Religiöses Fasten IIIa: Christentum

Gastbeitragsreihe von Daniela Liebscher

Christliche Fasten Folge 1 Einführung und derzeitige Fasten in Deutschland

Die kirchliche Fastentradition beruht auf relativ allgemeinen Aussagen im neuen Testament, wie diese Stelle aus Lukas Kapitel 5, Abschnitte 33-35:

Sie aber sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger Johannes’ oft und verrichten Gebete, gleicherweise auch die der Pharisäer; die deinigen aber essen und trinken? Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr könnt doch nicht die Gefährten des Bräutigams fasten lassen, während der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, und wann der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, dann, in jenen Tagen, werden sie fasten.

(Quelle)

Aus dieser klaren Aufforderung nach dem Hinscheiden Jesu zu fasten, entwickelten sich unterschiedliche Fastentraditionen in den verschiedenen Kirchen.

Diejenigen Fasten, welche mit Nahrungsverzicht einhergehen, werden in Deutschland zur vorösterlichen Fastenzeit nur noch vereinzelt praktiziert. Meist wird dann auf einzelne Nahrungsmittel oder Süßigkeiten verzichtet. Eine Ausnahme bilden diejenigen Gläubigen, die sich aus religiösen Gründen entschließen, ein Heilfasten zu begehen, weshalb dies hier ein wenig erläutert werden soll.

Zwischen religiösem Fasten und Heilfasten gibt es sowohl Gemeinsamkeiten als auch entscheidende Unterschiede. Diese beiden Arten des Fastens, die in sich jeweils viele verschiedene Fastenarten „beherbergen“, haben trotz ihrer weiten Definitionen vor allem Differenzen sowohl in der Zielsetzung als auch in der Durchführung. Jedoch verschwimmen die Unterschiede in der Zielsetzung sobald das Heilfasten im Rahmen zum Beispiel von kirchlichen Einrichtungen als religiöses Fasten propagiert und praktiziert wird. In Deutschland ist diese Tendenz vor allem bei den katholischen und protestantischen Kirchen in den letzten Jahren deutlich zunehmend, wie verschiedene kirchliche Internetseiten zeigen. Dieser Trend lässt sich auch auf englischsprachigen kirchlichen Websites feststellen.

Allein aufgrund der Tatsache, dass es seit wenigen Jahrzehnten als eine Art des religiösen Fastens genutzt wird, ist eine Untersuchung der gesundheitlichen Aspekte des Heilfastens für die vorliegende Arbeit von Bedeutung, obwohl es als solches von seiner Methodik her in keiner der heiligen Schriften oder Gesetzestexte verankert ist.

Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) erklärt das Heilfasten in ihren aktuellen Leitlinien zur Fastentherapie als einen “freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für begrenzte Zeit.” Bei richtig durchgeführtem Fasten besteht laut ÄGHE “gute Leistungsfähigkeit ohne Hungergefühl.” Außerdem betrifft das Fasten “den Menschen in seiner Körper-Seele-Geist-Einheit.” Bei Fastenexerzitien wird meist ein kurzes Fasten von einer Dauer zwischen fünf und sieben Tagen vorgenommen- therapeutisches Heilfasten für erkrankte Personen kann viel länger dauern. Näher will ich hier nur die medizinische Datenlage zu dem kurzen Fasten für Gesunde zusammenfassen, da dies für religiöse Zwecke das relevantere ist:

Bisher konnten die wenigen Studien welche ein siebentägiges Heilfasten an Gesunden untersuchten, leichte Auswirkungen auf das Körpergewicht und die Blutfettwerte zeigen. Diese sind jedoch bisher nicht langfristig und nicht gut genug untersucht, um daraus sichere Schlüsse für eine mögliche Verringerung des Risikos für Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu ziehen.

Genauso wenig zeigten sich jedoch bisher langfristige unerwünschte Effekte auf die Gesundheit (siehe ab Herbst 2012: Auswirkungen religiösen Fastens auf anthropometrische Parameter, Blutfettwerte und Hämodynamik normalgewichtiger gesunder Probanden, Dissertation Daniela Liebscher). Leichte Befindensstörungen in den ersten Tagen wie ein unangenehmes Hungergefühl, Kopfschmerzen oder Kältegefühle sind meist nach kurzer Zeit überwunden, vor allem bei professioneller Betreuung und Anwendung einiger einfacher Hausmittel.

Wenn man jedoch regelmäßig Medikamente einnimmt sollte man vor einem Heilfasten einen kundigen Arzt konsultieren und eher ein betreutes Fasten bevorzugen.



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