Review: DreamWorks Animation setzt auf die Niedlichkeit in “Die Pinguine aus Madagascar”

Erstellt am 30. November 2014 von Denis Sasse @filmtogo

Die Pinguine aus Madagascar paddeln sich actionreich durch Venedig / alle Bilder © 20th Century Fox

Pinguine marschieren durch die Antarktis. Sie denken nicht großartig darüber nach weshalb sie das tun. Auch verschwenden sie keinen Gedanken daran, wohin die Reise gehen soll. Dafür müsste man sich schon die Dokumentation Die Reise der Pinguine anschauen, die in den ersten Minuten des Spin-Offs Die Pinguine aus Madagascar wunderbar durch den Kakao gezogen wird. Mit der Stimme von Werner Herzog aus dem Off kommend, verfolgen wir ein über das Eis und durch den Schnee kullerndes Ei, vorbei an einer großen Schar von Pinguinen, die ganz im dokumentarischen Stile als putzig, süß und liebenswürdig beschrieben werden. So nehmen die Pinguine sich selbst offenbar auch wahr. Sie watscheln so vor sich hin, große Kulleraugen und naive Kommentare begleiten diesen kindgerecht vergnügten Marsch durch die eisige Kälte.

Dann hüpfen drei kleine Pinguine aus der Masse heraus. Skipper, Kowalski und Rico sind schon vom Namen her nicht die gewöhnlichen Pinguine, die niemals ihre Heimat verlassen würden um sich im sicheren Umfeld der Antarktis auf ein ewig putzig-süßes Leben einzulassen. Skipper ist der Anführer dieser Bande von Außenseiter-Pinguinen, der seine natürlichen Instinkte in Frage stellt und sich auf dem Bauch rutschend der abenteuerlichen Aufgabe annimmt, das vorbei kullernde Ei zu stoppen und es somit nicht den wilden Seeleoparden zu überlassen. Aus dem Ei wird später Private schlüpfen, der vierte Pinguin dieser Bande, die sich schon dreimal als Nebenfiguren durch die Madagascar Filme geschlagen und nun ihren eigenen Film bekommen haben.

Unter der Regie von Simon J. Smith (Bee Movie) und Eric Darnell (Antz, Madagascar 1-3) und nach einem Drehbuch von Michael Colton und John Aboud zeigt der Film nach diesem kurzen Ausflug in die Kindheit der vier Pinguine und ihren Aufbruch in fremde Welten und ferne Abenteuer, wie sie in einem Zirkuszelt genervt von dem immer wiederkehrenden Song „I Like To Move It“ eine Kanone zünden und sich hinein setzen, um dem Wahnsinn der Madagascar-Filme zu entkommen. Damit finden wir Die Pinguine aus Madagascar exakt nach den Ereignissen des dritten Madagascars wieder. Es werden an der Zeltwand die Silhouetten der einstigen Hauptdarsteller um Löwe Alex mitsamt seinen Mit-Zooausbrecher gezeigt, dann entfernt sich dieser Film aber gänzlich vom bereits etablierten Franchise.

Wolf Geheimsache ist der Teamleiter von Nordwind

Die Pinguine bekommen es mit einem durchgeknallten Oktopus zu tun, der selbst unter der Niedlichkeit dieser kleinen Geschöpfe zu leiden hatte. Nun hat er Rache geschworen und plant die Pinguine zu schrecklich-grausamen Kreaturen zu mutieren, die hier gefährlich nahe an die Monster-Versionen der Minions aus Ich – Einfach Unverbesserlich 2 heran reichen. Die Pinguine aus Madagascar ist kein großes Kino. Die Monster-Pinguine sind ein Element, das gerade deshalb nicht funktionieren, weil es in der Minion-Variante noch gar nicht so lange her ist. Dafür zeigt man aber an anderen Stelle viele gute Ideen, brilliert und unterhält vor allem dann, wenn die Geschwindigkeit hochgeschraubt wird.

In einer verrückten Verfolgungsjagd zwischen Pinguinen und Oktopus-Handlangern quer durch Venedig wird man per Gondel, Moped und Skateboard durch die Kanäle und Straßen der Stadt geschleudert, in einer waghalsigen Flug-Choreographie manövrieren sich die Pinguine von Flugzeug zu Flugzeug, von in der Luft schwebenden Kiste zu Kiste, bis sie auf einer Springburg mitten in der Wüste landen. Die vier Kumpelpinguine, die hier zu einer Familie zusammen geschweißt werden, überzeugen immer dann besonders gut, wenn sie in das Genre des Spionagethriller/Komödie gedrängt werden. Wenn sie sich mit ihrem schwarz/weißen Wrack über einen Zebrastreifen rollen und dabei immer im Tarnmodus bleiben, dann sind es diese kleinen Ideen, die mit einem Lächeln honoriert werden sollten.

Aber ganz alleine kommen die Pinguine doch nicht zurecht. Hier bekommen sie Hilfe von einem hervorragendem Team namens Nordwind, angeführt von dem Wolf Geheimsache, komplettiert durch eine kleine Sattelrobbe, einer Schneeeule und einem Polarbären, der Pinguine zum Knuddeln gern hat. Dieses Team konkurriert mit den Pinguinen um den Kampf gegen Oktopus Dave, muss sich am Ende aber ebenso wie Skipper und seine Freunde eingestehen, dass man natürlich nur gemeinsam den achtarmigen Unhold dingfest machen kann.

Nordwind alleine wäre Stoff genug gewesen, um DreamWorks ihren eigenen Animations-Spionagefilm zu bescheren. Sie zu Nebenfiguren zu machen, scheint fast wie eine Fehlentscheidung. Vielleicht werden wir hier aber auch irgendwann mit einem Spin-Off Spin-Off belohnt, sollten die Pinguine nicht ohnehin bald selbst Teil dieser Geheimorganisation werden um tatsächlich zur Elite der tierischen Spionage zu gehören.

Zumindest an die ersten beiden Teile der Madagascar-Reihe reicht dieses Spin-Off jedoch nicht heran, mit Madagascar 3: Flucht durch Europa kann Die Pinguine aus Madagascar allerdings locker mithalten. Sie eröffnen damit ein vermutlich recht lukratives Neu-Franchise an Filmen, die auf niedlichen Nebenfiguren basieren. Die Minions sind bereits bestätigt, während das Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat aus den Ice Age-Filmen immer noch auf ihr Spotlight warten muss.