Review: FREITAG, DER 13. - Reboot à la Bay

Erstellt am 19. März 2013 von Die Drei Muscheln @DieDreiMuscheln
                                                                        

Fakten:
Freitag, der 13. (Friday the 13th).
USA, 2009. Regie: Marcus Nispel. Buch: Damian Shannon, Mark Swift. Mit: Jared Padalecki, Danielle Panabaker, Derek Mears, Amanda Righetti, Travis Van Winkle, Aaron Yoo, Jonathan Sadowski, Julianna Guill, Ben Feldman, Arlen Escarpeta, Ryan Hansen u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: ab 18 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:

Einige Teenager wollen in einer Sommerhaus am Crystal Lake ein spaßiges Wochenende erleben. Sex, Dope, Alkohol, alles was dazu gehört. Zufällig begegnen sie Clay, der gar nicht in Feierlaune ist. Er ist auf der Suche nach seiner Schwester, die vor kurzer Zeit am Crystal Lake spurlos verschwand. Das trübt die Stimmung nicht ernsthaft, bis sie selbst um ihr Leben fürchten müssen. Jason Voorhees, der vor Jahren angeblich im See ertrank, will den Tod seiner Mutter rächen und schlachtet sich unaufhaltsam durch das Grüppchen.



Meinung:
Michael "Bum-Bum" Bay, eine der größten Abrissbirnen und der Krawallbrüder des US-Blockbusterkinos, schickte sich in den vergangenen Jahren an, einige der größten Klassiker des Horrorfilms im neuen Gewand auf die Kinoleinwand zu bringen. Neben "The Texas Chainsaw Massacre" und "Nightmare On Elm Street" auch "Freitag, der 13.". Aus kommerzieller Sicht sicher keine schlechte Idee, künstlerisch aber mehr als zwiespältig.
Im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen handelt es sich bei dieser Neuauflage allerdings nicht um ein klassisches Remake. Wenn überhaupt, eine Neuinterpretation und dann auch eher von Teil 2. Die Geschehnisse des Originals, genau genommen nur dessen Endfight, werden ganz kurz zu Beginn nachgestellt, ab dann lässt sich darüber streiten, ob der Film nun als alternativer zweiter Teil oder einfach als Teil 11 der Gesamtserie angesehen werden kann, der zeitlich irgendwo zwischen Teil 9 und 10 einzuordnen ist. Wie auch immer...
Letztendlich auch vollkommen sekundär, über zeitliche Logik wurde sich schon in der Ur-Reihe eher einen feuchten Dreck geschert. Da zogen, theoretisch, zwischen einigen Filme so viele Jahre ins Land (obwohl fast jährlich erschienen), dass die Handlung schon in den letzten Filmen ("Jason X" mal bewusst ausgeklammert) fast in unserem Jahrtausend spielen müsste, als irgendwann in den wilden 80ern.

Total 80er: Jason pfeift auf ein cooles Outfit

Wie schon bei Bays TCM-Remake darf "unser" Marcus Nispel wieder Regie führen. Was das bedeutet, dürfte dem fachkundigen Publikum klar sein. Nispel versteht sich als ehemaliger Videoclip-Regisseur in erster Linie auf Ästhetik. Clip-Ästhetik. Bedeutet: Das sieht an und für sich recht gut aus. Nimmt man einzelne Momente seines Films oder nur ein kurzes Zeitfenster, z.B. einen Trailer, macht das durchaus Lust. Das es neben der Ästhetik aber noch viel grundliegendere Elemente bei einem Film gibt, ist der Haken bei der Sache. Schlussendlich bleibt ja auch die Frage, was will diese Ästhetik transportieren, wo soll die Wirkung liegen? Genau das ist das Problem, bei "Freitag, der 13." wie Nispels Filmen generell.
Durch seinen betont dunklen, aufgesetzt schmutzigen Flair (was der Film nämlich gerade nicht hat, da es zu gelackt wirkt) suggeriert er Härte, Brutalität und Terror. Hart und brutal ist sein Film auch zweifellos, rein auf seinen Gore beschränkt braucht sich Nispel nicht hinter den anderen Teilen verstecken. Nur die angepeilten Grundstimmung von Leid und Terror kann er nicht erzeugen, bzw. sie nicht aufrecht erhalten. Nispel verweigert sich durch seine heraufbeschworene Ernsthaftigkeit konsequent dem, was die Serie im Prinzip ab Teil 3 prägte: Eine gewissen Charme durch Slasher-Spaß. Teil 1 & 2 erzeugten eher das, was Nispel wohl auch vorschwebte, nur vergaloppiert er sich damit gewaltig. Um wahre Spannung, Terror und ein Mitfiebern mit den Figuren zu bewirken, fehlt es dem Film an Spannung (damit ist nicht Tempo und Gewalt gemeint, die gibt es gerade zum Ende reichlich) und ganz entscheidend: Die rolligen Hampelmänner sind dem Zuschauer nicht nur unsympathisch, sie und ihr Schicksal sind ihm vollkommen wurscht. Wer und ob da überhaupt jemand überlebt, wie grausam er gerichtet wird und wie er leiden muss, total egal. Ab Teil 3 war das ähnlich, hier ging es in erster Linie um Jason, aber das wurde anders angegangen. Das war eben unterhaltsam, sich seiner klischeehaftigkeit und dem dadurch entstehenden Humor (meistens) bewusst und das wurde auch ausgespielt. Nispel geht das so bierernst an, da muss er auch schocken können. Das funktioniert nun mal nicht.

Bei Nispel stehst du im Regen

Es wird schon fast verklemmt, wie er sich an seine Bilder, seine Gewalt und seine wimmernden Opfer klammert, ohne das der Zuschauer nur ein einziges Mal zum Mitleiden eingeladen wird. Im Gegenteil, eigentlich ist jedem der Vögel sein Schicksal voll gegönnt, nur wird im Gegenzug auch Jason nicht als heimlicher Held inszeniert. Somit entsteht ein Film ohne Identifikationsfiguren, nur mit Assis und einem Monster ohne Charme. Langeweile wird eigentlich nur durch das Tempo verhindert. Wie arg es davon abhängig ist, fällt sofort auf, sobald mal über mehrere Minuten niemand ins Gras beißen muss. Da fehlt es Nispel eben an erzählerischem Geschick. Er kann einfach keine Geschichte erzählen, sie nur bebildern.
Bemerkenswert übrigens: Der Titel wird erst nach über 20 Minuten eingeblendet. Fast ein halbes Dutzend Pfeifen wird quasi als Opener verschließen, was andere Filme in maximal 5 Minuten verrichten. Warum? Keine Ahnung, aber eine Möglichkeit: Sonst hätte das Material gar nicht für eine taugliche Spielfilmlänge genügt. So behilft man sich durch eine rein auf den Effekt gerichtetes Abschlachten, was erzählerisch überhaupt keinen Wert hat. Das nennt man dann wohl Gewalt zum puren Selbstzweck. Ohne den Moralapostel raushängen lassen zu wollen, da bin ich auch eindeutig der falsche Mann für, aber das ist doch schon irgendwie billig und fast armselig.
Ich will den Film nicht komplett zerreißen, den irgendwie hat er ja diesen Reiz eines interessanten Trailers, wo durchgehend etwas passiert und die vereinzelten, aus dem Gesamtkontext gerissenen Szenen durchaus Schauwerte besitzen. Tja, aber ein Film ist nun mal mehr als das...
4 von 10 toten Kiffern.