Review: A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT - Einer der schönsten Gruselfilme der letzten Jahre

Review: A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT - Einer der schönsten Gruselfilme der letzten Jahre

Fakten:
A Girl Walks Home Alone At Night
US. 2014. Buch und Regie: Ana Lily Amirpour. Mit: Sheila Vand, Arash Marandi, Marshall Manesh, Mozhan Marno, Dominic Rains, Rome Shadanloo, ua. Länge: 104 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.
Story:

In einer Stadt irgendwo im Nirgendwo taucht eines Nachts eine junge Frau auf, die nachts den Einwohnern folgt, um ihren Blutdurst zu stillen. Als sie auf einen jungen Mann trifft, der ihre Gefühle der Verirrung teilt, scheint sich zum ersten mal etwas in ihrem Leben zu verändern.

 

Meinung:
Als Nachrichten zu dem Film „A Girl Walks Home Alone At Night“ zum ersten Mal ihre Runde machten und auch einige überschwängliche Stimmen nach Europa kamen, waren es wohl vor allem zwei Dinge, die die Aufmerksamkeit noch potenzierten. Erstens die Tatsache, dass eine junge Frau mit ihrem Debüt einen Vampir-Western ablieferte (und dann auch noch einen abseits von schmachtenden Blicken und triefenden Liebensbekundungen) und zweitens die Herkunft der Filmschaffenden. Ana Lily Amirpour ist iranisch-amerikanisch und nutzt ihre Arbeit an diesem Genrefilm, der auf der Berlinale und in Sundance gezeigt wurde (beides Festivals, die man mit gutem Recht als politisch einstufen darf) überaus schlau, um ein Statement anzubringen. Dass der Film nebenher auch noch überaus gut gelang, macht dieses Debüt nur noch umso liebenswerter.
 

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Wenn James Dean wüsste, dass Rauchen tötet...

Der Film spielt in einer tristen Gegend, eine Stadt ohne Namen. So möchte man zumindest denken, doch wird  der Ort später noch als „Bad City“ namentlich definiert werden. Die Stadt ist zwar zivilisiert aber karg, leer, ruhig und mit einem offenem Geheimnis ausgestattet. Jeder weiß um es, niemand redet darüber. Wortlose Männer kommen und rollen die wortlosen Leichen in eine Grube neben einer Straße. Die Menschen, die dort leben schauen schon gar nicht mehr auf, wenn sie an der Grube vorbeigehen. Manche Menschen sterben halt und irgendwo müssen sie dann ja hin. Also wieso nicht dort. In Bad City also wird die Handlung spielen, ein Ort, dem man einen Charakter zuschreiben würde, wenn er einen hätte. Stattdessen dominiert die Leere. Die Einwohner sind zwar von der Präsenz der Stadt beeinflusst, aber insofern, dass sie sich nicht kümmern. Es herrscht quasi Anarchie, nur dass sich niemand deshalb aufregen würde. Amirpour nutzt diesen Ort überaus geschickt, um die Figuren und die Vampir-Thematik einzuführen. Die Parallelen zu Klassikern der Postmoderne werden schnell deutlich, wenn Amirpour Marcellus Wallace aus „Pulp Fiction“ zitiert und sich generell einem Hauptmerkmal der Postmoderne annimmt; dem Rückbezug auf die klassische Ära.
 

