Review: DAS FINSTERE TAL - Blut im Winter

Review: DAS FINSTERE TAL - Blut im Winter
Fakten:
Das finstere Tal
Österreich, BRD. 2014. Regie: Andreas Prochaska. Buch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska. Mit: Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Erwin Steinhauer, Thomas Schubert, Clemens Schick, Johann Nikolussi u.a. Länge: 115 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 4. September 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
Ein österreichisches Hochtal in den Alpen Ende des 19. Jahrhunderts: Hier herrscht die Brenner-Familie unter rigoroser Führung des Patriarchen (Hans-Michael Rehberg) und seinen Söhnen Hans (Tobias Moretti), Hubert (Helmuth Häusler), Otto (Martin Leutgeb), Rudolf (Johannes Nikolussi), Luis (Clemens Schick) und Edi (Florian Brückner). Fremde finden nur selten in das abgelegene Dorf. Das ändert sich mit der Ankunft Greiders (Sam Riley). Greider war in Amerika und hat den Wilden Westen kennengelernt. Nun wird er den Winter im Dorf verbringen, nur kaum mehr geduldet unter den argwöhnischen Augen der Brenners. Mit seiner weltmännischen Art erregt Greider das Interesse der Dorfgemeinschaft, vor allem aber das der jungen Luzi (Paula Beer), die bald verheiratet wird. Greider ist nicht nur vom Gepäck her schwer beladen hierher gekommen. Auch seine Vergangenheit lastet schwer auf ihm. Und sie ist untrennbar mit einem düsteren Geheimnis verbunden, das die Brenner-Familie umwölkt. Greider hat eine Rechnung offen, die sie bitter bezahlen müssen…


Meinung:
Es dröhnt und knirscht unentwegt in den vernebelt-weißen Tälern und knochigen Wäldern dieses grimmigen, alpinen Westerns, welcher trotz/gerade aufgrund der unfassbar-präzisen Konzentration seiner Genre-Urart eine audiovisuelle Intensität in eisiger Härte heraufbeschwört und den Zuschauer geradezu sprachlos zurücklässt. Innerhalb des übermächtigen Terrors der herrschenden Brenner-Sippschaft zersetzen sich die Seelen der ihr untergebenen dörflichen Gemeinde in schweigend-bebender Furcht - keine Heimatidylle, stattdessen ein ewiger Alptraum im weißen trüben Dreck, welcher sich auch in der hier dargestellten, altertümlich-komplizierten Fotographie bezeichnender Weise für immer einfangen lässt.

Review: DAS FINSTERE TAL - Blut im Winter

Echter Männer im Schnee

Nur der Mythos des einsamen Rächers bringt die lähmende (nicht zelebrierte) Katharsis, auch wenn der Rächende in seiner beinahe gnadenlosen Umsetzung universeller Gerechtigkeit ebenso daran zerbricht und sich anhand seiner natürlichen Feinde zu Kreuze trägt - so wie es denjenigen geschah, denen er die letztendliche, spirituelle und doch bittere Genugtuung verschafft. Ein Martyrium in Blei und Blut, eingeschlossen in einer mit voranpreschenden Gift vermengten Schneekugel, fernab jeder Zivilisation - unter Menschen, welche machtlos in den Morast eingehämmert brachliegen, anhand rostiger Nägel einer bis-in-die-Knochen vereisten Moralverzerrung. So bäumt sich sodann die erbarmungslose Natur zum Schlachtfeld eines unausweichlichen morbiden Machtkampfes zusammen, verallgegenwärtigt dabei Tod & Zerstörung in psychischer & physischer Präsenz und verschlingt jeden Einzelnen im geißelnden Weiß. Worte werden hierin überflüssig, die schnörkellose Konsequenz des bereits bekannten und schicksalhaften Narrativs zieht blank und fesselt sich mit wuchtig-brummender Elektrizität und intimster Kamera-Poesie ins Mark des Zuschauers, während der Score mit seinen radikal-schleppenden Flächen den Boden unter den Füßen hinwegschwemmt.

Lediglich einige zentrale, Genre-affine Chansons finden befreienden, Eis-durchbrechenden Ausdruck für die biblische Passion des Rächers - ähnlich pathetisch-melancholisch in die Seele heraufsteigend wie z.B. in 'KEOMA' oder Peckinpahs 'PAT GARRETT JAGT BILLY THE KID'. Eine vollkommen ironiefreie Stimme der Gestaltung, die in heutiger Filmkultur kaum noch Platz zu finden scheint und gleichsam wie das originäre, wahrhaftig-ehrliche Gesamtgefüge des leidenschaftlichen, kompromisslosen Werkes von Andreas Prochaska jede Beachtung verdient hat. Der erste, echte Western seit John Hillcoats 'THE PROPOSITION'.

8 von 10 Balladen am Firmament

vom Witte

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