Review: ERBARMEN – Willkommen in der Druckkammer des Grauens

Review: ERBARMEN – Willkommen in der Druckkammer des Grauens
Fakten:
Erbarmen (Kvinden i buret)
Dänemark. 2013. Regie:
Mikkel Nørgaard. Buch: Nikolaj Arcel, Jussi Adler-Olsen (Vorlage). Mit: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Mikkel Boe Følsgaard, Peter Plaugborg, Sonja Richter, Søren Pilmark, Magnus Milland, Michae Brostrup u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 25. September 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Nach einem gescheiterten Polizeieinsatz, wird Kommissar Carl Mørck zu einer Sonderabteilung strafversetzt. Dort soll der alte, ungelöste Fälle bearbeiten, jedoch nicht selbst ermitteln. Dieses Verbot interessiert Carl aber wenig und so untersucht er das Verschwinden einer Politikerin.


Meinung:
Nicht nur Großbritannien lässt das Herz von Krimipretiosen mit Serien wie „Lewis – Der Oxford Krimi“, „Inspector Barnaby“ oder „Sherlock“ höher schlagen, auch Skandinavien hat hinsichtlich dieses Genres einiges im nordischen Repertoire. Da hätten wir beispielsweise „Die Brücke – Transit in den Tod“, „Nordlicht – Mörder ohne Reue“ und natürlich die von Henning Mankells Romanen adaptierte Serie „Wallander“. Nachdem dann auch noch die Verfilmung von Stieg Larssons Millenium-Trilogie („Verblendung“, „Verdammnis“, Vergebung“) nicht nur einen der oberen Plätze der Bestsellerlisten im literarischen Bereich erklimmen konnte, sondern, nachdem sich Schweden an der Reihe versuchte, eine herausragende US-Version von David Fincher nach sich zog, war es eindeutig: Der Krimi feiert endlich mal wieder Hochkonjunktur und ist so gefragt, wie er es seit den 1970er Jahren nicht mehr war. Von daher ist es natürlich auch nur ein logischer Schritt, dass sich die Filmwelt nun auch an den Bändern des Jussi Adler-Olsen zu schaffen macht.

 

Review: ERBARMEN – Willkommen in der Druckkammer des Grauens

Carl und sein Kollege habe jede Menge zu tun

Jussi Adler-Olsen, der eine internationale Anhängerschaft von über acht Millionen Lesern vorzuweisen hat, wird auch in Zukunft mit Sicherheit noch öfter Anlaufstelle für weitere Kino-Adaptionen sein. Nun allerdings geht es um „Erbarmen“, eine Kriminalgeschichte, die bereits in über 35 Ländern erschienen ist und so manchem Konsumenten einen kalten Schauer über den Rücken gejagt hat. Dass es ein äußerst diffiziles Unterfangen ist, einen Roman, der über 400 Seiten aufweist, in einem abendfüllenden Spielfilm von knackigen 90 Minuten unterzubringen, stellt auch das Drehbuch von Nikolaj Arcel (der auch das Drehbuch zum schwedischen „Verblendung“ verfasste) unter Beweis. Es würde zu weit gehen, würde man „Erbarmen“ jegliche filmische Qualitäten aberkennen, doch ob dieser Film im Endeffekt einer Kinoauswertung wirklich gerecht wird, lässt sich nicht so einfach beantworten. Eigentlich, auch wenn das nun fies klingen mag, ist „Erbarmen“ irgendwo doch nur ein solider TV-Krimi, den man locker in das 22 Uhr Programm vom ZDF verschieben hätte können, anstatt ihm seinen Weg auf die Leinwand zu bahnen.
Erbarmen“ versucht es jedenfalls ebenso mit Leibeskräften, dieser ungemein düster-herbe Atmosphäre anderer Skandinavien-Krimis gerecht zu werden. Das Problem an daran ist nur: Der Film wurde, um deutsches Fördergeld einzustreichen, zu großen Teilen in Hamburg gedreht. Soll nicht heißen, dass Hamburg nicht als Setting für einen finsteren Krimi taugen würde, nur geht „Erbarmen“ dahingehend Stimmung verloren, weil er dies ganz eigene Aura der dänischen Landschaften nicht ausnutzen kann. Mit Nikolaj Lie Kaas als Carl Morck, der seit einem Einsatz mit tragischen Ausgang nur noch traumatisiert seinen Dienst antreten kann und durch das Zittern seiner Hände immer wieder an jenen Vorfall erinnert wird, haben wir unseren ersten Stereotyp: Der psychisch-zerrüttete Ermittler. Ihm zur Seite spielt Fares Fares als Assad ziemlich gut auf und gibt verleiht dem Geschehen durch seine irgendwo doch angenehm lockere Art einen gewissen Humor, der das bierernste Szenario zeitweise auflockern kann. Und doch ist „Erbarmen“ nichts, was wirklich für Hochspannung inklusive Nägelkauen sorgt, dafür ist das Narrativ einfach zu beliebig und die Handlung im Allgemeinen ohne jeden originären Gedanken dargeboten.5 von 10standardisierten Psychopathen
von souli