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I'm walking on sunshine ♪

Dieser Rückbezug funktioniert vor allem über allerlei Witz und Nostalgie. Der Protagonist ist überaus stark an James Dean angelehnt, er fährt ein altes und sehr gepflegtes Auto, hat wuschelige Haare, trägt eine Sonnenbrille und ein weißes T-Shirt. Ebenso deutlich wird diese Retro-Ansicht der Geschichte über das Schwarzweiß des Bildes und der Gut-Böse-Schematik: Der Bösewicht hat sich das Wort „SEX“ auf den Hals und ein zerbrochenes Herz auf den Nacken tätowieren lassen. Zudem hebt er Gewichte, als er die Protagonistin beeindrucken möchte. Sein Anrufbeantworter plärrt dem Anrufer „Hinterlass `ne Nachricht, du Schlampe!“ entgegen. Derartige plakative Schematik ließe sich dem Film bestimmt negativ anrechnen, wenn man den Humor darin nicht sehen würde. Humor, der nicht immer so brachial, sondern auch überaus elegant und genial daherkommt. Die Vamp (gibt es ein Wort für einen weiblichen Vampir?) fährt nachts auf einem Skateboard durch die Straßen, Amirpour lässt damit verschmitzt das Klischee des schwebenden Vampirs auflaufen. Der Humor verkommt aber nie zum Selbstzweck, viel mehr bewirken diese Momente in den Straßen, dass die junge Frau wie eine Hüterin auf Patrouille wirkt. Wie ein Wesen auf einer Mission - eine Tatsache die sie selbst von sich nie behaupten würde. Sie sieht ihren Platz in der Welt gar nicht. In einer Szene wird sie gefragt, was das letzte Lied sei, das sie gehört habe. „Hello“ von Lionel Richie sagt sie.
 

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Sabber, schmatz, lechz.

Amirpour nutzt die Vampir-Thematik schlau, um in „A Girl Walks Home Alone At Night“ eine Geschichte über Sucht, Abhängigkeit und Ausbeutung zu erzählen. Eine Verbindung, die sich sehr gut mit dem Subgenre verträgt, dass die Regisseurin für ihr Debüt gewählt hat. Während die Bewohner der Stadt von ihrer Drogensucht gegeißelt werden, erliegt die junge Frau immer wieder ihrer Abhängigkeit vom menschlichen Blute. Die Sucht ist dabei ein und dieselbe; destruktiv, egoistisch. Eine Welt der Ausbeutung, Eigensucht und gewissermaßen des Fremdenhasses, in der eines ganz elementar ist, was die Einwohner allerdings wohl vergessen haben. Empathie ist es, die ausgerechnet von einem Vampir schließlich Einzug in diese Welt findet - und das gleich auf mehreren Ebenen. Wenn die Protagonistin nachts durch die Straßen schleicht, trägt sie ein Gewand, das stark an die Burka erinnert, die Frauen in muslimisch geprägten Gesellschaften zu tragen haben. Und einfach so, ohne viel Aufregen oder aufgeplusterte Dramatik, hinterlässt Amirpour hier ein feministisch-politisches Statement, das sie schon durch den Filmtitel ankündigte. Grandios ambivalent wird ihre Arbeit dann, wenn der Film seinen Mittwendepunkt überschreitet, Vampir auf Mensch trifft - im Wesen verschieden, im Schicksal gemein - wenn die Kamera ganz ruhig bleibt und Licht und Musik alles erzählen, was es zu erzählen gibt. In solchen Momenten nimmt die Macht des Kinos Überhand, und vereint Gegensätze auf so stille Weise, dass man nie wieder was anderes sehen möchte.


Mit ihrem Erstlingswerk „A Girl Walks Home Alone At Night“ ist der Regisseurin Ana Lily Amirpour genauso ein Märchen der Tristesse gelungen wie eines der Versuchung. Ein Film wie eine Annäherung dessen, was zusammen gehört. Auf viele verschiedene Wege kodiert, mit gelungener Bildsprache und einer jungen Kraft, die stets zu überzeugen weiß. Tatsächlich fallen einem noch lange nach der Sichtung immer wieder Kleinigkeiten auf, bei denen man sich freut, sie bei der nächsten Sichtung erneut zu entdecken. Ein etwas anderer Genrefilm ist das geworden und ein Hit noch dazu, so ist der nächste Film von Amirpour schon angekündigt. Als Mischung aus „El Topo“ und „Dirty Dancing“ beschreibt sie ihr neues Werk, das sich klar und deutlich als Kannibalen-Romanze definieren lassen soll. Und wenn man sich bewusst macht, wie sehr sich die Risiken bei diesem Vampirfilm gelohnt haben, dann kann man es gar nicht mehr aushalten, bis man das nächste Werk von Amirpour im Kino begutachten darf.


7 von 10 Pantomimen

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