Review: FUNNY GAMES – Wenn Feuer mit Feuer bekämpft wird

Review: FUNNY GAMES – Wenn Feuer mit Feuer bekämpft wird
Fakten:
Funny Games
Österreich. 1997. Regie und Buch: Michael Haneke. Mit: Ulrich Mühe, Susanne Lothar, Arno Frisch, Frank Giering, Stefan Clapczynski, Doris Kunstmann, Christoph Bantzer u.a. Länge: 107 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Anna und Georg fahren mit ihrem kleinen Sohn Schorschi raus zum See, um in einem Ferienhaus ein paar entspannte Tage zu verleben. Kaum ist die Familie angekommen steht plötzlich ein junger Mann vor der Tür und bittet im Auftrag der Nachbarn nach ein paar Eiern. Was wie eine alltägliche Bitte beginnt wird rasch zu einem Alptraum, denn der junge Mann, der noch einen Freund dabei ist, nimmt die Familie gefangen und beginnt mit ihr ein perfides Spiel.


Meinung:
Diesen immensen Mut, den Michael Haneke mit „Funny Games“ 1997 an den Tag gelegt hat, muss man in seiner ganzen Eindringlichkeit einfach ohne Bedingungen respektieren, selbst wenn einem der Film letztlich nicht im vollem Ausmaß zugesagt hat. Man sollte sich nur einmal figurativ vor Augen führen, dass eine derartige (Genre-)Intensität wie sie „Funny Games“ absondert im deutschsprachigen Raum eine echte Rarität sondergleichen darstellt. Und dabei ist diese bedrückende Kraft nicht nur in ihrer einschnürenden Rohheit einzigartig, sie ist auch in ihrer hervorragenden Progression so dermaßen intelligent umgesetzt worden, dass sie die konsumierenden Massen folgerichtig zur Weißglut bringt und wütende Gegenstöße am laufenden Band evoziert. Aber genau diese Reaktionen, die allgegenwärtige Abwehr zeigt, dass Haneke doch die richtigen Hebel bedient hat und sein Publikum berühren konnte. Ob dies nun in einer positiven oder negativen Replik mundet spielt dabei erst mal gar keine Rolle.
 

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Alles Teil des Spiels

Warum man sich von „Funny Games“ angegriffen fühlen könnte, liegt auf der Hand: Hanekes Film ist eine auf Zelluloid gebannte Provokation. Allerdings keinesfalls so plump, wie andere Werke, die sich nur zum Ziel setzten, das Publikum mal wieder mit billig forcierten Grenzüberschreitungen zu irritieren und erschüttern. Haneke hingegen weiß, dass es keine Grenzen im Kino gibt, es gibt nur die individuelle Grenze des Geschmacks, die aufzeigt, wie weit eine Szene nun wirklich ausgereizt werden darf, von Pauschallösungen kann in einer echten Kontroverse keine Rede sein. Nun kommt es aber zu dem inszenatorischen Kniff, mit dem Haneke den Zuschauer aber wirklich an die eigene Schmerzgrenze führt: Während es in anderen Horrorfilmen Gang und Gäbe ist, die Gewalteskapaden zu zelebrieren und die Kamera alles bedingungslos aufsaugen zu lassen, rückt Haneke die physische Brutalität aus dem Fokus und lässt die Lage damit Off-Screen eskalieren. Schreie bohren sich in ihrer ganzen Härte bis tief ins Mark.
 

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Der Ball wird ins Rollen gebracht

Ein psychologisch mehr als rentabler Schritt, kein verlogener Trick, Haneke lässt nämlich jeden dramaturgischen Effekt durchschaubar und möchte nicht torpedieren, der den Zuschauer mit der Angst konfrontiert, das Grauen nicht sehen zu können, sondern es sich einzig in den Gedanken ausmalen zu müssen. Damit hat der Österreicher eben auch bewiesen, dass der offene Konsum von Gewalt nicht den wahren Schrecken inne trägt, wie die, die sich nur im Kopf des Rezipienten abspielen darf. Wenn die beiden höflichen Sadisten ihre Spielchen mit der Kleinfamilie treiben, sie demütigen, falsche Hoffnungen wecken und schließlich auch die vierte Wand durchbrechen, um das Wort direkt an den Zuschauer zu richten, dann fällt der Horror nicht nur direkt auf den ihn zurück, die entlarvende Wirkung, die Haneke dadurch entfacht, ist ebenso mannigfach. Es wird ja nicht nur der Zuschauer allein entblößt, der sich in seinem Voyeurismus wälzt, obwohl der Terror bereits jede konventionelle Barrikade durchbrochen hat.
Funny Games“ geht sogar so weit, dass er in seiner Prämisse wohl auch der einzige Film ist, der eigentlich nicht gesehen werden möchte, eben weil er mit genau den Mechanismen spielt, die das Genre seit jeher frönt, diese aber in ihrer medialen Brisanz auch demontiert, während der Zuschauer gleichzeitig zum Komplizen gemacht wird; schließlich wird doch nicht abgeschaltet, egal wie konkret die beiden jungen Männer die direkte Interaktion mit dem Zuschauer suchen und ihn damit herausfordern – Paradox, aber ungemein effektiv. Da kann man Haneke natürlich wieder den abgedroschenen Oberlehrer mit lächerlicher Didaktik vorwerfen, aber der erzürnten Widerhall, den Haneke dank „Funny Games“ bereits zu genüge erfahren musste, ist doch eigentlich Bestätigung genug. Darüber hinaus tut „Funny Games“ auch so weh, dass man ihn nie und nimmer einfach übergehen könnte und als 'uninteressant' brandmarken, die Sorge vor dem Einzug des „Bösen“ in die eigentlich heile Welt betrifft uns doch alle.8 von 10 kriminellen und schwulen Sadisten
von souli

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