Review: LAST MAN STANDING - Wahre Kerle gegen falsche Kerle

Erstellt am 20. Juli 2014 von Die Drei Muscheln @DieDreiMuscheln

Fakten:
Last Man Standing
USA. 1996. Regie: Walter Hill. Buch: Walter Hill, Akira Kurosawa (Vorlage), Ryuzo Kikushima (Vorlage). Mit: Bruce Willis, Christopher Walken, Bruce Dern, Leslie Mann, William Sanderson, Michael Imperioli, Ken Jenkins, Alexandra Powers, Karina Lomard, David Patrick Kelly, R.D. Call, Ned Eisenberg, Ted Markland u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Texas, in den 1930er Jahren: Ein Fremder, John Smith, kommt zufällig in ein kleines Wüstenkaff, in dem sich zwei rivalisierende Gangsterbanden bekriegen. Smith, der lieber schießt als redet, wird von beiden Bandenchefs angeheuert, um die Feinde kaltzustellen. Für Smith eine gute Gelegenheit beide Parteien gegeneinander auszuspielen.


Meinung:
In meinen objektiven Augen ein etwas unterschätzter Film. Klar, wir können Tage lang darüber diskutieren, welch großen Impact die Story-technischen Vorgänger 'YOJIMBO' und 'FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR' auf unsere hochentwickelte Filmkultur hatten, während dieser Film von Walter Hill hier nicht mal einen Bruchteil davon erreichte. Kann ich ja verstehen, auch wenn ich nicht glaube, dass er es überhaupt darauf angelegt hatte. Auf jeden Fall hat er sich ein bisschen respektvoller an die Sache gemacht, als 2 Jahre später John G. Avildsen mit seinem Van-Damme-INFERNO, aber die eigenen, stilistischen Qualitäten dieses Films sprechen ohnehin ausgezeichnet für sich selbst - da will ich mal nicht vergleichen, sondern mich einfach nur freuen, dass Hill seiner Linie für furcht- und kompromissloses Genrekino treu geblieben ist und durchweg eine schwüle Spannung in die Luft injiziert, die jeden in diesem texanischen Gangster-Hort von Jericho bis zur härtesten Paranoia brodeln lässt.

Hier zu sehen ist eine Dialogszene

Denn der Tod wartet schon entspannt mit der Sense um jede Ecke, die Hölle unter den Füßen sowieso und mittendrin das fatalistische Ventil dafür anhand eines Mannes, genannt John Smith (Bruce Willis), dem es als abgebrühter, sperriger Opportunist scheißegal ist, ob er blutig zusammengeschlagen oder angeschossen wird, solange das Geld hinein fließt (Ok, wütend ist er dann schon - aber keiner, der sich davon zu unbedachten Dummheiten hinreißen lässt, wie all die anderen dort). Ehrenkodex? Bei solch einer Gesellschaft gar nicht nötig - die einzige Sympathie spürt man beim allgemeinen Volk und bei den Frauen, die er aus den schlampig-brutalen Griffen der Mobsters rausholt und in so eine Art Freiheit schickt (weshalb jene pseudo-taffen Arschgeigen auch langsam ihre Macht beim Schwinden zusehen können, auch wenn sie es nicht glauben mögen). Denn es wird bald nicht nur mächtig dreckig und staubig in diesen Gefilden (den Look hält der Film durchweg vor die Augen), sondern vorallem blutrot und in Flammen brutzelnd, wenn die Gemüter der Intrigen eskalieren, durch Doppelbeschuss der Colts und Magnums in die Stratosphäre gepfeffert werden.

Langsam sterben ist okay, aber zielen muss man schnell

Da ist Smith im Grunde zwar ein nihilistischer, doch von allen Seiten betrachtet auch (un)freiwillig rechtschaffener Katalysator des Karmas, gegen das nicht mal das Gesetz wirklich was zu sagen hat, bis es zwangsläufig einschreiten müsste - was es bezeichnenderweise nie tut (dass es ab und an mal regnet, kann man auch nicht als Deeskalation werten). Das wirkt hier eh nur noch verloren, inmitten dieses zerschmelzenden Wirbelsturms keifender Machtspiele und rabiater Gewaltausbrüche - unterlegt von einem Soundtrack aus dem Hause Ry Cooder, der wie das quälend-lang-über-die-Haut-angesetzte Abstreifen von Klingen wirkt und wie der Gesamtfilm dazu erst recht keine Hoffnung auszuteilen versucht. Da werden dann auch schon mal Unbewaffnete erschossen oder ein Auge in Matsch verwandelt, aber in jener unsicheren 'Männer'-welt sind das auch nur überhastete Zeichen der Schwäche - vorallem dann, wenn Smith dagegen trotz allem noch gerade steht und keine Miene verzieht. Da scheißt sich schon jeder in die Hosen - aber abwarten, bis er schließlich mit Narben im Gesicht zurückkommt, angepisst in den vermurksten Spiegel schaut, seinen Hut aufsetzt und zum schnittig-schnörkellosen Gemetzel der feigen Banden ansetzt.

Mifune und Eastwood haben dafür schon den Weg geebnet, total, aber diese Eminenz eines transparenten, Bullshit-freien Kerles lässt sich ebenso wenig verarschen. Eben ein typischer, vorausschauender Hill-Charakter, wie auch Christopher Walken als Hitman Hickey, die einzig-ebenbürtige Eigenmacht in dieser aneinander reibenden Darbietung ideologischer Souveränität (ein durchgängiges Thema im Werk des Regisseurs). Sicherlich beherbergt ihr brachiales Handeln dann auch eine stumpfe Direktheit und eine gleichsam zynische Aura, mit einer zu erwartenden, schroffen Reaktion von der Gegenseite dazu - aber das ist dann wenigstens ehrlicher, konsequenter Mumm, jenseits von schicken Anzügen und Bündeln an Geldscheinen, die Macho-mäßig was hermachen wollen, aber eher nur Furcht projizieren. Und wer das nicht begreift, wird von einem nackten Bruce Willis erschossen, nachdem er gerade noch zur Entspannung seinen Prügel in eine Dame der Nacht gesteckt hat und selbstverständlich bereits zwei Knarren in der Hand hat, sobald er angegriffen wird - wichtig ist dabei aber auch: er prahlt nicht damit herum und reißt One-Liner, sondern bleibt wie der Film ein scharfer, methodischer und dennoch heißblütiger Beobachter. Ist das nicht einfach die coolste, righteous Sau? Oder doch eben ganz einfach und ohne Frage der LAST MAN STANDING.

7 von 10 Rückenschüssen

vom Witte