Review: CAPOTE – Manipulation, Selbstzerstörung und Unsterblichkeit

Review: CAPOTE – Manipulation, Selbstzerstörung und Unsterblichkeit
Fakten:
Capote
USA, Kanada. 2005. Regie: Bennett Miller. Buch: Dan Futterman, Gerald Clarke (Vorlage). Mit: Philip Seymour Hoffman, Cathrine Keener, Bruce Greenwood, Chris Cooper, Clifton Collins Jr., Mark Pellegrino, Amy Ryan, Bob Balaban, Marshall Bell, R.D. Reid, Allie Mickelson u.a. Länge: 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Story:
USA, 1959: Mit seinem Roman „Frühstück bei Tiffany“ feiert Truman Capote großen Erfolg. Nun ist er auf der Suche nach einer neuen Geschichte. Fündig wird er in der Zeitung. Dort wird von einem brutalen, vierfachen Mord berichtet. Capote will über diesen echten Kriminalfall einen Roman schreiben. Ein Novum in der Literaturszene.

Meinung:
Manchmal blickt man einem Schauspieler in die Augen, beobachtet ihn bei seinem Spiel, bei seiner Interpretation eines fremden Menschen und bemerkt im Nachhinein nicht nur, wie man sich in der Darstellung des Künstlers in vollen Zügen verloren hat, sondern auch, wie sich der Künstler auf der Leinwand in den Untiefen seiner Figur verloren hat und mit dieser verschmolzen ist. In „Capote“ ist es Philip Seymour Hoffman, der dem gefährlichen Charme des Truman Capote verfällt und dafür eine Transformation der Extraklasse vollstreckte, zu der nur wenige Schauspieler in dieser erschreckenden Exaktheit in der Lage sind - Und der Zuschauer wird im Anblick dessen zu Wachs in seinen Händen. Dabei ist es gerade spannend, und der Film lebt natürlich von seiner psychologischen Komponente, die Person Truman Capote nach persönlichen Maßstäben zu analysieren und die Facetten seiner exaltierten Persönlichkeit, denen Philip Seymour Hoffman allen vollends gewachsen ist, zu deuten und wie bei ein ungeordnetes Puzzle zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.

Review: CAPOTE – Manipulation, Selbstzerstörung und Unsterblichkeit

Dandy, Querdenker, Genießer: Truman Capote

„Capote“ lebt von seinem brillanten Hauptdarsteller und es wäre wohl kaum vermessen, würde man die Frage in den Raum werfen, wie man diese renommierte und ebenso kritisch beäugte Persönlichkeit authentischer hätte verkörpern sollen? Philip Seymour Hoffman wird ganz einfach zu Truman Capote und jede Gesichtsregung, jede noch so winzig erscheinende Geste wirkt echt, obwohl sie bis ins kleinste Detail durchexerziert und perfektioniert wurde. Reißt ein Schauspieler das Ruder in einem solch rigorosen Ausmaß an sich, dann könnte das Problem entstehen, dass sich die eigentliche Handlung des Films nicht wirklich aus dem alles überschattenden Glanz seines Stars bewegen kann und gänzlich durchhängt. „Capote“ aber wird durch Hoffman angetrieben, durch ihn erzählt und das Drehbuch von Dan Futterman so entfaltet, während sich Bennett Millers Inszenierung durchweg in einer ungemein grazilen Elegie wähnt. Kühle, schwermütige Aufnahmen eines 60er Jahre Amerikas, das langsam in den Geschmack der blasierten Schickeria kommt – Und Truman Capote heizt den Laden durch seine dedizierten Manierismen erst so richtig an.
Dass das Drehbuch sich stringent auf den Zeitraum von 1959 bis 1966 fokussiert, ermöglicht – im Gegensatz zu einem ausufernden, krampfhaft auf Komplettierung angelegten Portrait – das Leben Capotes, die Entwicklung und die Empfindungen konkret zu intensivieren und durch subtile Anekdoten an die Oberfläche zu kehren. Die Recherche zu seinem Roman „Kaltblütig“ sind legendär. Ausschlaggebend für den Film ist der Startschuss dieser, die den Aufstieg in den Olymp, aber auch den Abstieg in die Selbstzerstörung einleiteten. Capote ist, so locker und spitzzüngig er sich im Kreis High Society gibt, ein intellektueller Manipulator, dessen Mysterium daraus entsteht, nie wirklich zu wissen, in welche Richtung er seine Taten nun wirklich beabsichtige, welche Ziele er damit wirklich erreichen wollte. Sucht der extravagante Mann nur den eigenen Vorteil, oder sucht er einen Weg, wie er sich selbst vor seinen Gefühlen schützen kann – oder andere Menschen vor den Ausmaßen dieser? „Capote“ weiß viele Ansätze zu erzeugen, doch er überlässt dem Zuschauer den Freiraum, den letzten Schritt eigenständig zu gehen. Und das ist extrem wertvoll.

8 von 10 brutalen Familienmorden

von souli


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