Review: COBRA VERDE - Das Ende einer Ära

                                                                                    
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Fakten:
Cobra Verde
BRD, 1987. Regie & Buch: Werner Herzog. Mit: Klaus Kinski, King Ampaw, José Lewgoy, Salvatore Basile, Peter Berling, Guillermo Coronel, Nana Agyefi Kwame II, Nana Fedu Abodo u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Der ehemalige Rinderzüchter Francisco Manoel da Silva muss sein Geld in Brasilien inzwischen als Tagelöhner verdienen. Als ihm sein Sold vorbehalten wird, erschlägt er seinen Vorarbeiter. Nun ist er als Outlaw Cobra Verde bekannt. Er landet auf einer Zuckerrohrplantage und wird dort selbst zum Vorarbeiter. Nicht lange, denn nachdem er die drei Töchter des Besitzers schwängert, wird er zur Strafe nach Afrika geschickt, um neue Sklaven für die Plantage zu beschaffen. Ein Himmelfahrtskommando, denn der König von Dahomey gilt als wahnsinnig und hat den Sklavenhandel schon lange eingestellt. Trotzdem läuft zunächst alles ungeahnt positiv. Bis Francisco in einen Aufstand gegen den diabolischen König gerät. Er wird zum Revolutionsführer uns später sogar zum Vize-König.


  



Meinung:
Die fünfte und letzte Kooperation von Regisseur Werner Herzog und seinem liebsten Feind Klaus Kinski bildet einen unrühmlichen Abschluss einer von Wahnsinn geprägten Ära, die dafür immer enorm fruchtbaren Ertrag einbrachte. Es wird wohl niemals wieder eine so merkwürdige, schwierige, gar lebensgefährliche (wenn man alle übermittelten Details als solche absolut ernst nimmt, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt) Dauer-Partnerschaft geben, der wohl jeder Filmfreund einen würdigeren Schlusspunkt gewünscht hätte. Die Vorraussetzungen waren dafür wie geschaffen, doch aus verschiedenen Gründen ist "Cobra Verde" nur ein trauriger Schatten von dem, was das Duo Herzog/Kinski vorher für den deutschen Film geschaffen hat und wohl für die Ewigkeit einzigartig machen wird.

Review: COBRA VERDE - Das Ende einer Ära

Kinski vor seinem Karrieregrab.

Die Hauptkritik richtete sich seinerzeit gegen Kinski, was jedoch viel zu einfach und wenig objektiv wäre. Zweifellos lagen die großen Zeiten von Crazy-Klaus hinter ihm. Oft wirkt er kraftlos und ausgemergelt. Seine impulsive, urgewaltige Energie kommt nur selten zu Geltung und selbst dann erscheint es oft nur wie ein müdes Aufbäumen. Kinski war zu der Zeit schon recht weit unten, keine Frage. Für Schrott hat er sich Zeit seiner Karriere hergegeben, nur in den späten 80ern ging es kaum noch tiefer. Im grob gleichen Zeitraum wie "Cobra Verde" erschienen beispielsweise die Perle "Crawlspace", billigster US-Horror-Trash, der allerdings (wie man hier auch nachlesen kann) insgesamt sogar "besser" abschneidet (subjektiv gesehen) als dieser Film. Warum? Trash ist Trash. Punkt, aus, fertig. Da gibt es nicht viel zu interpretieren oder gewollten Anspruch, so was muss sich unter nicht vergleichbaren Massstäben messen lassen. Und wer muss nicht grinsen, wenn eine vollkommen durchgeschepperter Klaus Kinski als Organ-sammelnder Hausmeister wüst geschminkt auf dem Dachboden den Hitlergruß macht und später mit einem Schlitten durch die Lüftungsschächte flitzt? Das ist das Ding. "Cobra Verde" ist eine ganz andere Nummer. Herzog will erneut großes Kino machen und versucht ein letztes Mal, "seinen" Klaus vergangener Tage aufleben zu lassen. Kinski wirkt bemüht, aber nicht mehr in der Lage.

Review: COBRA VERDE - Das Ende einer Ära

Klaus dreht durch...mal wieder.

So, aber nun zum wohl eigentlichen Sündebock, und das ist Werner Herzog, sonst (bis dahin) wenig angreifbar, was sein filmisches Schaffen darstellte (im Gegensatz zu Kinski). Seine sehr eigenwillige Interpretation der Buchvorlage "Der Vizekönig von Ouidah" von Bruce Chatwin ist schlicht nicht geglückt und entbehrt Stärken, die Herzog sonst aus dem Effeff beherrscht. Hastig und unvollkommen holpert die Handlung (speziell zu Beginn) vor sich hin, ein Fluss zwischen den Szenen ist eigentlich nicht auszumachen. Eine gesunde Überlänge hätte dem Film definitiv gut getan. So hetzt Herzog in einem ungewohnt hektischen Tempo durch die Handlung, nimmt ihr dabei viel Verständniss und lässt es zur bloßen Aneinanderreihung von Momenten verkommen, von denen auch nur wenige über eine gewisse Größe verfügen. Das einzige Plus des Films - neben der eigentlich interessanten Geschichte - ist die Fähigkeit von Herzog, Einzelsequenzen durchaus imposant zu inszenieren, was man im heutigen deutschen Kino so gar nicht mehr kennt. Hält man sich dagegen jedoch seine thematisch ähnlich gelagerten Meisterwerke "Aguirre, der Zorn Gottes" und "Fitzcarraldo" vor Augen erkennt man das nicht nur Kinski, sondern viel mehr Herzog hier hinter den Erwartungen zurückbleibt, um es mal gnädig zu formulieren. Was hätte das für ein Film sein können, nur das Resultat ist eine leere Hülle, narrativ schon fast fahrlässig schludrig und ohne die immense Kraft, die eigentlich zu erwarten wäre. Authentische Kulissen und Statisten sind da das Mindestmaß, was man erwarten darf, das ist geglückt. Sonst wirkt "Cobra Verde" wie ein gescheitertes Großprojekt mit viel Potenzial und noch mehr selbstgesetzten Anspruch, was einfach nicht erfüllt wird. Die Handlung und die Figur des Cobra Verde bleiben unfertige Baustellen, grob vorgetragen und lassen nur ganz kurz die Ansätze erkennen, die Herzog wohl vorschwebten.
Lediglich zum Ende wird "Cobra Verde" doch noch leicht interessant und wirkungsvoll, da findet Herzog endlich mal die Ruhe, um Dinge wirken zu lassen. Nur viel zu spät. Das Finale scheint sinnbildlich für das Ende der Partnerschaft Herzog/Kinski. Ein gebrochener Mann kämpft hoffnungslos mit einer viel zu schweren Last. So sehr er sich bemüht, das Boot will einfach nicht zu Wasser gelassen werden. Müde versinkt er in der Brandung. Melancholisch, da so wahr, aber das kann unmöglich der Sinn und Zweck von Herzog gewesen sein, sonst hätte er wissentlich den Film versenkt. Traurig. Fin. Endgültig.
4,5 von 10 Szenen einer Ehe.


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