrest Bondurant mit seiner bulligen Art, fast schon wie die Karikatur eines Stereotypen. Seine Grausam- und Boshaftigkeit, gepaart mit seinem Auftreten wirken einfach zu übergewichtig. Seine Taten und seine Mentalität erdrücken seine Absichten und umgeben „Lawless“ unnötigerweise mit dem Mief der Prahlerei.

„Lawless“ schleppt viele Fehler mit sich herum. In seinem tiefsten Kern ist John Hillcoats Film aber ein durchaus ansprechend geratenes Prohibition-Drama, mit mal gut, mal weniger gut geratenen Ausbrüchen in Sachen Gewalt und Romantik. Die Darsteller geben sich dabei keine Blöße, müssen aber zu oft gegen die inhomogen erzählte Geschichte und die wenig überzeugenden Figurenbeschreibungen ankämpfen. Aber sie kämpfen immerhin und haben so gesehen viel mit den Bondurant-Brüdern gemeinsam.

5,5 von 10 aufgeschnittenen Kehlen


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